Kühllogistik ist kein Hexenwerk

Schwalmstadt: 75 Jahre Heidelmann - Vom Möbeltransport zum internationalen Unternehmen

Das Familienunternehmen: von links Volker und Ute Bischoff, Janina mit Tochter Mila und Ehemann Till sowie Christian Bischoff.
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Das Familienunternehmen: von links Volker und Ute Bischoff, Janina mit Tochter Mila und Ehemann Till sowie Christian Bischoff.

Die Schwalmstädter Firma Heidelmann feiert in diesen Tagen ihr 75-jähriges Bestehen. Bei einem Rundgang erinnert sich die Familie gemeinsam an die Anfänge im Nachkriegsdeutschland und blickt in die Zukunft.

Schwalmstadt. Am Anfang gab es einen Lastwagen, mit dem Willy und Martha Heidelmann Möbel und Baustoffe transportierten. Aus der kleinen Firma im Nachkriegsdeutschland von 1946 ist ein Kühllogistikunternehmen geworden, das 250 Frauen und Männer beschäftigt.

Die dritte und vierte Generation, die das Unternehmen leiten, wollten das 75-jährige Bestehen des Familienunternehmens und die Übergabe des neuen Kühllogistikzentrums feiern. Doch statt mit Mitarbeitern, Kunden und Geschäftsfreunden an die Firmengründung zu erinnern, blieb wegen der Corona-Pandemie nur ein Rundgang der Familie und einigen Freunden über das neue Firmengelände an der Hans-Heidelmann-Straße. Sie erinnert an die Verdienste und die unternehmerische Risikobereitschaft von Opa Hans, wie die Familie ihn liebevoll nennt.

Ein Laster aus der Nachkriegszeit: Zunächst transportierte das Unternehmen Möbel und Baustoffe.

Bis 1984 führte die Gründergeneration Willy und Martha das Unternehmen, bevor Hans und Helga Heidelmann, die schon seit 1956 in der Firma arbeiteten, das Ruder im Firmensitz am Horschmühlenweg übernahmen. Mitte der 1960er-Jahre änderte sich die Ausrichtung des Unternehmens. Die ersten Kühltransporter standen auf dem Hof und es begann die Zusammenarbeit mit einem großen Süßwarenhersteller. „Es waren Lagerkapazitäten nötig. Damals lagerten wir Nüsse für den Süßwarenhersteller ein. Doch die Qualitätsanforderungen waren völlig anders als heute, obwohl es das gleiche Produkt ist“, sagt Ute Bischoff, die mit ihrem Mann Volker, 1982 in das Familienunternehmen eingestiegen sind. Drei Jahre später folgte der Bau des ersten Kühlhauses noch am alten Firmensitz.

Einschneidende Veränderungen kamen 1989 mit dem Bau des ersten Hochregallagers An der Feuerwache, dem heutigen Firmensitz. Nach und nach wird der Standort mit Kühlhäusern im Temperaturbereich von -30 bis +20 Grad erweitert. Kühlhaus II wurde 1992 und Kühlhaus III im Jahr 2007/08 eröffnet.

Mit dem Lkw der Firma Heidelmann und Sohn ging es aus der Schwalm zum Frankfurter Flughafen.

Der zweite Generationswechsel erfolgte 1993, als Ute und Volker Bischoff die Geschäfte übernahmen. Das Unternehmen wächst und die dritte Generation gliedert eine eigene Lkw-Werkstatt, das Technik Center Schwalmstadt an. 1995 geht das Logistikunternehmen eine strategische Partnerschaft mit Dachser Logistik Food in der Lebensmittelstückgutverteilung ein. Die Folge: „Wir können vom einzelnen Karton bis zum kompletten Lkw temperaturgeführt alles liefern“, sagt Volker Bischoff. Und das nicht nur in Deutschland, sondern mit der Gründung des European Food Network, an dessen Gründung die Firma Heidelmann maßgeblich beteiligt war, sogar europaweit. Ein neuer Geschäftszweig wurde ab 2000 aufgebaut, nämlich die Pharmalogistik. Nach Darstellung von Ute Bischoff sind die Anforderungen an Lagerung und Transport von Pharmaprodukten um ein Vielfaches höher als im Lebensmittelbereich. Inzwischen sind die Söhne Christian und Till Bischoff und dessen Frau Janina als vierte Generation in das mittelständische Familienunternehmen eingestiegen. Und seit 2017 firmiert das Unternehmen unter Heidemann Kühllogistik GmbH.

Mit der Spezialisierung hat sich das Unternehmen eine besondere Stellung unter den Kühllogistikern erworben. Dabei ist für Christian Bischoff die „Kühllogistik kein Hexenwerk“, man müsse es sich nur zutrauen, voll und ganz dahinterstehen und gesetzliche Vorgaben aufs Genaueste erfüllen. Denn als Dienstleister in der Vorstufe des Handels müssten alle rechtlichen Vorgaben erfüllt werden, ergänzt Till Bischoff. Genau das spiegele sich unter anderem im neuen Kühlhaus IV mit der Cross-Docking-Halle wieder. Sie sollte zum Jubiläum eingeweiht werden. Doch die Coronapandemie machte alle Pläne zur Jubiläumsfeier zunichte. All das soll im kommenden Jahr nachgeholt werden. (Rainer Schmitt)

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