Fotorealistische Aufsteller sorgen für Kritik

Löwe, Nashorn und andere afrikanische Tiere sollen in die Schwalmwiesen locken

Aufsteller von afrikanischen Tieren liegen und stehen auf dem Bauhof an der Feuerwache in Ziegenhain.
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Afrikanische Wildtiere: Inzwischen sind die Aufsteller vom Gelände des Bauhofs an der Feuerwache in Ziegenhain verschwunden. Wo sie jetzt sind, ist unbekannt.

Fast wie im Zoo: Afrikanische Tiere sollen als Aufsteller die Schwalmwiesen dekorieren - und Besucher anlocken. Doch das Unterfangen stößt statt auf Euphorie eher auf Kritik und Spott.

Schwalmstadt – Die fotorealistischen Abbildungen von afrikanischen Tieren wie Elefant, Erdmännchen, Löwe und Nashorn sollen offenbar Besucher in die Schwalmwiesen locken.

Im Internet ist auf entdeckeschwalmstadt.de/Schwalm-safari war zu lesen: „Auf Tuchfühlung mit dem König der Tiere. Seite an Seite mit einer stattlichen Elefanten-Dame und ihrem verspielten Jungtier. Oder Auge in Auge mit den aufmerksamen Erdmännchen. Was klingt wie ein Traumurlaub auf dem schwarzen Kontinent, ist Realität vor der eigenen Haustür. Mitten im Schwalmstädter Hochwasserrückhaltebecken machen sich exotische Tiere breit.“ Inzwischen steht dieser Text nicht mehr auf der Seite.

So weit ist es allerdings noch nicht. In der jüngsten Stadtverordnetenversammlung hat sich CDU-Fraktionschef Marcus Theis nach den Figuren erkundigt, die er am Städtischen Bauhof entdeckt hatte. Er nannte in seiner Anfrage auch gleich Vogelschutzbedenken, die Aufsteller könnten im nahenden Herbst die Zugvögel irritieren.

Bürgermeister Stefan Pinhard äußerte sich am Donnerstagabend nur sehr knapp, es solle eine touristische Attraktion werden, „warten wir‘s ab, wenn es aufgestellt ist“.

Schwalm-Safari: Aus der Lokalpolitik hagelt es Kritik

Die Stimmen aus der Lokalpolitik spiegeln allerdings Kritik. So sagte Marcus Theis im Gespräch mit der HNA: „Das passt nicht in die Schwalm, es gibt doch gar keinen Zusammenhang.“ Ihn störe zudem vor allem, dass die Öffentlichkeit nicht beteiligt wird – „wie immer“.

Ähnlich Thomas Kölle (Freie Wähler): Initiative sei grundsätzlich zu begrüßen, doch im Rotkäppchenland und in der Konfirmationsstadt sei die Motiv-Auswahl nicht nachvollziehbar, von den fehlenden Informationen abgesehen.

Dr. Constantin Schmitt (FDP) geht das Verständnis für die ganze Aktion ab. Es sei sogar zu befürchten, dass das Ganze als „Mogelpackung“ bei Besuchern falsche Erwartungen weckt. Laut Schmitt solle das Stadtmarketing gerade jetzt die Attraktivität Schwalmstadts für potenzielle Neubürger und Unternehmen verdeutlichen, bei den aktuellen Herausforderungen habe die FDP-Fraktion hier „komplettes Unverständnis“.

Schwalm-Safari: Touristische Vermarktung ja - aber nicht so

Daniel Helwig antwortet, dass auch die SPD-Fraktion keinerlei Informationen über das Projekt habe, er habe auf Facebook aber verfolgt, dass die Bezeichnung Schwalm-Safari eigentlich schon von einem örtlichen Fahrschulunternehmen besetzt ist. Dass das Rückhaltebecken als Naherholungsgebiet und auch touristisches Areal mehr in den Blick genommen wird, sei zu begrüßen, Dinofiguren oder Safaritiere müssten es aber nicht sein, besser wären Anziehungspunkte wie Blumenwiesen, etwa wie die Mohnwiesen bei Germerode, oder das Aufstellen von Figuren, die zu Stadt passen, zum Beispiel Märchenfiguren. „Auch könnte man den Damm um das Rückhaltebecken als Inliner und Joggerparadies vermarkten.“

Dr. Jochen Riege (Grüne) schreibt in seiner Antwort, dass „alle Fraktionen die Einrichtung einer starken und aktiven Abteilung Wirtschaft und Tourismus wollten. Es ist gut, dass diese Abteilung aktiv ist.“ Man könne über die Attraktivität von Safaritieren oder den Zeitpunkt geteilter Meinung sein, aber eine Erhöhung der Attraktivität des Rückhaltebeckens sei wichtig. Laut Riege gab es Lieferschwierigkeiten, sodass es vor den Sommerferien nicht klappte. Nicht zu allem müsse das Parlament gefragt werden. Was Riege kritisiert ist, dass „eine Vorstellung der Arbeit dieser Abteilung in den Ausschüssen längst überfällig“ sei.

Heidemarie Scheuch-Paschkewitz mailt: „Die Idee einer sogenannten Schwalmsafari in den Schwalmauen finde ich absurd und grotesk. Im Rotkäppchenland sollten wir unsere Tourismusattraktionen auf die Märchen der Brüder Grimm beziehen. Alles andere ist aufgesetzt und nicht authentisch. In einer Stadt, die ihre mittelalterliche Struktur erhalten will, macht eine sogenannte Safari wenig Sinn.“ (Anne Quehl)

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