Im Café 1685 in Treysa genießen Gäste Mixgetränke

Treysa: Mit dem Shaker hinterm Tresen

Oliver Schwalm hinter dem Treesen seines Café 1685.
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Vor 23 Jahren eröffnete Oliver Schwalm das Café 1685 in der Strauchgasse in Treysa.

Römische Garküchen, Klosterschenken, Zapfwirte: Bis in die Antike reicht die Geschichte der Gasthäuser zurück. In unserer Serie Lokalzeit stellen wir Ihnen unsere Lokale vor – wie sie waren, was sie sind.

Treysa – Im Café 1685 ist Oliver Schwalm in seinem Element: Als echter Schwälmer – nicht nur dem Familiennamen nach – stammt der 50-Jährige aus Ascherode. Das nach dem Abitur begonnene Studium der Betriebswirtschaftslehre wurde schon 1993 durch die Möglichkeit, selbst in der Wirtschaft aktiv zu werden, beendet. Für den „Typographen“ in der Treysaer Altstadt suchte man einen neuen Betreiber. Und Oliver Schwalm nahm das Angebot an. „Absoluter Höhepunkt waren damals die zehn Tage während des Hessentags 1995“, erinnert sich Schwalm. „Die Kneipe war quasi rund um die Uhr brechend voll und die Altstadt lebte richtig auf.“

Aus Bekleidungsgeschäft wurde das Café 1685

In dieser Zeit wurden viele Gebäude in der Oberstadt renoviert und saniert. So auch das Haus Strauchgasse 6. Dessen Eigentümerin hatte die Idee, auf der Fläche des dort bis dato bestehenden Geschäfts für Damenbekleidung ein neues Lokal zu etablieren und bot Schwalm 1997 die Übernahme der neu eingerichteten Gaststätte an. „In diesen Jahren herrschte in der Gastronomenszene eine richtige Goldgräberstimmung,“ erzählt er. „Ich nahm die Herausforderung an und eröffnete im November 1997 das Café 1685 – benannt nach dem Entstehungsjahr des Anwesens.“

Das Fachwerkhaus aus dem Jahre 1685 wurde im Dreißigjährigen Krieg völlig zerstört.

Das Gebäude war in diesem Jahr auf den Grundmauern eines im Dreißigjährigen Krieg völlig zerstörten Hauses wieder errichtet worden. „Im Keller kann man noch sehen, dass das Haus sogar etwas versetzt und verschoben über den alten Gewölben errichtet wurde,“ erläutert Schwalm. Der Anfang war kräftezehrend: Ein Jahr lang lief auch noch der noch der Typograph unter Schwalms Regie. „Mit knapp 28 Jahren sprang ich damals wirklich ins kalte Wasser und war vom Ansturm auf mein neues Lokal geradezu überwältigt,“ erzählt Schwalm. „Während des ersten Scherzmarktes unterstützten mich 20 Leute bei der Bewirtung. Das war wirklich beeindruckend.

Neues Konzept mit kleinen Leckereien

Zu seinem neuen Kneipenkonzept gehörten und gehören neben kleinen Leckereien wie Nachos und selbstgemachte Pizzen vor allem eine für Treysa neue und große Auswahl an Cocktails. Die lange Theke im Lokal unterstreicht dabei seinen Anspruch, eine klassische Bar und Lounge in der Altstadt zu betreiben. Als Autodidakt in Sachen Cocktails bietet Oliver Schwalm seinen Gästen heute fast 60 verschiedene Mixgetränke jedweder Provenienz an. Auch hochwertige Single Malts und die zunehmend angesagten Craft-Biere aus aller Herren Länder gehören zu seinem Angebot.

Von Anfang an gab es immer wieder Liveevents mit Bands und Solokünstlern, seit den Nullerjahren auch Houseparties mit wechselnden DJs und Oliver Schwalm war mit seinem Café Teilnehmer der ersten Stunde beim alljährlichen Treeser Kneipenfest. Besonders die DJ-Nächte fanden einen enormen Zuspruch. Selbst Befürworter des seit 2007 geltenden Rauchverbots, wollte Oliver Schwalm sein Lokal nicht mit einem eigenen Raucherbereich umbauen, sondern die offene Baratmosphäre erhalten. Dies und das seit Jahren generell zu beobachtende geänderte Ausgehverhalten hat natürlich auch bei ihm zu geringeren Gästezahlen geführt. Aber jedes Jahr anlässlich der Märkte und sonstiger größerer Veranstaltungen in Treysa „brummt das Geschäft und die Bar ist rappelvoll mit Gästen von 18 bis 80,“ freut sich Schwalm.

An der langen Bar lassen sich nicht nur Cocktails genießen.

Wirt mit Leib und Seele

Früher auch tagsüber geöffnet, können Gäste heute mittwochs bis sonntags ab 18 Uhr drinnen wie draußen einen entspannten Abend genießen. Auch für private Veranstaltungen in geschlossener Gesellschaft bieten sich die Räume an. Als Wirt mit Leib und Seele hat Schwalm jetzt mehr Zeit als noch vor Jahren für ein Gespräch mit seinen Gästen. „Auch nach fast 23 Jahren in mYdie Coronapandemie mit all ihren Folgen und Einschränkungen nicht die Lust und Leidenschaft für meinen Beruf nehmen können,“ betont der 50-Jährige.

Von Ute-Anemone Lorenz

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