Schluss mit der Karriere:

Oberfeldwebel wollte ABC-Schutzmaske nicht prüfen: "Wichtigeres zu tun" 

Schwarzenborn/Treysa. Wegen wiederholter Befehlsverweigerung musste sich ein 37-jähriger Oberfeldwebel des Schwarzenborner Jägerregiments vor dem Amtsgericht in Treysa verantworten.

Bereits im Spätsommer 2012 hatte der Soldat laut Staatsanwaltschaft innerhalb von zwei Tagen gleich zweimal den Befehl seines unmittelbaren Vorgesetzten nicht befolgt. Im ersten Fall sollte der 37-Jährige einen Dienstplaneintrag erstellen und anschließend digitalisieren, im zweiten Fall seine persönliche ABC-Schutzmaske auf Dichtigkeit überprüfen.

Auf die Frage des Gerichts, warum er denn den Befehl des Zugführers nicht befolgt habe, antwortetet der Oberfeldwebel: „Ich hatte Wichtigeres zu tun.“ Die korrekte Erstellung des Dienstplans sei darüber hinaus Sache des Zugführers. Außerdem hätte es im Büro nur einen Computer gegeben und er habe eigentlich gar keine Möglichkeit gehabt, die Anweisung zu befolgen. So richtig erinnern könne er sich aber nicht mehr, schließlich sei die Sache schon zwei Jahre her.

Den schriftlichen Befehl zur Dichtigkeitsprüfung der ABC-Schutzmaske habe er gar nicht mitbekommen. Er sei damals mit der Übernahme des Gefechtssimulationssystems des Regiments beschäftigt gewesen. „Ich hatte Ausrüstung im Wert von zwei Millionen Euro zu überprüfen. Alles unter meiner Verantwortung“, erklärte der 37-Jährige und knetete dabei angespannt seine Fingerknöchel.

„Ich hatte Wichtigeres zu tun.“ 

Als einzigen Zeugen hatte das Gericht den damaligen Zugführer des Oberfeldwebels geladen. Dass sich das Verhältnis zwischen den beiden Männern mittlerweile wieder normalisiert hatte, konnte man schon vor dem Gerichtssaal gut beobachten. Einträchtig saßen die beiden Soldaten nebeneinander und besprachen dienstliche Angelegenheiten.

Die Frage des Gerichts, ob es denn nicht Pflicht eines jeden Soldaten sei, auf den Dienstplan zu schauen, bejahte der Offizier. Umso irritierender sei das Verhalten des Unteroffiziers gewesen. Bis zum damaligen Zeitpunk habe er den 37-Jährigen als gewissenhaften, pflichtbewussten und loyalen Soldaten gekannt: „Ich weiß nicht, was ihn da geritten hat.“ Die Erstellung des Dienstplans durch die Unterführer sei nichts Außergewöhnliches und Alltag, sagte der Oberleutnant: „Hätte er mir was dazu gesagt, dann wäre alles gut gewesen und wir hätten eine Lösung gefunden.“

„Nicht so gut gelaufen“ 

So sah das auch der Vorsitzende Richter: „Das waren ja zwei Tage, die nicht so gut verlaufen sind für den Herrn Oberfeldwebel.“ Am Ende kam der Soldat zumindest vor dem Amtsgericht relativ glimpflich davon. Für die Befehlsverweigerung verurteilte ihn das Gericht zu einer Geldstrafe von 4500 Euro, welche aber zu Bewährung ausgesetzt wurde. Als Bewährungsauflage muss der 37-Jährige 1500 Euro an das Soldatenhilfswerk zahlen.

Auf seine berufliche Karriere hatte der Vorfall gravierendere Auswirkungen. Ihm wurde von der Bundeswehr nicht nur der Wechsel in die Berufssoldatenlaufbahn, sondern auch die Beförderung zum Hauptfeldwebel verwehrt. „Die Beförderungsurkunde war schon in der Kaserne“, sagte der Soldat bitter.

Von Matthias Haaß

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