Neue Stars an der Schwalm

Nagetiere aus Südamerika lassen Spaziergänger in Treysa staunen

Guten Appetit: Eine Nutria sitzt in der Schwalm und verspeist einen Apfel, den Spaziergänger ihm hinterlassen haben.
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Guten Appetit: Eine Nutria sitzt in der Schwalm und verspeist einen Apfel, den Spaziergänger ihm hinterlassen haben.

An der Schwalm haben sich mehrere putzige Vierbeiner niedergelassen. Die possierlichen Tiere sind eher zutraulich als scheu. Allerdings sorgen die Nutrias nicht nur für Begeisterung.

Schwalmstadt – Sie die Stars an der Schwalm, versetzen Radfahrer, Spaziergänger und Hundeausführer in Entzücken, wenn sie am Ufer Gras fressen oder im Wasser planschen. Die Rede ist von fünf Nutrias, die sich in der Nähe des Schäferhundeplatzes in Treysa im Bereich des renaturierten Flusslaufes niedergelassen haben. Woher ist kommen? Niemand kann es sagen. Vergangene Woche schickte Leser Hans Georg Trümner ein Foto mit einem ihm unbekannten Tier in die Redaktion – auch dieses zeigte einen Teil dieser Familie, einen Albino. Das bestätigten tags darauf etliche Leser, darunter der Treysaer Dirk Schneider, Tierpfleger im Wildtierpark Edersee.

Die Menschen in der Schwalm jedenfalls scheinen die Pelztiere mit dem runden Schwanz und den kräftigen Nagezähnen ins Herz geschlossen zu haben. Denn die possierlichen Tiere sind eher zutraulich als scheu. Einige Besucher haben sie gar gestreichelt. Das allerdings quittierten die ursprünglich aus Südamerika stammenden Tiere mit Knurren und Fauchen. Futterspenden sind die Schwalm-Nutrias dagegen aufgeschlossen. Äpfel und andere Mitbringsel werden genüsslich verspeist.

Nutrias an der Schwalm: Die Nagetiere gehören nicht in die Region

Das sollte man allerdings auf keinen Fall machen, sagt Dr. Wulf Rheinwald, Vorsitzender des Nabu Schwalmstadt. Nutrias, die seit den 1920er-Jahren wegen des Fells in Pelztierfarmen gehalten wurden, sind in Teilen Deutschlands weit verbreitet. In dem Abschnitt der Schwalm sind sie nach Angaben Rheinwalds eine „kleine Sensation“. Dennoch: Die Nagetiere gehören nicht hierher. Zwar würden sie dort, wo sie leben wohl kaum Schaden anrichten, allenfalls mal Futter aus einem Maisfeld stibitzen, das sei aber alles. Da gebe es mit dem Biber, der an der Schwalm heimisch geworden ist, schon eher Probleme. Schwierigkeiten könnten aber mit den Nutrias noch kommen, wenn man die ungebetenen Gäste wieder loswerden möchte. Möglicherweise könnten Fallen helfen, doch das müsse man erst noch sehen.

Ein wachsames Auge hat auch Jagdpächter Elias Schmidt aus Dittershausen auf die Tiere geworfen. Ein anderer Jagdpächter habe ihn über die Neulinge im Revier informiert. Deshalb habe er sich das Treiben der Tiere genauer angesehen. „Wenn es so bleibt, wie es zurzeit ist, werden wir nichts unternehmen“, sagt Schmidt. Anders sehe es aus, wenn sich die Tiere stark vermehren und sich zu einer Plage entwickeln. Dann müsse man jagdlich eingreifen, vermutet er.

Nutrias an der Schwalm: Tiere sollen nicht gefüttert werden

Auf keinen Fall sollten die Tiere gefüttert oder durch Neugierige gestört werden, sagt Schmidt. Denn gleichgültig, ob sie ausgesetzt wurden, wovon er ausgeht, oder ob sie ausgebüxt sind, die Nutrias seien inzwischen wilde Tiere. Die sollten weder gefüttert noch verhätschelt werden. Entspannt sieht den tierischen Zuzug Peter Kugler, Chef des Wasserverbandes Schwalm, „solange sie nicht in das Rückhaltebecken wandern, können sie bleiben“. Auch wenn durch die Gänge, die sie graben, das Ufer etwas einstürzt, sei das im Naturschutzgebiet wenig problematisch.

Anders sehe es aus, wenn sie sich an den Dämmen der Rückhaltebecken zu schaffen machen würden. Denn damit würde die Sicherheit der Dämme untergraben werden. In Südhessen an der Bergstraße hätten seine Kollegen mit Nutrias Probleme. Während an der Schwalm die Nutrias noch eine kleine Sensation sind, haben sie sich in anderen Regionen zu einer Plage entwickelt. So berichtet der Deutsche Jagdverband, dass zwischen April 2019 und April 2020 über 85000 Tiere nachweisliche geschossen oder gefangen wurden.

Was den Jägern Sorge bereitet: Die Nachweise der Tiere hätten sich zwischen 2005 und 2016 in den Revieren verdoppelt. Die Art ist nach den Erkenntnissen des Jagdverbandes viel verbreiteter als der Biber. Besonders häufig seien sie in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Brandenburg anzutreffen. Selbst in Großstätten wie Berlin fühlten sie sich wohl. (Rainer Schmitt)

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