Pfundweise Heroin aus Holland

Prozess vor dem Landgericht wegen Drogenhandels in Schwalmstadt

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Prozessauftakt in Marburg: Die drei Angeklagten mit ihren Verteidigern (von rechts) Sascha Marx, Peter Thiele und Ulrike Ristau.

Vor dem Marburger Landgericht sind drei Männer angeklagt, die im Raum Schwalmstadt mindestens seit 2017 mit Drogen, vor allem Heroin und Kokain, in größeren Mengen gehandelt haben sollen.

Erwischt wurden sie im November 2018 mit einem halben Kilo Heroin und 50 Gramm Kokain, die sie gerade aus Holland geholt hatten.

Dem Trio wird vorgeworfen, Drogenhandel zu Erwerbszwecken und als Bande betrieben zu haben. Mit von der Partie sollen auch noch eine gesondert verfolgte Frau und ihr inzwischen verstorbener Lebensgefährte gewesen sein. Der mutmaßliche Haupttäter, ein 37-jähriger Mann aus dem Altkreis Ziegenhain, ist seit November 2018 in Haft. 

Mit angeklagt sind ein 33-jähriger Gladenbacher, der an der Organisation der Beschaffungsfahrten nach Holland beteiligt gewesen sein soll, sowie ein 48-Jähriger, ebenfalls aus dem Altkreis Ziegenhain, der als Fahrer gedient hatte. Alle drei sind heroinabhängig, der Gladenbacher gab jedoch an, nach einem Selbstentzug seit dem Jahreswechsel keine Drogen mehr zu konsumieren.

Fünf bis sechs Fahrten seit 2017 gestanden

Die Anklageschrift von Staatsanwalt Sebastian Bieden stützte sich neben den Erkenntnissen der Polizei vor allem auf das Geständnis des Gladenbachers, der berichtet hatte, dass es seit 2017 fünf bis sechs solcher Fahrten nach Rotterdam mit steigenden Drogenmengen gegeben habe.

Die dort erworbenen Drogen sollen laut Anklage von dem 37-jährigen Schwalmstädter gestreckt und in Portionen zu je 0,3 Gramm für 20 Euro an Drogenkonsumenten verkauft worden sein. Auf die Spur gekommen war die Polizei den Angeklagten, weil ein Drogenkonsument bei Kontrollen mit Heroin erwischt worden war und ausgesagt hatte, er habe die Drogen von dem 37-Jährigen gekauft. Daraufhin hatte die Polizei den Hauptangeklagten beobachtet und auch sein Telefon überwacht.

Am 22. November 2018 hatte der Gladenbacher im Auftrag des führerscheinlosen Hauptangeklagten in Kassel zwei Autos gemietet, um nach Rotterdam zu fahren. Wie der 47-jährige Fahrer vor Gericht aussagte, sei man dann zum Drogenkauf nach Holland gefahren.

Dort habe der Hauptangeklagte ein halbes Kilo Heroin für 8000 Euro und 50 Gramm Kokain für 1800 Euro erworben. Die gekaufte Menge an Drogen hätte bei der üblichen Art der Streckung eine Verkaufsmenge von rund 2,2 Kilogramm ergeben, rechnete ein Polizeikommissar dem Gericht vor.

Polizei verhaftete die Angeklagten in Treysa

Anhand der Standortdaten des Handys des 37-Jährigen konnte die Polizei die Fahrt nach Rotterdam verfolgen. Der Fahrer und der Hauptangeklagte wurden an einer Tankstelle in Treysa verhaftet, der Gladenbacher und die Frau in der Wohnung der Frau in Schwalmstadt. Dort wurde auch der Rucksack mit den Drogen gefunden. In einem Bankschließfach des Hauptangeklagten fand die Polizei 36 250 Euro in kleinen Scheinen, bei seiner Verhaftung hatte er 1075 Euro bei sich.

Alle Angeklagten gestanden den Ablauf in groben Zügen ein. Für den Hauptangeklagten betonte sein Verteidiger Sascha Marx jedoch, es habe sich nicht um eine Bande gehandelt.

Die Zusammenarbeit sei eher zufällig im Freundeskreis erfolgt. In einem weiteren Verhandlungstag soll ein Gutachter gehört werden, dann werden die Plädoyers erwartet.

Von Martina Koelschtzky

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