Kommentar zu Vorwürfen gegen Hephata: Reform hat viele Folgen

Schwere Vorwürfe gegen das Hessische Diakoniezentrum Hephata: Die Mutter einer Ex-Schutzbefohlenen sagt jetzt öffentlich, dass ihre 26-jährige Tochter in einer Hephata-Außenwohngruppe tablettenabhängig geworden sei. Letztlich aus Personalmangel sei die 26-Jährige teils nachlässig betreut worden. Die Heimaufsicht verlangt, dass Mängel abgestellt werden. Ein Kommentar dazu von Anne Quehl.

Nicht lückenlos dokumentierte Tablettengaben - das ist schwerwiegend. Schließlich geht es um ein stark wirksames Medikament, das abhängig machen kann. Hephata hat die Mängel nach eigenen Angaben inzwischen abgestellt.

Das ist der Aufmerksamkeit und Fachkenntnis einer Mutter zu verdanken. Einer Mutter, die sich tiefschürfend Gedanken macht und deshalb mit ihren Vorwürfen an die Öffentlichkeit geht. Denn dass ihre Tochter jetzt woanders lebt, sei nur eine individuelle Lösung.

Sie will, dass die Begleitumstände analysiert werden und ist damit eine der Angehörigen, die vor unbeabsichtigten aber möglichen Folgen der reformierten, dezentralen Unterbringung behinderter Menschen warnen. Diese sei nämlich personalintensiv und damit teuer. Teurer womöglich, als man erwartete. Der häufigere Griff zur Beruhigungstablette durch überlastete Betreuer scheint vor diesem Hintergrund so unwahrscheinlich nicht. Die offene Kommunikation darüber ist der richtige Schritt.

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