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Krimineller rächt sich bei Pensionär Heinz Giritsch mit Identitätsdiebstahl

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Heinz Giritsch sitzt vor einem Laptop und hält einen Telefonhörer in der Hand.
Nach dem Identitätsdiebstahl griff Heinz Giritsch zum Telefon und entschuldigte sich bei allen, die vom Betrüger unter seinem Namen beschimpft wurden. © Philipp Knoch

Der 81-jährige Heinz Giritsch aus Treysa wurde fast Opfer eines Anlagebetrügers. Nur durch sein besonnenes Handeln fiel er nicht auf den Betrüger herein.

Schwalmstadt – Heinz Giritsch aus Treysa wurden von einem Betrüger vorbörsliche Aktien per Telefon angeboten. „Vorbörsliche Aktien sind Wertpapiere von Unternehmen, die noch nicht an der Börse sind, sich aber listen lassen wollen. Aktionäre können sich Anteile des Unternehmens schon vor dem Börsengang zu einem festgelegten Preis reservieren“, erklärt Giritsch, der sich regelmäßig mit Aktienhandel beschäftigt.

Wahrscheinlich nur deshalb hatte der Anlagebetrüger, vor dem auch die deutsche Finanzaufsichtsbehörde Bafin warnt, bei dem Schwalmstädter keinen Erfolg.

Der Betrugsversuch lief per Telefon: Der Anlagebetrüger habe ihm vorbörsliche Aktien eines großen deutschen Unternehmens angeboten, berichtet Giritsch. Er sei an der Aktie interessiert gewesen und habe per E-Mail einen Zeichnungsschein, also den Kaufvertrag für die Wertpapiere, zugesendet bekommen.

Es sei nicht ungewöhnlich, dass Anlageberater ihren Klienten telefonisch Aktien anböten und untereinander die Nummern ihrer Klienten austauschten, sagt der Schwalmstädter.

Giritsch bemerkte den Betrug

„Ich bin dann stutzig geworden, dass ich so viele Aktien bekommen sollte, wie ich mir gewünscht hatte. Das ist bei Börsengängen von größeren Unternehmen schon ungewöhnlich“, erzählt der 81-Jährige. Daraufhin habe er Verdacht geschöpft und bei dem Unternehmen, dessen Börsengang Giritsch erwartete, nachgefragt.

Dort habe man Giritsch erklärt, dass vorbörsliche Aktien gar nicht zum Verkauf stehen würden. Außerdem sei die Person, die Giritsch die Aktien telefonisch angeboten hatte, überhaupt nicht zum Verkauf der Wertpapiere des Unternehmens berechtigt sei. Der Preis sowie das genaue Ausgabedatum der Aktien stünden nämlich noch gar nicht fest.

„Da war mir klar, dass es ein Anlagebetrug ist“, sagt Giritsch. Doch der Betrüger ließ nicht locker. Er schickte dem Schwalmstädter noch mehrere Mails mit Zahlungsaufforderungen und übte abermals telefonisch Druck auf den Pensionär aus – der das alles ignorierte.

„Ich habe ja nie einen Zeichnungsschein unterschrieben, alle Forderungen waren Quatsch. Am Telefon habe ich ihm auch klar gesagt, dass ich ihn für einen Betrüger halte“, schmunzelt der 81-Jährige, der kurze Zeit später in den Urlaub fuhr.

Betrüger rächte sich offenbar an Giritsch

Bei seiner Rückkehr erlebte er allerdings eine böse Überraschung: Auf dem Anrufbeantworter fand er jede Menge wüste Beschimpfungen von Menschen, die sich über ihn beschwerten.

„Vermutlich hat der Anlagebetrüger, um mir eins auszuwischen, bei mehreren Leuten aus der Schwalmstädter Gegend angerufen und sie beschimpft und teilweise ausländerfeindlich beleidigt. Dabei hatte er seine Rufnummer so manipuliert, dass der Betrüger unter meiner Nummer angerufen hat“, erläutert Giritsch.

Unter den Beleidigten war laut Giritsch auch ein Rocker, der ankündigte, zu Giritsch nach Hause zu kommen. Da schaltete der Pensionär die Polizei ein.

Bei Verleumdung blieb es nicht: Der Betrüger tätigte mehrere Bestellungen auf Giritschs Namen. Unter anderem bestellte er Taxen, Blumengestecke und Essen.

Giritsch griff in den folgenden Tagen zum Handy und klärte unter anderer Nummer alle Beschimpften über den Sachverhalt auf. „Das würde ich auch jedem empfehlen, dem so etwas passiert ist. Bei fast allen habe ich die Gemüter beruhigen können.“ Zum Glück habe der Missbrauch seiner Telefonnummer irgendwann aufgehört. (Philipp Knoch)

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