Räubergeschichten 

Von Gilserberg nach Indien: Schodenheinrich knackte jedes Schloss

Auch aus dem Gefängnis in Ziegenhain brach Ausbrecherkönig Schodenheinrich mehrmals aus.
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Auch aus dem Gefängnis in Ziegenhain brach Ausbrecherkönig Schodenheinrich mehrmals aus.

Wenig ist bekannt über die Räuberbanden, die im 19. Jahrhundert zwischen Vogelsberg und Taunus ihr Unwesen trieben. In einer kleinen Serie stellen wir den Heidenpeter und andere Gesellen vor.

Wie bei den bereits vorgestellten Räubern dienen auch bei Schodenheinrich die Verhörprotokolle von Hofgerichtsrat Grolman aus Gießen als Hauptquelle: Johann Heinrich Vogt, genannt Schodenheinrich, wurde 1778 in Gilserberg geboren. Sein Vater soll ein reicher Bauer aus Gilserberg gewesen sein, der später aber verarmte und ohne Vermögen starb.

Drei Mal wegen wiederholtem Diebstahl in Arrest

Er begann mit 15 Jahren in Elberfeld eine Schmiedelehre, verließ jedoch nach eineinhalb Jahren seinem Lehrherrn, verdingte sich danach als Knecht und Tagelöhner und wurde schließlich zu einem Dieb und Räuber. Von 1803 bis 1805 wurde er in Frankfurt drei Mal wegen wiederholten Diebstahls in Arrest genommen und an den Pranger gestellt.

Eine Verurteilung in Marburg im Jahr 1805 wegen Diebstahls zu lebenslänglicher Eisenstrafe Erster Klasse sollte er in der Strafanstalt Ziegenhain verbüßen.

Spätestens nun stellte sich heraus, dass seine Schmiedelehre doch nicht völlig umsonst war, denn Schodenheinrich kannte sich wie kein zweiter Räuber mit Schlössern aus, und er wurde nicht zuletzt deshalb der ungekrönte Ausbrecherkönig der Wetterauer Räuberbande.

Zweimaliger Ausbruch 

Nach zweimaligem Ausbruch aus der Ziegenhainer Haftanstalt – zuletzt gemeinsam mit dem Heiden-Peter – trieb er sein Unwesen vorwiegend im Vogelsberg und der Wetterau auf.

Schodenheinrich, Hessenpeter, Heiden-Peter und fünf weitere Räuber planten im Januar 1809 einen Einbruch in der Nähe von Münzenberg. Trotz guter Vorbereitung misslang der Raubzug.

Schodenheinrich wurde überwältigt 

Während die Diebe noch im Haus des Opfers Kleider, Tuch und Geld zusammenklaubten, wurde der wachestehende Heiden-Peter von vorübergehenden Frauen ertappt. Während seine Kumpanen fliehen konnte, wurde Schodenheinrich von Dorfbewohnern überwältigt. Mit gezücktem Messer befreite er sich jedoch und floh in Richtung eines Flusses. Das Pech an diesem Tag blieb ihm jedoch treu. Er verfing sich in den dort ausgelegten Fischernetzen, ertrank beinahe und wurde letztendlich doch gefangen genommen. Schodenheinrich wurde zum Amt Niederweisel gebracht und dort inhaftiert. Dort nannte er sich Johann Adam Vogt aus Danzig, gab sich als abgedankter preußischer Soldaten aus und leugnete „mit unverschämter Frechheit die Teilnahme an diesem Diebstahl.“

Auch die eindeutigsten Beweise und selbst die Bezeugung der Einwohner eines ganzen Dorfes konnten ihn nicht dazu bringen, eine Mittäterschaft einzugestehen. In geübter Manier brach er am sechsten Tag seiner Gefangenschaft wieder aus.

Leugnung aller Vorwürfe 

1811 wurde Schodenheinrich erneut ergriffen und ins Stockhaus nach Gießen gebracht. Dort leugnete er konsequent alle ihm zur Last gelegten Verbrechen.

Alle Verhörmethoden des Hofgerichtsrats, weder Milde, noch Strenge, noch Gegenüberstellungen und Indizien konnten ihn zu einem Geständnis bewegen. Da zur damaligen Zeit aber ein Geständnis einer Verurteilung zugrunde liegen musste, wurde Schodenheinrich nicht erneut verurteilt, sondern nach Marburg gebracht, um dort seine bereits 1805 ausgesprochen Eisenstrafe zu verbüßen.

Aus der Strafanstalt Kassel geflohen 

Schodenheinrich wäre ein schlechter Ausbrecherkönig, wenn es ihm nicht gelungen wäre, im Herbst 1813 aus der Strafanstalt Kassel zu fliehen. Er wurde erneut gefangen genommen und im September 1815 nach Ziegenhain überführt. „Im August 1820 aber begnadigt und“ – wie es im Stockhaus-Register heißt – „mit seinem Bruder nach Westindien geschickt.“

Im nächsten Teil unserer historischen Serie geht es um Hessen-Heinrich. Die Grundlage der Texte stammt vom pensionierten Geschichtslehrer Johannes Schütz, gebürtiger Gilserberger.

Von Ute-Anemone Lorenz 

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