Körperverletzung: Streit zwischen Mieter und Hausverwalter vor Gericht

Treysa. Totschläger oder Schlagstock, mit welcher Waffe soll der Angeklagte zugeschlagen haben? Für den Richter spielte das schlussendlich keine Rolle. Der Prozess wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung endete ohne Urteil.

Angeklagt war ein 64-Jähriger aus dem Altkreis Ziegenhain. Er soll einen Hausverwalter bedroht und mit einer Waffe geschlagen haben.

Zunächst im Protokoll als Totschläger bezeichnet, stritten sich Verteidigung und Richter, ob es sich tatsächlich um eine illegale Waffe gehandelt haben könnte. Das Problem: Der Stock, den die Beamten sichergestellt hatten, war selbstgebastelt. Außerdem wurde das Beweisstück inzwischen vernichtet, nachdem der Angeklagte die Widerspruchsfrist hatte verstreichen lassen. Von dem Stock mit dem Schlauch am Ende existierte nur noch ein Foto. Der Angeklagte sagte vor dem Amtsgericht in Treysa aus, er haben den Stock gebaut, um einem Bekannten beim Treiben seiner Rinder zu helfen. Für die Polizei war es eine illegale Waffe.

Der Streit zwischen dem Opfer und dem Angeklagten war im Dezember eskaliert, nachdem der Verwalter die Garage des Angeklagten mit einem Metallstift blockiert hatte. Er hatte dem Senior die Nutzung der Garage verboten. Der wollte aber die Schlüssel nicht rausrücken - zu Recht, wie sich später herausstellte: Der Verwalter hatte keine Vollmacht des Hausbesitzers, um eine Kündigung auszusprechen.

Dann besuchte der Senior aber den Verwalter zuhause. „Ich wollte ihn zur Rede stellen“, gab er an. Als der Verwalter aber die Diskussion beenden und die Tür schließen wollte, stemmte sich der Angeklagte dagegen. Dabei soll er mit dem Stock nach dem Opfer geschlagen haben. „Ich habe den Stock immer im Auto, hab ihn aber nicht benutzt“, stritt der Angeklagte den Vorwurf ab.

„Das sollte eine Rüge sein“, gab er schließlich zu. „Der ging mir schon vorher auf die Nerven“, sagte er über den Angeklagten. Während der Verhandlung wurde deutlich: Die beiden streiten sich seit Monaten.

Vor diesem Hintergrund machte der Vorsitzende dem Angeklagten ein Angebot: Gegen eine gemeinnützige Spende von 600 Euro würde das Verfahren eingestellt. „Sie müssen sich vertragen“, tadelte er die beiden Streithähne und warnte den Verwalter: „Selbstjustiz ist immer schlecht.“ Der Angeklagte nahm das Angebot an und entging so einem Urteil. 

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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