"Die Stunden werden nicht gezählt"

Nach 100 Tagen im Amt: Schwalmstadts Verwaltungschef im Interview

Seit 100 Tagen Verwaltungschef: Der 49 Jahre alte Stefan Pinhard mit dem neuen Haushalt Schwalmstadts in seinem Dienstzimmer in Treysa. Foto: Quehl

Schwalmstadt. Seit dem 1. Dezember ist Stefan Pinhard (49, parteilos) Schwalmstadts Verwaltungschef. Nach den ersten 100 Tagen sprachen wir mit ihm.

Womit hatten Sie nicht gerechnet in den ersten 100 Tagen?

Stefan Pinhard: Dass sich mir in dieser ersten Zeit so viele Vertreter von Vereinen und Verbänden aber auch von Unternehmen vorgestellt haben. Das hat mich gefreut, ich finde die Arbeit gerade der Ehrenamtlichen enorm wichtig.

Auf welche Wochenarbeitszeit kommen Sie denn bisher so?

Pinhard: Das habe ich nicht ausgerechnet. Eine Dienstzeitregelung steht nicht in meiner Ernennungsurkunde als Beamter auf Zeit, ein Bürgermeister ist quasi rund um die Woche im Einsatz.

Würden Sie auf Sicht lieber weniger eingespannt sein?

Pinhard: Ich wusste von vornherein, dass es kein Nine-To-Five-Job ist.

Außerdem haben viele Menschen einen harten Zeitplan, und an Abendterminen treffe ich meist mit Menschen zusammen, die ihre Arbeit noch dazu ehrenamtlich machen.

Schwalmstadt ist hoch verschuldet, 5500 Euro beträgt die Prokopfverschuldung etwa, fast der letzte Platz im Landkreis, was nun?

Pinhard: Wir müssen nun erst einmal auf die Zustimmung zum aktuellen Haushalt warten, es ist nach vielen schlechteren Jahren der zweite mit einem rechnerischen Überschuss. Es gibt wirklich eine Reihe von Problemen, ich bin auf der Suche nach individuellen Lösungen.

Was wollen Sie denn tun, um vom 100-Mio.-Euro-Schuldenberg herunter zu kommen?

Pinhard: Zunächst Mal wollten wir im neuen Haushalt kein Minus machen und zugleich dem Bürger nicht mehr abverlangen. Leider ist die Gebührenkalkulation kein Wunschkonzert und mit einem Überraschungscoup kann ich nicht aufwarten - leider konnte ich nicht 70 Mio. Euro für die Stadtwerke mitbringen.

Das Baustellenmanagement in Bezug auf die Bahnhofstraße und den Kreisel wird derzeit sehr kritisiert in der Stadt, was tun Sie?

Pinhard: Dafür sehe ich keinen Grund, die Bauunterbrechungen waren rein witterungstechnisch bedingt, gleichzeitig sind wir selbstverständlich bemüht, die Arbeiten an den Baustellen schnellstmöglich abzuschließen.

Es gibt große Erwartungen an Sie als Immobilienfachmann wegen des Gewerbe-Leerstands, wann wird etwas passieren?

Pinhard: Wir müssen jetzt abwarten, bis die Bahnhofstraße fertig ist. Die Grundstimmung für Schwalmstadt als Mittelzentrum schätze ich positiv ein – wenn alles fertig ist. Diese Einschätzung wird übrigens auch von vielen meiner Amtskollegen geteilt.

Die Jugendarbeit fehlt, außer in Treysa...

Pinhard: Die Stadtjugendpflege Schwalmstadt bietet den Kindern und Jugendlichen im Stadtteil Ziegenhain Räumlichkeiten in der Hessenallee 12a beim Sozialzentrum Oikos an. Momentan gibt es keine festen Zeiten, da die letzte „Generation“ herausgewachsen ist und keine neue den Bedarf angekündigt hat. Die Wiederbelebung dieser Einrichtung steht aber auf der Agenda der Jugendpflege ganz oben.

Natürlich ist der Offene Bereich „Time Out“ im Jugendzentrum in Treysa für alle Schwalmstädter Kinder und Jugendlichen aus allen Stadtteilen zugänglich.

Was haben Sie unternommen, damit der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs bald kommt oder Zwischenlösungen gefunden werden?

Pinhard: Der Bahnhof wird von der gesamten Region gebraucht, insofern sind nicht nur wir als Stadt in der Pflicht. Aber natürlich bin ich im Gespräch mit den für den Aus- und Umbau des Bahnhofes Verantwortlichen.

Die Schwalm-Galerie wird bald ein Jahr alt, man hatte sehr große Erwartungen, sind die erfüllt?

Pinhard: Ich denke schon, dass die Schwalm-Galerie die Erwartungen erfüllt und zahlreiche Menschen in unsere Stadt führt. Mit der Fertigstellung der Bahnhofstraße und dem Neubau der VR-Bank erwarte ich weitere positive Effekte für das innerstädtische Areal. Erst dann werden alle Erwartungen zu erfüllen sein und dann hoffentlich letztlich auch zur Beseitigung des vorhandenen Leerstandes führen.

Etwas Persönliches zum Schluss: Haben Sie jetzt einen Familienwohnsitz gefunden hier in Schwalmstadt?

Pinhard: Ja, wir haben eine Wohnung angemietet in Treysa zum 1. März, meine Frau und mein Sohn können erst zum Schulwechsel im Sommer herziehen.

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