Mehr als zehn Videos waren auf seinem Handy

Mann verschickt Kinderpornos - um seine Eltern nicht mehr zu sehen

Das Amtsgericht Schwalmstadt ist in Treysa.
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Das Amtsgericht Schwalmstadt: Hier fand der Prozess gegen den 20-Jährigen statt.

Prozess vor dem Amtsgericht Schwalmstadt: Ein 20-Jähriger sendete kinderpornografisches Video über Instagram an einen Dritten - mit ungewöhnlichem Beweggrund.

  • Prozess vor dem Amtsgericht Schwalmstadt
  • Mann soll Kinderpornos verschickt haben
  • Der Grund überrascht

Schwalmstadt – 13 Videos mit kinderpornografischen und vier mit jugendpornografischen Inhalten wurden auf dem Handy des Angeklagten gefunden. Bei ersteren wurden fünf- bis elfjährige Mädchen missbraucht. Im November verschickte der Angeklagte zudem über das soziale Medium Instagram ein Video, in dem ein sechs bis acht Jahre altes Mädchen, ein circa zehnjähriger Junge sowie ein erwachsener Mann sexuelle Handlungen vornahmen.

Nun musste sich der Angeklagte vor dem Amtsgericht Schwalmstadt für Erwerb, Verbreitung und Besitz kinderpornografischer Schriften in einem Prozess verantworten.

Der 20-jährige Mann aus dem Altkreis Ziegenhain gesteht die meisten Vorwürfe. Ja, er habe das Kinderporno verschickt, „aber nicht weil ich das geil finde.“ Seine Beweggründe waren, dass es im elterlichen Zuhause zu diesem Zeitpunkt so schlimm gewesen sei, dass er wollte, dass die Polizei das Video sieht und ihn mitnimmt: „Ich dachte, die schicken mich ins Gefängnis, damit ich die nicht mehr sehen muss.“

Prozess: Mann verschickt Kinderporno - Er wollte von zuhause weg

Gemeint sind seine Mutter und sein Stiefvater. Mit einem Kochlöffel sei er auf den Kopf geschlagen und mit Stahlkappen-Schuhen getreten worden. Fehlte in dem Haushalt, in dem noch weitere Geschwister wohnen, Geld, wurde er des Diebstahls beschuldigt, dabei war er derjenige, der arbeiten ging. „Ich habe da eher an meine Sicherheit gedacht, als an alles andere.“ Er behauptete jedoch, dass nicht 13 sondern nur ein bis zwei weitere Videos auf seinem Handy waren. Diese hatte er sozusagen als Absicherung „damit die Polizei mich auch wirklich mitnimmt.“

Da er monatelang nichts von der Polizei hörte, hat sich der 20-Jährige dann mithilfe eines Betreuers der Jugendhilfe selbst um eine eigene Wohnung gekümmert.

Auf Nachfrage der Jugendrichterin Mareike Pöllmann sagte der Angeklagte, er könne sich vorstellen, dass die Kinder in dem verschickten Video das nicht freiwillig gemacht haben. Ihm war auch bewusst, dass er damit eine Straftat beging.

Prozess in Schwalmstadt: Kinderpornos waren „krasses Zeug“

Die anwesende Jugendgerichtshilfe berichtete über das sehr angespannte Verhältnis beim Angeklagten zu Hause und von dessen sehr unruhigem Lebens als Kind. Die Familie zog oft um, womit mehrere Schulwechsel einhergingen. Er machte dennoch seinen Hauptschulabschluss, schloss eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme ab und begann eine Ausbildung, der er weiterhin nachgeht.

Die Staatsanwältin sah es als strafmildernd an, dass der junge Mann aus schwierigen Verhältnissen komme und keine Vorstrafen habe. Sie forderte 50 gemeinnützige Arbeitsstunden.

Die Richterin verurteilte den Angeklagten zu 40 gemeinnützigen Arbeitsstunden sowie drei therapeutischen Beratungsgesprächen. Zum Schluss sagte sie, dass sie dem Angeklagten hinsichtlich seiner Motivation glaubt, aber die Videos „krasses Zeug“ waren. Das Urteil des Prozesses ist noch nicht rechtskräftig.

Weitere Kinderporno-Prozesse in der Region

Die für Kinderporno-Delikte zuständige Staatsanwaltschaft Hannover will gegen ein kürzlich verhängtes Prozess-Urteil des Amtsgerichts Göttingen Rechtsmittel einlegen.

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg wird ein Mann aus Wildeck nach einem Prozess verurteilt, weil er Kinderpornos angeboten und verbreitet hat. (Sandra Böhm)

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