Unverständnis für Gerichtsurteil

Teich-Tragödie in Neukirchen: Demo für verurteilten Bürgermeister

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Solidarität für Klemens Olbrich: 200 Amts- und Mandatsträger aus dem Landkreis versammelten sich in Sichtweite des Amtsgerichts Treysa.

200 Amts- und Mandatsträger, Pfarrer sowie Bürger vor der katholischen Kirche zeigten gegenüber dem Amtsgericht Treysa ihre Solidarität für Neukirchens Bürgermeister Klemens Olbrich.

  • Demonstration zur Unterstützung des Bürgermeisters von Neukirchen
  • 2016 waren drei Kinder in einem Dorfteich ertrunken
  • Bürgermeister Olbrich wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Gegen das Gerichtsurteil im Fall der drei ertrunkenen Kinder in Neukirchen  im Schwalm-Eder-Kreis regt sich Widerstand. Eine Demonstration mit rund 200 Teilnehmern versammelte sich in Schwalmstadt in der Nähe des Gerichtsgebäudes. 

„Niemand glaubt wirklich, dass Sie ein Straftäter sind“, so das Fazit der bewegenden Rede von Harald Stemler, langjähriger Präsident und Vizepräsident des Hessischen Städte- und Gemeindebundes auf der Demonstration für den vom Amtsgericht verurteilten Bürgermeister Klemens Olbrich.

Am Samstagmorgen versammelten sich gut 200Amts- und Mandatsträger, Pfarrer sowie Bürger aus Neukirchen auf dem Vorplatz der katholischen Kirche in Sichtweite des Amtsgerichtes, wo die Demonstration nicht genehmigt worden war, um Solidarität gegenüber Olbrich zu zeigen und aber auch dem Unverständnis gegenüber dem Urteil Ausdruck zu verleihen.

Stadtverordneter organisiert Demonstration für Bürgermeister von Neukirchen

Zur Demonstration hatte der Niedensteiner Stadtverordnetenvorsteher Erich Sommer aufgerufen, der sodann alle 27 Rathäuser des Landkreises angeschrieben und Amts- und Mandatsträger aus Neukirchen eingeladen hatte. „Bis auf zwei Rückmeldungen waren alle positiv. Die beiden kritischen Stimmen unterstellten mir jedoch AfD-Gebahren und einen Straßenmob gegen die Gerichtsbarkeit“, so Sommer. 

In seinen Begrüßungsworten betonte der Stadtverordnetenvorsteher seine Achtung vor der Deutschen Gerichtsbarkeit jedoch ausdrücklich, habe er doch in seinen beruflichen Jahren in Mittel- und Südamerika ganz andere Systeme kennenlernen müssen. 

Demonstranten: Richter sind auch nur Menschen

Nichtsdestotrotz seien Richter auch nur Menschen, die eben auch Fehler machen könnten. „Es war ein tragisches Unglück. Man kann da nicht einen Bürgermeister zur Verantwortung ziehen. Wenn, dann müssten auch alle Gemeinderäte in solch einem Fall verurteilt werden, genehmigen diese doch die Gelder für die Maßnahmen der Gemeinden“, so Sommer bei der Demonstration für den Bürgermeister von Neukirchen. 

Auch der Erste Stadtrat Niedensteins Volker Nitzborn zeigte sich entsetzt, fungierte bei der Demonstration als Ordner und zog für sich das Fazit, dass er bei Bestand des Urteils keinem mehr zur Ausübung eines kommunalpolitischen Amtes raten wird. 

Bürgermeister von Neukirchen freut sich über Unterstützung

Klemens Olbrich, Bürgermeister von Neukirchen, war selbst zur Demonstration gekommen, freute sich sichtlich über die Unterstützung der vielen kommunalpolitisch aktiven Menschen, verzichtete aber auf ein öffentliches Statement.

Harald Stemler wählte die Worte seiner Rede mit Bedacht, wollte er doch keinesfalls polarisieren oder gar die deutsche Gerichtsbarkeit infrage stellen. Nichtsdestotrotz sei er ob der Schuldfrage und der vermeintlichen Antwort erschüttert. 

Stemler betonte, dass politisch Gewählte und ehrenamtlich Tätige nach bestem Wissen und Gewissen, mit Hingabe und unter Zurückstellung persönlicher Interessen handelten. 

Große Betroffenheit nach tödlichem Unfall in Neukirchen

Solch ein tragischer Unfall,wie in Neukirchen, lasse keinen Menschen unberührt und einen Bürgermeister, der in solch einer Krisensituation organisieren, helfen und auch trösten müsse, schon gar nicht. Die Frage „Wer ist schuld?“ sei inzwischen zum deutschen Volkshobby mutiert, sagte er bei der Demonstration.

Unbeteiligte Dritte wüssten schnell immer alles besser. Niemand verstehe den Sinn solch einer Tragödie, wo nun im UrteilAufsichtspflicht versus Verkehrssicherheitspflicht, Lebensrisiko versus Vollkaskomentalität aufgewogen werde, um eine Schuldfrage zu beantworten.

Von Regina Ziegler Dörhöfer

In Deutschland ertrinken immer mehr Menschen. Denn immer mehr Kinder können nicht schwimmen. 

Der Bürgermeister von Neukirchen wurde verurteilt, weil er nicht genügend für die Sicherheit am Teich tat. Das Gerichtsurteil im Fall der drei ertrunkenen Kinder.  

Der Bürgermeister von Neukirchen im Interview: Klemens Olbrich wehrt sich gegen das Urteil. 

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