Projektgruppe beschäftigt sich mit neuem Heizungsnetz

Nahwärme für Ascherode

Im Schwalmstädter Stadtteil Ascherode (Bildvordergrund) leben 670 Menschen, der Ort hat 233 Ein- und Zweifamilienhäuser. 110 interessieren sich für das neue Nahwärme-Projekt.
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Im Schwalmstädter Stadtteil Ascherode (Bildvordergrund) leben 670 Menschen, der Ort hat 233 Ein- und Zweifamilienhäuser. 110 interessieren sich für das neue Nahwärme-Projekt.

Die Ascheröder wollen ans Netz, und zwar nicht an irgendeines, sondern an ihr eigenes – seit Oktober 2020 verfolgt eine eigene Projektgruppe bestehend aus Jochen Dörrbecker, Friedhelm George, Mike Kern, Rolf Knoche, Armin Staufenberg und Karin Wagner den ehrgeizigen Plan.

Ascherode – „Es war eine schnelle Geburt und wir freuen uns über das große Interesse im Ort“, sagt Wagner. Ziel der Idee sei es, möglichst viele Ascheröder Gebäude an ein eigenes Nahwärmenetz anzuschließen, ähnlich wie in Wasenberg.

Per Flyer – „coronabedingt war der Austausch erschwert“ – fragte die Projektgruppe das Interesse im Ort ab. Denn bei der Sichtung der Häuser war schnell klar, dass etliche Heizungsanlage in die Jahre gekommen sind. Mittlerweile sind 110 Interessensbekundungen eingegangen. Insgesamt gibt es in Ascherode 233 Hauseigentümer. Grund genug, um das Vorhaben nun weiter zu forcieren. Im engen Austausch mit der Stadt soll eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden.

Sie ist nötig, um Fördergeld für das Projekt beantragen zu können. Außerdem übernahm die Stadt eine Bürgschaft, weil sonst die noch zu gründende Bürgergenossenschaft in Vorleistung hätte gehen müssen. Die Studie soll die technischen und wirtschaftlichen Details des Projektes beleuchten. An den Kosten der Studie wird sich auch die Schwälmer Biogas beteiligen.

Zusätzliche Wärmeerzeuger, Speicher und Pumpen

Die Chancen auf Fördergeld stehen gut: Erst kürzlich wurden die Vorgaben zur energetischen Stadtsanierung geändert, möglich wären Zuschüsse vom Land Hessen. Für die Versorgung Ascherodes müssten zusätzliche Wärmeerzeuger, Speicher und Pumpen errichtet werden. Die Förderquoten für das Nahwärmenetz liegen bei bis zu 45 Prozent.

Treiben die Idee mit ihrer Gruppe voran: Friedhelm George und Karin Wagner.

Der Anschluss der Hausgrundstücke an das Netz soll über einen Hausanschluss und eine Übergabestation erfolgen. „Heizöl- und Flüssiggastanks oder ähnliche Anlagen würden überflüssig“, erklärt Friedhelm George. Zusätzlich zur Nahwärmeversorgung sei angedacht, Glasfaser bis in die Gebäude der Teilnehmer zu verlegen. „Damit wird der Ort zukunftsfähig“, ist Karin Wagner überzeugt.

Um das Projekt zu verwirklichen, müssten die Ascheröder eine Energiegenossenschaft gründen. Wie hoch die Genossenschaftseinlagen sein werden, hängt unter anderem von der Netzlänge ab. „Wir gehen von 6000 bis 8000 Euro aus“, sagt Friedhelm George.

Für Hauseigentümer sehen George und Wagner die Vorteile klar auf der Hand: Vor dem Hintergrund steigender Energiepreise, aber auch aus ökologischen Gesichtspunkten heraus sei das Projekt äußerst attraktiv. Die neue Technik steigere den Wert der eigenen Immobilie, die Kosten der Hausübergabestation werden von der Genossenschaft finanziert, ein Schornstein am Haus sei nicht mehr nötig. Dass Nahwärme gefragt sei, zeige sich in Erfurtshausen (Amöneburg), Mengsberg und Wasenberg – hier würden immer noch neue Anschlüsse gelegt. Die Projektgruppe plant noch für Juli eine Infoveranstaltung in der Treysaer Festhalle. (Sandra Rose)

Energie soll von der Biogasanlage kommen

In Ascherode leben 670 Menschen, der Ort hat 233 Ein- und Zweifamilienhäuser, davon sind sechs landwirtschaftliche Betriebe. Bei der Bebauung im Ortskern handelt es sich um ältere Gebäudesubstanz, die Mehrzahl der Gebäude wird mit Öl oder Gas beheizt. Hier steht bei vielen Häusern in den kommenden Jahren ein Austausch der Heizungsanlage an. Das Straßennetz misst inklusive der Durchgangsstraße fünf Kilometer, 1,4 Kilometer entfernt befindet sich die Biogasanlage der Schwälmer Biogas GmbH, die bereits einen Teil der Energie ans Nahwärmenetz in Wasenberg liefert. 

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