Baumfällungen in der Schwalm 

Kritik am Schnitt vieler Bäume: Experte spricht von Kahlschlag

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Blick auf den Mühlgraben nahe des Großen Wallgrabens in Ziegenhain: Auch hier wurden dicke Weiden auf den Stock gesetzt.

Schwalm. Der Schnitt vieler Bäume an Bahnradweg, Mühlgraben Ziegenhain und bei Loshausen empört Naturschützer in der Schwalm. Diplomforstwirt Philipp Funck kritisiert Umfang und Ausführung ebenfalls. 

Besonders die Tatsache, dass zwischen Schwalmstadt und Loshausen viele Weiden im Rahmen der „Gehölzpflege und Verjüngung“ auf den Stock gesetzt wurden, bringt Naturschutzfreunde und Imker auf, denn die Weidenblüte ist jetzt im frühen Frühjahr die erste und wichtigste Bienenweide.

Was sagt der Baumsachverständige Philipp Funck dazu?

Die massive Kritik an den angeblichen Verjüngungsarbeiten sowohl am Radweg als auch an der Bahntrasse in Treysa ist durchaus gerechtfertigt. Es handelt sich hier eindeutig um einen Kahlschlag und nicht um eine fachgerechte Pflegemaßnahme.

Aber es muss doch auch einen Rückschnitt geben?

Pflegemaßnahmen werden in dem vom Bundesministerium herausgegebenen Merkblatt für Böschungspflege beschrieben, danach müsste alle sechs bis zwölf Meter ein gut geformter und standfester Baum gefördert werden. Durch das „Auf-den-Stock-setzen“ großer Bäume entstehen Bündelbäume mit Faulstellen am Stammfuß, die langfristig verkehrsgefährdend sind.

Welche Folgen erwarten Sie?

Gerade bei dem Radweg ist der Erlebniswert besonders wichtig. Durch die zu erwartenden Stockaustriebe auf großer Fläche entsteht in den nächsten Jahren ein starker Aufwuchs, der spätestens in zehn Jahren ausbruchgefährdet ist und wieder zurückgeschnitten werden muss.

Durch diese Maßnahme entsteht zudem für viele Jahre eine grüne Wand, die den Wert des Radweges für die Nutzer erheblich verschlechtert. Somit war der erste Schnitt zwar kostengünstig, aber die Folgeschnitte sind in kürzeren Zeiträumen notwendig, womit langfristig auch die Pflegekosten wesentlich höher sind.

Gibt es auch vorbildliche Beispiele?

Wie die richtige Böschungspflege auch bei einer Böschung, die lange nicht gepflegt wurde, aussieht, ist an der B 254 bei Schrecksbach zu sehen.

Wie stehen Sie insgesamt zur derzeitigen Praxis?

Die massive Rodung von Verkehrsbegleitgrün an hessischen Bundesstraßen und Autobahnen ist ein Problem der vergangenen Jahre. Dabei wird offensichtlich im Interesse einer vermeintlich kostengünstigen Pflege die vielfache Funktion der Böschungsbegrünung übersehen. Neben den bekannten ökologischen und oft unbewusst wahrgenommen gestalterischen Funktionen dient das Begleitgrün an Straßen auch einer verkehrsleitenden und schützenden Funktion.

Sie sagen, das wird am Ende teuer?

Die kurzfristige Kostenersparnis durch eine Komplettrodung der Böschung oder Bäume an den Straßen führt langfristig zu wesentlich höheren Kosten und erheblichen Vermögensschäden.

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