Maria Langstroff zieht wegen Kostenübernahme vor Gericht

Schwerstkranke Treysaer Autorin kämpft weiter um Intensivpflege

Kämpft um die Kostenübernahme ihrer Intensivpflege: Maria Langstroff (31) aus Treysa befindet sich seit Dezember in einer Spezialklinik. Archivfoto: privat

Schwalmstadt. Im Fall der schwerstkranken Maria Langstroff aus Treysa gibt es Neuigkeiten. In einem Eilverfahren wurde jetzt entschieden, dass die AOK Hessen Kosten übernehmen muss - vorerst.

In dem Eilverfahren vor dem Marburger Sozialgericht wurde entschieden, dass die AOK Hessen die Kosten für die laufende Früh-Reha in einer Spezialklinik bis Ende des Jahres übernehmen muss. In dieser Zeit soll auch ein Mitarbeiter des medizinischen Dienstes (MDK) Maria Langstroff in der Klinik zu einem persönlichen Gespräch besuchen, um ein neues Gutachten zu erstellen. Deshalb ist die weitere Verhandlung jetzt auf den 30. November verschoben.

Wie es nach dem Klinikaufenthalt für die 31-Jährige weitergeht, ist indes völlig offen. Zwar hat Maria Langstroff bereits eine Wohnung angemietet, allerdings kann sie diese nicht beziehen.

Denn die AOK will die Kosten für eine 24-stündige Intensivpflege, die Maria benötigt, nicht übernehmen. „Es wurden nur insoweit Lösungsvorschläge gemacht, dass mir ungelernte Kräfte zur Seite gestellt würden, die im Notfall keine Medikamente über meinen Port verabreichen dürfen, wie etwa eine speziell ausgebildete Pflegefachkraft“, erläutert die 31-Jährige.

Um die hohen Kosten für die spezielle Intensivpflege tragen zu können, hat die Evangelische Kirchengemeinde Franz-von-Roques bereits ein offizielles Spendenkonto eingerichtet. Zudem gibt es im Internet eine Crowdfunding-Initiative für Maria, wo Geld gesammelt wird. Auch eine Petition ist online eingerichtet. Laut AOK Hessen erfülle Maria Langstroff nicht die medizinischen Voraussetzungen für eine Intensivpflege. Allerdings würde die Unterstützung, die sie trotzdem bekommt, dies weitestgehend kompensieren, sagte AOK-Pressesprecher Riyad Salhi.

Seit 2010 lebt die 31-Jährige in einem Pflegeheim in Gießen. Aufgrund verschiedener Vorkommnisse fühle sie sich dort allerdings nicht wohl. Deshalb befindet sich Maria seit Dezember in einer neurologischen Fachklinik. „Ich möchte endlich in meiner eigenen Wohnung leben“, sagt sie verzweifelt.

Laut Maria Langstroff habe ihr die AOK mehrfach mündlich die Zusage, dass 20 Stunden Intensivpflege pro Tag genehmigt seien.

Das war im April dieses Jahres. Elf Wochen später dann der Schock: Die Krankenkasse teilt schriftlich mit, dass sie die Übernahme der Intensivpflege-Kosten komplett ablehnt.

Der ganze Stress wirke sich massiv auf ihre Gesundheit aus, beschreibt Maria Langstroff ihre momentane Situation: „In den vergangenen Wochen habe ich mehr als zehn Kilo abgenommen. Auch die Krampfanfälle und Tachykardien (anhaltender beschleunigter Puls) nahmen wieder zu. Ich habe so sehr für eine bessere, schönere Zukunft gekämpft, trotz starker Schmerzen. Und nun das.“

Maria Langstroffs Geschichte

Maria Langstroff aus Treysa leidet unter einer fortschreitenden Muskelerkrankung. Sie kann nur den rechten Arm bewegen, wird über eine PEG-Sonde ernährt und ist auf Sauerstoffzugabe angewiesen. Seit 2010 lebt die 31-Jährige in einem Gießener Pflegeheim. Seit Dezember befindet sie sich in einer Fachklinik in Früh-Reha. 2012 veröffentlichte sie das Buch „Mundtod!?“, in dem sie Behindertenfeindlichkeit im Alltag thematisierte. 

Spendenkonto: Ev. Kirchengemeinde Franz-von-Roques, IBAN: DE50 5205 3458 0000 0092 74; BIC HELADEF1SWA. Verwendungszweck: Maria Langstroff. 

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