Paprika statt Pillen gegen Infekte

Hausmittel: Nicht nur Obst und Gemüse helfen bei Erkältung, sondern auch Inhalieren verschafft Linderung. Archivfoto: nh

Schwalmstadt. Winterzeit ist Erkältungszeit. Doch was hilft tatsächlich gegen Husten, Schnupfen und Fieber? Der Schwalmstädter Internist und Hausarzt Dr. Winfried Haupt erklärt, welche Mittel helfen, und von welchen Präparaten man besser die Finger lassen sollte.

Herr Dr. Haupt, zurzeit sind viele Menschen erkältet. Was kann man tun, um sich vor einer Ansteckung zu schützen? 

Dr. Winfried Haupt: Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Wir kommen tagtäglich mit vielen Keimen in Berührung. Die meisten davon wehrt unser Immunsystem erfolgreich ab, ohne dass wir etwas davon bemerken. Manche Erreger sind allerdings hartnäckiger, und das äußert sich dann zum Beispiel in Form eines Infektes mit Halsschmerzen, Husten und Abgeschlagenheit.

In der Werbung sind Kombi-Präparate gegen Erkältungsbeschwerden gerade allgegenwärtig. Sie versprechen eine schnelle Linderung der Symptome. Sind diese Medikamente empfehlenswert?

Haupt: Ich sehe Kombi-Präparate eher kritisch. Sie enthalten meist einen fiebersenkenden und schmerzstillenden Wirkstoff wie Paracetamol oder Ibuprofen sowie weitere Stoffe wie Koffein, Zink oder Vitamin C. Leider ist die Dosierung der Hauptwirkstoffe oft zu gering. Aus meiner Sicht ist daher die Einnahme der Einzelsubstanzen in Form von Monopräparaten besser und auch günstiger.

Was raten Sie ihren Patienten?

Haupt: Gegen Fieber und Schmerzen sind Ibuprofen, Paracetamol oder ASS sinnvolle Medikamente. Entscheidend ist auch, auf die Signale unseres Körpers zu hören. Bei ausgeprägter Schwäche sind Belastungen zu vermeiden und eine konsequente Schonung einzuhalten. Vitamin C ist wichtig für die Infektabwehr. Eine gute Quelle hierfür sind Lebensmittel wie Paprika, Zitrusfrüchte oder grünblättrige Gemüsearten - beispielsweise Brokkoli und Rosenkohl. Auch Hausmittel haben hier ihre Berechtigung.

Und wenn die Nase so richtig verstopft ist? 

Haupt: Inhalieren ist immer empfehlenswert. Zum Beispiel mit einer Kochsalzlösung, die man ganz einfach selbst herstellen kann. Für eine ruhige Nacht kann man auch abschwellende Nasentropfen verwenden.

Viele Erkältungssymptome lassen sich also selbst behandeln. Wann sollte man dennoch einen Arzt aufsuchen?

Haupt: Medizinischer Rat ist zum Beispiel bei anhaltendem, schmerzhaftem Husten notwendig. Auch bei Fieber, das über mehrere Tage anhält, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Ist dann die Gabe eines Antibiotikums sinnvoll?

Haupt: Bei schweren bakteriellen Infektionen kann das notwendig werden. Allerdings werden Antibiotika auch oft bei reinen Virusinfekten verschrieben, bei denen sie nicht als Therapie geeignet sind. Und das kann unangenehme, zum Teil problematische Folgen haben.

Welche sind das?

Haupt: Antibiotika bekämpfen schädliche Bakterien, aber leider auch nützliche, zum Beispiel im Darm. Die Darmflora kann durch die Einnahme des Medikaments aus dem Gleichgewicht nämlich gebracht werden. Und das schwächt letztlich die Immunabwehr.

Von Pamela De Filippo

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