Neueste Technik soll Daten für die Forschung liefern

Schwalmstadt: Ringe und Sender für Störche

Die Feuerwehr Ziegenhain unterstützte mit ihrem Drehleiter die Beringungsaktion in Allendorf.
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Die Feuerwehr Ziegenhain unterstützte mit ihrer Drehleiter die Beringungsaktion in Allendorf.

Mit Unterstützung der Feuerwehr wurden in Allendorf an der Landsburg Jungstörche beringt. Die Retter brachten ihre Drehleiter zum Einsatz und gingen Vogelexperte Thomas Weiß zur Hand.

Allendorf an der Landsburg. Ganz still liegen die drei Jungstörche in ihrem Nest in Allendorf an der Landsburg. Langsam heben und senken sich ihre Körper, sie harren still aus – vor fünf Wochen sind sie geschlüpft, jetzt haben sie ihre Erkennungsmerkmale bekommen. Am Freitag wurde der Nachwuchs mit Ringen und Sendern ausgestattet.

Im Altkreis Ziegenhain ist es nicht die erste Beringung von Jungstörchen. Vor einigen Jahren wurden bereits Jungstörche in Ziegenhain beringt. Erstmals wurden jetzt auch Sender zur Beobachtung von Flugrouten angebracht. Um an die Jungstörche heranzukommen, war Unterstützung gefragt: Karsten Linke von der Feuerwehr Ziegenhain stand Vogelexperte Thomas Weiß und Ornithologe Christian Gelpke als Kreisvogelschutzbeauftragter mit einer Drehleiter der Feuerwehr zur Seite.

Die Beringung der Jungstörche sollte in der fünften Lebenswoche erfolgen – bis dahin verfallen die Tiere in eine Art Schockstarre, sobald sich ihnen etwas nähert.

Thomas Weiß ist erfahren, er beringt in ganz Hessen und wurde vom Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven und der Vogelwarte Helgoland ausgebildet. Er stattete die Jungtiere mit den Ringen aus. „Die Störche verfallen in eine Art Schockstarre, wenn wir uns nähern. Das macht den Vögeln nichts aus“, erklärte Weiß. So konnte er die Ringe in nur wenigen Sekunden anbringen. Der Altstorch war zu dieser Zeit nicht auf dem Nest.

Zeitpunkt für Beringung ist entscheidend

Ein Novum in der Schwalm ist das Anbringen von GPS-Sendern an den Störchen: Auch hierfür war Christian Gelpke verantwortlich. Jörg Schultheis von der Feuerwehr Schwalmstadt sorgte für die sichere Steuerung der Drehleiter bis zum Nest und auch wieder zurück. Dr. Wulf Rheinwald, Vogelschutzbeauftragter des Naturschutzbundes in Schwalmstadt, beobachtete das Geschehen vor Ort.

„Es ist wichtig, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Wenn die Störche zu alt und groß sind, verfallen sie nicht mehr in die Schockstarre und können sich verletzen“, erklärte der Ziegenhainer Vogelexperte Heinz Stübing. In der fünften Lebenswoche sollte der Ring angebracht werden. Er wird über dem Sprunggelenk von zwei Seiten ineinander geknipst, sodass er nicht verrutschen kann. Der Ring dient zur Identifizierung. Das Kürzel der Vogelwarte, von der er stammt, und eine Nummer sind abzulesen. Anhand von Meldungen über Aufenthaltsorte der Vögel, kann somit das Verhalten erforscht werden.

Das sei vor allem in Zeiten des Klimawandels interessant, sagt Stübing. Erstmals will man mit den Sendern auch die Flugrouten von jungen Weißstörchen und Schwarzstörchen beobachten und dokumentieren. Insgesamt neun Horste gibt es aktuell im Altkreis Ziegenhain, die mit Brutpaaren besetzt sind. In zwei Wochen ist eine weitere Beringung mit einem Sender bei den Jungstörchen in Dittershausen vorgesehen.

Wie viele Jungstörche in allen neun Horsten in der Schwalm das Licht der Welt erblickt haben, kann man erst in den nächsten Tagen mit Sicherheit sagen. Schon bald werden die ersten Jungstörche anfangen, ihre Flügelmuskulatur zu trainieren, bevor sie in einigen Wochen dann flügge sind. (Jörg Döringer)

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