Rettungsflüge für Rehkitze

Allendorf: Landwirt lässt Wiesen vor der Mahd mit Drohne absuchen

Gerettet: Damit das Rehkitz keinen menschlichen Geruch annimmt, darf es nur mit Handschuhen und geschützt durch Gras aufgehoben werden.
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Gerettet: Damit das Rehkitz keinen menschlichen Geruch annimmt, darf es nur mit Handschuhen und geschützt durch Gras aufgehoben werden.

Um junge Rehkitze zu schützen, lässt ein Landwirt aus Allendorf-Landsburg seine Wiesen vor der Mahd mit einer Drohen kontrollieren.

Allendorf. Zusammengekauert und geschützt von einer dicken Schicht Gras sitzt ein kleines Rehkitz im Korb. Kurz zuvor hatte Drohnenpilot Alexander Bätz das junge Tier auf der Wiese von Familie Ziegler in Allendorf gefunden.

Grund für den Drohnenflug waren anstehende Mäharbeiten der Landwirtsfamilie. In der Vergangenheit sei das Absuchen der Wiesen vor der Mahd wesentlich komplizierte und aufwendiger gewesen, berichtet Regina Ziegler- Dörhöfer: „Das ist jetzt viel effektiver.“

Für die gut 20 Hektar Wiese der Allendorfer Landwirtsfamilie benötigte Alexander Bätz gut drei Stunden. Im vergangenen Jahr habe man gar kein Kitz gefunden, diesmal waren es gleich fünf Tiere. Aufgrund des feuchten Mai-Wetters war das Gras sehr hoch, eine zusätzliche Schwierigkeit bei der Suche. Es war auch sehr kalt und nass, sagt Regina Ziegler-Dörhöfer lachend. Der Aufwand hat sich aber gelohnt. Wenn sich alles beruhigt hat, finden Ricke und Kitz schnell wieder zusammen, so Ziegler-Dörhöfer: „Man muss nur darauf achten, keinen Menschen-Geruch an den Kitzen zu hinterlassen.“

19 Rehkitze konnte Drohnenflieger Alexander Bätz in diesem Jahr schon vor dem Mähtod retten. „Das regnerische Wetter macht die Planung und Organisation in diesem Jahr besonders schwer. Die Kitzrettung konzentriert sich auf die wenigen trockenen Tage“, so Bätz, der täglich Anfragen für das Befliegen von etlichen Hektaren aus der Region zwischen Alsfeld und Baunatal bekommt. Sein Freund Daniel Kurz, Drohnenpilot aus Schrecksbach, arbeitet ebenso unermüdlich die Kitzsuchanfragen ab.

Drohne ist mit Wärmebildkamera ausgestattet

Sobald Bätz mit seinem Hexacopter mit angehängter Wärmebildkamera in der Luft ist, dauert es nicht lange, bis die Drohne die erste Wärmequelle am Boden ausmacht. Mal ist es nur ein Erdhügel, dann aber findet Bätz auch Ricken oder auch gleich Rehkitze, die sich im hohen Gras verstecken. „Ist eine Ricke in der Nähe sind die Kitze nicht weit“, weiß der Zimmermannsmeister, für den die Rehkitzrettung zur Passion geworden ist. In der Kitzsaison endet für Bätz die Nacht meist schon um 4.30 Uhr, denn gerade wenn die Außentemperaturen noch kühl sind, finden sich die etwa 20 Grad warmen Rehkitze leicht. Im vergangenen Jahr hat Bätz in eine neue Wärmebildkamera investiert, die eine noch höhere Bildwiederholungsrate hat, sodass er nun mit höherer Fluggeschwindigkeit die Mahdflächen abfliegen kann.

Bätz überfliegt die Grünflächen in einer Höhe von rund 50 Metern und hat damit die ausgewählten Mahdflächen schnell auf dem Monitor abgesucht. Sobald Bätz eine verdächtig warme Stelle auf seinem Monitor entdeckt hat, schickt er einen Helfer mit Funkgerät zum Standort ins Grüne und lotst ihn zum Fundort. „In diesem Jahr eine unglaublich nasse Angelegenheit“, sagt Bätz. Ist ein Kitz gefunden, rüsten sich die Helfer mit Einmalhandschuhen und packen das Rehkitz mit Gras in einen Korb, um es am Rand des Feldes oder auf einer nicht zur Mahd anstehenden Fläche abzulegen. „Die Mütter finden ihre Kitze wieder, sofern sie keinen menschlichen Geruch angenommen haben“, weiß Bätz. In diesem Jahr fand der 32-Jährige auch schon einmal Drillinge.

Einige Rehkitze waren schon so fit, dass sie, sobald sich ein Helfer näherte, wegsprangen. Dann galt es, die Kitze aus dem Mahdfeld herauszutreiben, denn sollte sich nicht ein Helfer, sondern ein Mähwerk nähern, bestünde die Gefahr, dass das Kitz, obwohl es schon flüchten könne, geradewegs ins Mähwerk des Bauern springt.

„Kein Landwirt möchte ein Kitz mähen und eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Mit der Drohnensuche können aber definitiv viele Rehkitze vor dem grausamen Mahdtod bewahrt werden“, fasst Bätz zusammen. (Regina Ziegler-Dörhöfer und Matthias Haaß)

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