Haftstrafe wird zur Bewährung ausgesetzt

Mann war wegen zehn Vergehen angeklagt: Zeugen berichten Amtsgericht von Gewalttaten

Das Amtsgericht Schwalmstadt ist in Treysa.
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Das Amtsgericht Schwalmstadt: Hier fand der Prozess gegen den 30 Jahre alten Mann statt. Archivfoto: Anne Quehl

Am zweiten Prozesstag gegen einen 30-Jährigen, der wegen zehn Punkten angeklagt war, sagten nun Zeugen aus. Das Gericht setzte die Freiheitsstrafe auf Bewährung aus.

Treysa – Zum zweiten Verhandlungstag des Prozesses wegen Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung, Fahren ohne Führerscheins und weiterer Straftaten gegen einen 30-jährigen Mann hatte das Schöffengericht 13 Zeugen geladen.

Als erste Zeugin berichtete eine Polizeibeamtin von den Vernehmungen der Geschädigten. Da sie keine Details über die Taten nennen durfte – denn die Geschädigte hatte als Verlobte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht – beschränkte sich ihre Aussage auf allgemeine Beobachtungen.

„Ich habe die Frau mehrmals gefragt, ob sie verlobt sei, jedoch verneinte sie dies immer“, berichtete die Polizistin. Der Angeklagte habe einen enormen Druck auf die Geschädigte ausgeübt, selbst bei den Vernehmungen habe er sie mit permanenten Nachrichten überschüttet. Die Geschädigte habe ihr erklärt, sie sei nur mit ihm zusammen, da er gedroht habe, sonst ihren Kindern, ihrer Mutter und ihrer Oma etwas anzutun.

Eine Nachbarin berichtete, es habe immer wieder Streit und Geschrei bei den beiden gegeben. „Meine Tochter hat ihr Zimmer unter deren Wohnung“, so die Zeugin. Die Tochter sei oft zu ihr gekommen und habe gesagt, es rumpele oben wieder. Einmal sei der Angeklagte wohl bei der Frau eingebrochen, danach habe diese vor Panik zitternd vor ihrer Wohnung gestanden. Sie habe die Frau dann zu deren Mutter gefahren.

Amtsgericht Schwalmstadt: Zeugen berichten von Gewalttaten

Ein weiterer Nachbar beschrieb, wie er gesehen habe, dass der Angeklagte die Frau mit der Faust mehrmals geschlagen habe. „Jemanden so brutal zu schlagen – das habe ich noch nie gesehen“, so der junge Mann. Er sei dazwischen gegangen und seine Freundin habe die Frau mit in ihre Wohnung genommen. Daraufhin habe der Angeklagte mehrmals gegen ihre Wohnungstür getreten.

Ein Polizist berichtete von seinem Einsatz, als der Angeklagte seine Freundin mit einem Messer bedroht hatte. „Er hat mir das Messer gezeigt, es war ein Küchenmesser“, sagte der Polizist. Der Angeklagte sei ein Typ, der seine Taten immer wieder relativiere. „Er sagt nicht ‘Entschuldigung’ oder ‘Tut mir leid’, sondern ‘Ja, ja, aber so schlimm war es nicht’.“

Mehrere Zeugen bestätigten während des Prozesses, den Angeklagten immer wieder als Fahrer eines Autos gesehen zu haben. „Ich wusste ja nicht, dass er keinen Führerschein hat“, sagte eine Zeugin aus.

Schöffengericht setzt Strafe für 30-Jährigen auf Bewährung aus

Das Schöffengericht verurteilte den 30-Jährigen wegen Körperverletzung, Bedrohung, Nötigung, Fahrens ohne Führerschein und Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und elf Monaten, die es auf vier Jahre zur Bewährung aussetzte.

Als Bewährungsauflage muss er die begonnene Paartherapie, das Antiaggressionstraining und die Psychotherapie fortsetzen, außerdem hat er 200 Sozialstunden abzuleisten. „Es ist ihre letzte Chance, von uns und von Ihrer Verlobten, die zu Ihnen hält. Wenn Sie die Grenze noch einmal überschreiten, dann haben Sie alles verloren“, so die Richterin. (Christiane Decker)

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