Nahrung für Schmetterlinge ist rar

Bedrohte Tierart in der Schwalm: Bunte Falter sorgen für Aufmerksamkeit

Die Biologin Ingrid Michel mit ihrer Kamera in der Hand.
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Die Biologin Ingrid Michel mit ihrer Kamera in der Hand.

In den vergangenen Wochen erreichten die Redaktion immer wieder Leserfotos mit Schmetterlingen und Hinweisen, dass es in diesem Jahr offenbar besonders viele gäbe. Dem sind wir nachgegangen.

Schwalm. An warmen Tagen sieht man sie schwärmen, verführerisch in der Luft tänzeln, charakteristisch und in unberechenbarem Zickzack – Schmetterlinge. Selbst im Herbst lässt sich ihr zauberhafter Flug noch gut beobachten. Doch gab es in der Schwalm in diesem Jahr tatsächlich mehr Schmetterlinge zu beobachten, als in den Jahren zuvor? Diesem Phänomen, auf das uns einige Leser aufmerksam machten, wollen wir auf den Grund gehen.

Ein Schwalbenschwanz im Anflug auf den Flieder – den Moment hat die Treysaerin Ingrid Michel mit ihrer Kamera festgehalten.

Biologin Ingrid Michel kann die Eindrücke nicht bestätigen: Die Treysaerin beobachtet und fotografiert in ihrem naturnahen, bienen- und vogelfreundlichen Garten in Treysa Insekten und anderes Getier. Sicher, bestätigt sie, an warmen Tagen lockte insbesondere der beliebte und gleichnamige Schmetterlingsflieder die Falter an, aber einige Exemplare vermisse sie seit Längerem. Den C-Falter beispielsweise, auch den Schwalbenschwanz habe sie in diesem Jahr nicht entdecken können. Die Falter benötigten zum Teil sehr spezielle Nahrung, die heute häufig in den Gärten vollends fehlten. Der Schwalbenschwanz bevorzuge etwa nur die Wilde Möhre. Vor die Linse flatterten der Treysaerin der Admiral, das Tagpfauenauge und der Kleine Fuchs. An den Fliedern hätte sich das Taubenschwänzchen, das übrigens zu den Nachtfaltern gehört, getummelt. Letzterer stehe ähnlich wie ein Kolibri vor der Blüte, um Nektar zu saugen. Nicht nur den Schmetterlingen fehlten die Stauden, auch den Raupen mangele es mittlerweile an Nahrungspflanzen, erläutert Ingrid Michel. Der Admiral legt seine Eier auf Brennnesseln ab – und genau die sind auch die Nahrung für die Raupen.

Ein Tagpfauenauge im Netz einer Kreuzspinne.

Schmetterlinge stehen auf der Roten Liste

Mittlerweile stehen 80 Prozent aller Schmetterlinge auf der Roten Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten – den Insekten fehlt es an Lebensräumen. „Wir brauchen wieder einheimische Pflanzen, auch Wildpflanzen und Kräuter“, sagt die Biologin. Feinde der Falter sind Spinnen – nicht selten verfangen sich Schmetterlinge in den Netzen – und Vögel. Auch hier gehe die Artenvielfalt stark zurück. Schmetterlinge sind übrigens wechselwarm – ihre Körpertemperatur orientiert sich also an der Umgebungstemperatur.

Die Beweglichkeit nimmt bei Wärme deutlich zu. Auch deshalb haben Schmetterlinge einen kurzen Lebenszyklus: „Überwintern können erwachsene Schmetterlinge eigentlich nicht – höchstens als Ei oder im Raupenstadium“, erläutert die Biologin. Sie suchten sich geschützte Plätze, beispielsweise Baumhöhlen und Zwischenräume in Steinen.

Zitronenfalter und Ochsenauge an einer Distel.

In Europa gibt es 4000 Schmetterlingsarten

Um Schmetterlingen Nahrung zu bieten, rät Ingrid Michel vor allem zum Pflanzen einheimische Stauden wie der Wilden Karde, Distel, Goldrute, Aster und Sonnenhut. Auch auf Duftkräuter wie Pfefferminze, Petersilie und Schnittlauch fliegen die Falter im besten Wortsinne. Wer dazu Verblühtes auch im Winter stehen lasse, böte Tieren wichtige Unterschlupfmöglichkeiten.

Auf ihren eindrucksvollen Fotos, für die sich Ingrid Michel meist speziell tarnt, entdeckt die Biologin dann häufig überraschende Details an den Körpern der Falter, berichtet die 53-Jährige: So auch beim Admiral – der habe, so Michel, nicht etwa, wie alle anderen, sechs Beine, sondern nur vier. „Dafür hat der Admiral zwei sogenannte Putzpfoten unter den Augen, um sich zu putzen.“ Die tatsächliche Population von Schmetterlingen, ähnlich wie bei Vögeln, zu zählen, ist äußerst schwierig: „In Europa gibt es 4000 Schmetterlingsarten – davon sind allerdings nur 20 Prozent Tagfalter“, sagt Ingrid Michel.

Von Sandra Rose

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