Lebensnotwendige Blutwäsche war nicht möglich

Notaufnahme von Asklepios-Klinik: Patient wartet über fünf Stunden

Ziegenhain. Mehr als fünf Stunden hat der 77-jährige Dialysepatient Walter Martin mit einem gefährlichen Verdacht in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) der Asklepios-Klinik Ziegenhain auf Hilfe gewartet.

Aus der Dialysepraxis Dr. Küllmer am Ort war der Senior mit einem privaten Krankenwagen direkt dorthin gebracht worden, weil die lebensnotwendige Blutwäsche nicht möglich war – Verdacht auf Shuntverschluss im linken Arm. Der Shunt ist ein spezieller Gefäßzugang für die Dialyse. 

Die Zentrale Notaufnahme sei an jenem Freitagmorgen „äußerst überfüllt“ gewesen, heißt es dazu seitens des Asklepios-Klinikums auf Anfrage unserer Zeitung. Unter den vielen Wartenden seien „extrem lebensbedrohte Patienten“ gewesen, so Pressesprecher Uli Klein. Der Ärztliche Leiter der ZNA, Patrick Müller-Nolte, teilte mit, dass man den 77-Jährigen im Blick gehabt habe, er sei jedoch „zu keiner Zeit in vitaler Bedrohung“ gewesen – sprich nicht in Lebensgefahr. Immer wieder seien noch dringendere Fälle in lebensbedrohlicher Situation dazwischen gekommen. 

„Schade nur, dass man uns zu keiner Zeit darüber in Kenntnis gesetzt hat“, so die Tochter des Kranken, Andrea Martin-Ochs. „Wir dachten die ganze Zeit, sie hätten meinen Vater vergessen“, berichtet die 50-Jährige aus Schwalmstadt gegenüber der HNA. Dies alles sei sehr unglücklich gelaufen, heißt es seitens der Klinik: „Wir können uns nur entschuldigen“, so der Pressesprecher, „es tut uns wirklich leid.“ 

Sieben Stunden nach Ankunft im Krankenhaus Ziegenhain wurde der Patient für die notwendige Operation vorbereitet. Wartezeiten über fünf Stunden seien in der ZNA leider kein Einzelfall, heißt es dazu seitens der Klinik. 

Fast drei Wochen ist dies nun her, doch die Erinnerung daran lässt Andrea Martin-Ochs noch immer nicht los. Seit mehreren Jahren ist ihr Vater auf Dialyse angewiesen.

Blut muss künstlich gereinigt werden

Walter Martin ist seit über vier Jahren schwer krank, seine Nieren wurden durch eine Ersterkrankung so in Mitleidenschaft gezogen, dass sein Blut durch Dialyse künstlich gereinigt werden muss – auch an diesem Morgen.

„Als wir merkten, dass die Dialyse nicht funktioniert war Eile geboten, damit sich nicht das ganze Gefäß verstopft und ein völlig neuer Shunt gelegt werden muss“, so Pflegedienstleiter Mario Groß von der Praxis Dr. Küllmer gegenüber der HNA. Shuntverschlüsse, bei denen sich die natürliche Gefäßverbindung zwischen Arterien und Vene verstopfen und verhindern, dass Blut fließen kann, seien ein Notfall, könnten bei Dialysepatienten jedoch hin- und wieder vorkommen.

Um eine schnellstmögliche Versorgung des Dialysepatienten zu ermöglichen, habe er sich an das nächstgelegene Krankenhaus gewandt und den 77-Jährigen zur Einweisung in der ZNA angemeldet. Dort habe man ihm signalisiert, dass der Patient geradewegs gebracht werden könne. Groß: „Auf das weitere Vorgehen und mögliche Wartezeiten haben wir keinen Einfluss.“

„Wartezeit war zermürbend“

Die lange Wartezeit im Ungewissen sei überaus zermürbend gewesen, sagt Andrea Martin-Ochs, die ihrem Vater in die Zentrale Notaufnahme folgte. „Bis etwa 12.30 Uhr geschah nichts. Dann kam eine Durchsage, dass es aufgrund von hohem Patientenaufkommen Verzögerungen gibt“, erinnert sie sich. Dann seien weitere 90 Minuten vergangen, in denen nichts geschah. Und das, obwohl sie die ganze Zeit davon ausgegangen seien, dass ihr Vater an diesem Tag noch operiert und spätestens am folgenden Tag noch dialysiert werden müsse – ein Verdacht, der sich bestätigen sollte.  Erst gegen 14 Uhr – inzwischen waren fünfeinhalb Stunden vergangen – sei ihr Vater zum ersten Mal aufgerufen worden. Danach habe schnell fest gestanden, dass er noch am selben Tag operiert werden müsse, da sich der Verdacht auf Shuntverschluss bestätigt hatte.

 „Am Ende ging alles gut, die Ärzte und Schwestern waren sehr höflich und hilfsbereit und mein Vater konnte am nächsten Tag dialysiert werden“, so Andrea Martin-Ochs.

Rubriklistenbild: © Foto: dpa

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