Gutscheinaktion

Kunden in Schwalmstadt kaufen bewusst lokal: Topf von 90 000 Euro aufgebraucht

Hat die Menschen gern mit Gutscheinen bedient: Arian Arifi (17) aus Loshausen ist Jahrespraktikant der Schwalm Touristik in Ziegenhain. Zum Schluss habe die Nachfrage immer stärker angezogen.
+
Hat die Menschen gern mit Gutscheinen bedient: Arian Arifi (17) aus Loshausen ist Jahrespraktikant der Schwalm Touristik in Ziegenhain. Zum Schluss habe die Nachfrage immer stärker angezogen.

4500 Gutscheine für Geschäfte und Lokale in Schwalmstadt wurden ausgegeben, sie bringen 540 000 Euro Umsatz. Doch das städtische Budget dafür ist nun leer.

Schwalmstadt – Lange hatte es gedauert, bis der Startschuss fiel, viel schneller als erwartet, in nicht mal einem Monat, waren die 90 000 Euro ausgeschöpft: Die Gutscheinaktion über die Plattform Mein-Schwalmstadt.de ist beendet. 4500 Gutscheine gingen oder gehen raus an die Kunden von 85 Schwalmstädter Händlern und Wirten. Jeder gezahlte Betrag wurde aus dem städtischen Fördertopf um 20 Prozent an Wert aufgestockt. Insgesamt wird so ein also Umsatz in Höhe von 540 000 Euro generiert. Ein Projekt, das von der Geschäftswelt nun zwar hochgelobt wird und es ins Hessenfernsehen schaffte, doch ist das Bedauern groß, dass schon alles vorbei sein soll.

Jörg Paul Diehl von Heynmöller-Kleidung etwa malt die die Situation des örtlichen Handels rabenschwarz, „trotz Öffnung kommen keine Kunden“. Die Gutscheinaktion sei aber sehr gut angenommen worden, er habe daher Bürgermeister Stefan Pinhard in einem Brief dringend darum gebeten, die Aktion weiter zu unterstützen. Doch Diehl ist pessimistisch: „Ich befürchte, dass hier zu sehr Animosität gegenüber Konkurrenzparteien eine große Rolle spielt. Hier wird meines Erachtens Wahlkampf auf dem Rücken des eigentlichen Motors einer Kleinstadt wie Schwalmstadt, nämlich Handel und Gewerbe, betrieben.“

Christian Herche vom gleichnamigen Schuhhaus ist voll des Lobes: „Die Gutscheinaktion war eine echte Bereicherung, gerade auch weil viele Kunden bewusst lokal statt online gekauft haben und so den lokalen Einzelhandel unterstützen. Außerdem hat man sehr viel Empathie der lokal einkaufenden Kunden gespürt, das tut natürlich in schwierigen Zeiten sehr gut, wenn man merkt, dass „seine Kunden“ da sind und zu einem halten.“ Eine Wiederholung oder Fortführung fände er prima, denn die Situation sei „sehr angespannt aufgrund des faktischen Lockdowns bei offenen Türen und teilweise extremen Umsatzverlusten“. Bisher habe kein Monat im Jahr 2020 auch nur annäherungsweise das Ergebnis des Vorjahres gebracht, ein böses Erwachen drohe.

Gerhard Reidt, der die ganze Kommunikation und Administration leistete – 4500 Überweisungen geschrieben und ebensoviele E-Mails an die Unternehmen gesendet hat – klang im Gespräch mit der HNA gestern erst einmal zufrieden, dass es gestemmt ist. Bis zur letzten Minute in der Nacht auf Montag haben er und Entwickler Benny Hoos online gearbeitet, damit es nicht zu einer ungedeckten Überbuchung kommen konnte. Die Stadt kostete das alles keinen Cent, die Selbstständigen müssen eine Gebühr abführen. Und die wollen nun alle, dass es weitergeht, hat Reidt in etlichen Gesprächen erfahren, gerade auch die aus der Gastronomie. Große Anteile hatten auch Mode- und Elektronikhändler. Viele Gutscheine seien wohl von den Erwerbern als Geschenk vorgesehen.

Schon im Vorfeld hatte Reidt eine Menge zu tun, um Gremien über das im ersten Lockdown entwickelte System schlauzumachen. Das könne im Prinzip überall und jederzeit laufen. Wer wollte, konnte die Gutscheine auch am Tresen bei der Schwalm-Touristik am Paradeplatz erhalten für Bargeld, ansonsten über Bezahldienstleister oder Vorkasse. Zuallererst hatten sich die Freie Wähler (FW) dafür eingesetzt, die wollen es nun auch gern in Fritzlar an den Start bringen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.