Verstoß gegen Waffengesetz: Verfahren gegen Geldbuße eingestellt

Treysa. Mit dem sprichwörtlichen blauen Auge kam kürzlich ein Waffenbesitzer vor dem Amtsgericht Schwalmstadt davon.

Gegen Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 1000 Euro wurde das Verfahren im Einvernehmen aller Prozessbeteiligten eingestellt. Das Geld muss der 46-Jährige aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis an den Weißen Ring bezahlen.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Marburg dem Mann vorgeworfen eine Pistole des Typs Baretta-9-Millimeter-Luger geführt zu haben, ohne die dafür notwendigen Papiere vorweisen zu können. Der Angeklagte hatte die Waffe für 500 Euro im Frühjahr 2015 gekauft.

Danach hatte er sie sowohl verbotenerweise zu Hause aufbewahrt, als auch auf dem Schießstand geschossen. Dem Angeklagten sei bewusst gewesen, dass der von ihm gestellte Antrag zum damaligen Zeitpunkt noch nicht genehmigt worden war, sagte der Staatsanwalt.

Der Arbeiter zeigte sich vor Gericht im vollen Umfang geständig. „Soweit ist das alles richtig“, nahm der 46-Jährige zu den Vorwürfen Stellung und erzählte dem Richter die Geschichte noch einmal bis ins letzte Detail. Schnell wurde deutlich, dass der Mann nicht aus bösem Willen gehandelt, sondern dass er sich aus Unwissenheit im Netz des Waffenrechts verstrickt hatte.

Er sei schon länger auf der Suche nach einer wettkampftauglichen Waffe gewesen. Als Mitglied einer Reservistenarbeitsgemeinschaft (RAG) habe er bis dahin zwar regelmäßig mit einer eigenen Waffe geschossen, nun wollte er den Sport aber professionell betreiben, berichtete der Angeklagte.

„Um die Waffe führen zu dürfen, musste ich achtzehn Schießübungen nachweisen“, erklärte der Mann. Dies habe sinngemäß auch so im Kaufvertrag gestanden. Zum damaligen Zeitpunkt sei aber weder ihm noch dem Verkäufer bekannt gewesen, dass diese Übungen innerhalb eines Jahres abzuleisten sind, so Angeklagte: „Mir haben gerade mal noch vier gefehlt.“

Um trotzdem mit der Waffe schießen zu können, bediente sich der 47-Jährige eines vermeintlichen Kniffs. Unter gewissen Bedingungen erlaubt das Gesetz die Überlassung einer Waffe für einen Monat. Und so überließ der Verkäufer ihm die Baretta jeweils für vier Wochen

Insgesamt wurde die Frist zwölf Mal verlängert. Eine Vorgehensweise, die der Vorsitzende Richter nicht nachvollziehen konnte: „Wenn da ein Monat drin steht, dann heißt das ein Monat.“

Als der Verkäufer der Waffe abmeldete, nahm das Drama seinen Lauf. Die zuständige Aufsichtsbehörde überprüfte die Berechtigung des 47-Jährigen, stellte die fehlende Erlaubnis fest und informierte die Polizei. „An dem Tag, an dem ich den zweiten Antrag abschicken wollte, kam die Kripo zu mir und hat die Waffe beschlagnahmt“, berichtete der Angeklagte.

„Ist dann wohl dumm gelaufen“, kommentierte der Richter und auch der Staatsanwalt hatte wenig Mitleid: „Mit Kurzwaffen wird kein Spaß gemacht.“

Da sich der 47-Jährige aber im Prinzip an die Vorschriften gehalten hatte sowie letztlich alle Nachweise zum Führen einer Waffe vorweisen konnte, einigten sich alle Parteien auf die Einstellung des Verfahrens.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.