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Nasenbeinbruch in der JVA - Fall wird vor Gericht verhandelt

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Justitia Symbolbild
Dem Angeklagten wird vorgeworfen, einem Häftling der JVA Schwalmstadt die Nase gebrochen zu haben. © Peter Steffen/dpa

Vor dem Amtsgericht in Schwalmstadt wird ein Fall aus dem Jahr 2020 verhandelt, der sich in der Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt zugetragen haben soll.

Treysa – Angeklagt ist ein Mann, es geht um Fixierung und Gewalt gegen einen Häftling. Der Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft bei der Eröffnung der Hauptverhandlung lautete auf Körperverletzung im Amt. Es sind mehrere Verhandlungstage angesetzt.

Zum Ablauf: Der betreffende Insasse der Justizvollzugsanstalt soll das Büro des Angeklagten betreten haben. Dieser habe den Mann aufgefordert, vor der Tür zu warten. Als der widerwillig reagierte, soll der Angeklagte aufgestanden und ihn zum Verlassen des Raumes aufgefordert haben. Als Reaktion soll der Häftling, der einen Becher mit Wasser in der Hand hielt, diesen in Richtung des Angeklagten geworfen und Gesicht und Körper getroffen haben.

Häftling wurde Nasenbein gebrochen

Was darauf folgte, ist vor allem Gegenstand der Verhandlung. Vor Gericht wurde geschildert, dass der Mann nach dem Wurf des Bechers vom Angeklagten und einem Kollegen bei einem Gerangel fixiert wurde. Dabei sei dem am Boden Liegenden das Nasenbein gebrochen worden, und er habe auch Prellungen und Hämatome davongetragen. Der Verteidiger nannte die Tatvorwürfe unbegründet.

Der Vorfall würde seinen Mandanten über alle Maßen belasten. Dieser räumte ein, dass er dem Häftling im Rahmen der Fixierung zwei Schläge im Bereich Oberarm und Schulter versetzt hatte, er habe dessen Verhalten als Angriff gewertet. Dabei bezog er sich auf seine jahrzehntelange Berufspraxis, „ich bin 30 Jahre im Vollzug und weiß, was ich darf und nicht darf“.

Verletzte habe sich an George Floyd erinnert

Der Verletzte wurde als Nebenkläger in Handschellen vorgeführt. Nach dem Vorfall vor zwei Jahren war er in eine andere Anstalt verlegt worden, wo er gegenwärtig eine Strafe absitzt. Er gab vor Gericht an, dass er am Boden auf dem Bauch gelegen und Schläge auf den Hinterkopf bekommen habe, dabei habe er den Nasenbeinbruch erlitten.

Wer die Schläge ausgeführt hatte, konnte er nicht sagen. Er habe keine Luft bekommen, Panik sei in ihm aufgestiegen. Ihm sei der Fall von George Floyd in den Sinn gekommen: Der Afroamerikaner war am 25. Mai 2020 im US-Bundesstaat Minnesota bei seiner Festnahme durch Polizeigewalt umgekommen, der Fall sorgte weltweit für Aufsehen.

Der Mann gab weiter an, dass er am Tag des Geschehens „nicht gut drauf gewesen“ sei. Er sei gesundheitlich angeschlagen, da er als Schmerzpatient und ehemaliger Drogenkonsument regelmäßig Tabletten nehmen müsse, und er habe Ärger mit einem Mithäftling gehabt. Er habe sich nicht ernst genommen gefühlt, da er gefordert hatte, seinen Anschuldigungen gegen einen anderen Häftling nachzugehen, was aber abgelehnt wurde. Seine Vermutung sei, dass „dann zu viel Schreibkram entstehe“.

Auf mehrfaches Nachfragen des Gerichts zu Tatablauf und -handlungen konnte der Zeuge keine Angaben machen, da er sich nicht erinnerte.

Weitere sieben Zeugen erschienen am ersten Verhandlungstag vor Gericht und wurden zum Sachverhalt befragt. Die Verhandlung soll an zwei weiteren Tagen fortgesetzt werden, das Urteil wird Anfang Dezember erwartet. (Jochen Schneider)

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