Kopf der Wetterauer Bande

Räubergeschichten: Festweber war Straßengauner

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Der Tatort des gemeinschaftlichen Überfalls von Johannes Festweber (Hessen-Heinrich), seiner Schwester Anna Gela Festweber und Martin Strüning auf die Familie Hellwig in Hundshausen im Jahr 1810. Heute befindet sich hier die Töpferei der Familie Burberg. 

Wenig ist bekannt über die Räuberbanden, die im 19. Jahrhundert zwischen Vogelsberg und Taunus ihr Unwesen trieben. In einer mehrteiligen Reihe stellen wir den Hessen-Heinrich und andere Gesellen vor.

Schwalm – Viel ist nicht bekannt über die Herkunft und den Werdegang des Johannes Festweber aus Hundshausen, genannt Hessen-Heinrich. Geboren 1775, wurde er einer der bekanntesten Räuber im Hessischen Raum. Spitznamen begleiteten seinen Aufstieg innerhalb der Räuberschaft. Anfangs noch Geißen-Hannes genannt, wurde er später als Hessen-Hannes und Hessen-Heinrich berühmt und berüchtigt. Hinter einer durchaus bürgerlichen Fassade als Porzellanhändler mit Frau, Kindern und einem weißen Pudelhund, verbarg sich einer der Anführer der Wetterauer Räuberbande. Er organisierte eines der bedeutendsten Verbrechen dieser Epoche, einen großen Straßenraub unter lebensgefährlichen Misshandlungen auf der Landstraße zwischen Butzbach und Wetzlar im Juni 1809.

Am Vorabend des 21. Juni 1809 versammelte sich eine Schar Räuber auf einem Pachthof in Münzenberg. Hessen-Heinrich hatte dort zehn seiner Kameraden, unter anderem auch Schodenheinrich und Heiden-Peter zusammengerufen. Geplant war, anlässlich des Wetzlarer Marktes Händler auf ihrer Rückkehr zu überfallen. Gut vorbereitet mit Schusswaffen, Munition, Säcken und Prügeln machte sich die Truppe auf den Weg nach Wetzlar. Heiden-Peter und ein Kumpan wurden als Kundschafter vorausgeschickt. Sie wählten auf dem Markt in Wetzlar die Opfer aus und kennzeichneten ihre Waren und ihr Gepäck mit Kreide, sogenannten Gaunerzinken.

Tuchhändler Opfer von Hessen-Heinrich

In Erwartung ihrer Opfer bezog die Räuberbande Stellung in einem Waldstück. Nichtsahnend näherten sich die Tuchhändlerfamilie Eisenhard aus Niederkleen. Sie hatten auf dem Markt ihre Waren verkauft und dabei gute Geschäfte gemacht. Auf dem Heimweg trugen sie einige hundert Gulden Geld bei sich und auf einem Pferdefuhrwerk befanden sich die nicht verkauften Waren und ihr Einkauf vom Markt.

Ludwig Eisenhard war der erste, der von Hessen-Heinrich mit angeschlagenem Karabiner zum Stehen gebracht wurde. Mit Schlägen auf den Kopf wurde er zu Fall gebracht und gefesselt. Während der Misshandlungen bat er um Gnade. Sein Wehklagen ärgerte die Räuber und Hessen-Heinrich richtete seinen Karabiner auf ihn. Einer der Räuber rief: „Schieß den Hund tot.“

Hessen-Heinrich zog den Abzugshahn, das Pulver auf der Pfanne glühte auf, aber das Gewehr versagte. Anschließend wurde Ludwig Eisenhard durchsucht und seines Geldes im Wert von 150 Gulden beraubt. Sein Sohn Johannes versuchte zu flüchten. Er erreichte das freie Feld, doch er wurde von Heiden-Peter eingeholt, zu Boden geworfen, gefesselt und seiner Barschaft von 50 Gulden beraubt.

Besonders schlecht erging es Philipp Eisenhard. Besinnungslos geschlagen wurde er ebenfalls seiner Barschaft beraubt. Wahrscheinlich hätte er die Misshandlungen nicht überlebt, wenn sich nicht einer der Räuber in das Geschehen eingemischt hätte. Der Wert des Guts belief sich auf die Summe von 2332 Gulden und 53 Kreuzer, heute etwa 32 000 Euro. Trotz staatlicher Unterstützung mit einem zinslosen Darlehen verarmte die Tuchhändlerfamilie in Folge des Überfalls.

Hiermit endet die Serie Räubergeschichten, die Grundlage der Texte stammt vom pensionierten Geschichtslehrer Johannes Schütz, gebürtiger Gilserberg.

von Ute-Anemone Lorenz

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