Ascheröderin fertigt feine Produkte aus Stoff und überwand Krebs

Schwalmstadt: Mit Kreativität aus dem tiefen Tal

Anne Krähling mit ihren beiden Töchtern Dana Mathilda (2) und Lana (6) in Selbstgenähtem.
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Anne Krähling mit ihren beiden Töchtern Dana Mathilda (2) und Lana (6) in Selbstgenähtem.

Ihre Werke sind eine Hommage an die Heimat. Jedes einzelne Stück ein Unikat. Handgemacht. In und aus dem Herzen der Schwalm. Anne Krähling liebt, was sie tut und dieses Gefühl verkörpert sie mit all ihren Sinnen.

Ascherode - Aufgewachsen auf einem Schwälmer Bauernhof als eine der drei Generationen unter einem Dach, war schnell die Liebe zum Nähen geboren. ,,Meine Wurzeln liegen hier. Schon immer verspürte ich beim Nähen die besondere Verbundenheit zur Schwalm.” Schwälmer Platt und die Tracht gehörten für sie schon immer zum Alltag; genauso wie die kreative Leidenschaft gegenüber allen anderen schönen Dingen. Die Schwälmer Weißstickerei beherrscht Krähling ebenfalls aus dem Effeff. ,,Auch dank der Stickmaschine, die ich von meinem Mann geschenkt bekommen habe.”

Krebs: Angst lähmt Kreativität

Doch im September 2019, ihre zweite Tochter Dana Mathilda war noch kein Jahr alt, wurde der Alltag der 37-jährigen und ihrer Familie komplett durchgerüttelt. Die Diagnose Gebärmutterhalskrebs sollte alles neu ordnen. Plötzlich schien alles so nichtig, nur noch die eigene Gesundheit und die Familie zählten. Im ersten Moment war die gelernte Pharmazeutisch-technische Assistentin wie gelähmt. Wo sie doch sonst immer alles zu 100 Prozent ablieferte, der Alltag klar strukturiert war, war sie nun körperlich komplett ausgebremst. Bangte um ihr Leben. Fühlte sich kraftlos und leer. Auch was ihre Kreativität anbelangte.

Heute, fast ein Jahr nach der niederschmetternden Diagnose, gilt die junge Frau als geheilt, muss trotzdem alle drei Monate zur Kontrolluntersuchung. Sie betrachtet die Erkrankung und all das, was sie seitdem durchleben musste als eine Art Schlüsselerlebnis. Denn neben all der Not und der Angst, die sie, ihr Mann und ihre Kinder erleiden mussten, ist daraus etwas fabelhaftes Neues erwachsen: ihr Label „Schwalmkind“, das sie selbst als „Verarbeitung meiner Krebserkrankung” betrachtet. ,,Plötzlich war meine Kreativität noch viel ausgeprägter als früher. Es kam mir vor, als wäre ein Knoten geplatzt. Als würde sich alles fügen. Alles schien wieder einen Sinn zu machen. Mein Kopf ist wieder voller Ideen und ich komme gar nicht dazu, alles gleich umzusetzen. Denn an erster Stelle stehen meine beiden Töchter, für die ich da sein will, wann immer sie mich brauchen.”

Individuelle Produkte nach Kundenwunsch

Sie näht nach Kundenwunsch, aber längst nicht alles, denn wie sie nicht produzieren möchte, ist von der Stange. Hochwertiges Leinen und butterweiche Musselin- und Baumwollstoffe sind ihre Hauptmaterialien. Jedes Teil wird mit ihrem neuen Logo, einer Schwalbe in Kombination mit einem Herz, was für Krähling ebenfalls die Liebe zur Heimat und zum Leben und Freiheit versinnbildlichen soll, und/oder dem Schriftzug „Schwalmkind“ verziert. Selbst auf den hochwertigen Holzknöpfen prangen die Lettern des Labels. Jedes Unikat ist sowohl haptisch als auch optisch ein Genuss.

Anne Krähling mit ihren beiden Töchtern Dana Mathilda (2) und Lana (6) in Selbstgenähtem.

Beim Nähen taucht sie ein in ihre Welt, kann ihrer unbändigen Kreativität und Detailverliebtheit, die sich auch in der Einrichtung des Familiendomizils wiederfindet, freien Lauf lassen. Die Resultate sind sauber verarbeitete Leinenmoden für Kinder und Erwachsene, aktuell auch Mund-Nasen-Schutzmasken, Lätzchen und Haarspangen, um nur einiges zu nennen. Gern verziert sie Kleider oder andere Teile auch mit gestickten Schwälmer Begriffen wie dem „Bäse Mänsch“ oder dem „Schnuggelrätzche“.

Individualität, persönliche Kommunikation, eigene Stoffauswahl durch die Kunden und die Regionalität in Verbindung mit der Tracht sind Faktoren, auf die Krähling ihren besonderen Fokus legt. Alle Stoffe, die zur Auswahl stehen, fair gehandelt und bio.

Krebs: Vorsorgeuntersuchung kann Leben retten

Was sich die Mädchenmama übrigens offenhalten möchte, ist, inwiefern sie sich auch noch auf anderen Kreativitätsebenen ausleben wird. In ihrem Kopf jedenfalls ist diesbezüglich jede Menge los und die Ideen sprudeln nur so. Am Tatendrang mangelt es ihr jedenfalls nicht mehr – Gütt sei Donk!

Ein Anliegen ist es Anne Krähling, mit ihrer Geschichte auf die Problematik ihrer Krebserkrankung hinzuweisen und ein wenig zur Aufklärungsarbeit beizutragen: „Geht zur regelmäßigen Krebsvorsorge. Denn nur dadurch konnte mein Tumor überhaupt entdeckt werden und damit mein Leben rechtzeitig gerettet werden.”

Kontakt: schwalmkind@gmx.de, facebook.com/anne.krahling.5, instagram.com/schwalmkind

Von Vanessa Schnücker

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