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Schutz vor Omikron steht in Kritischer Infrastruktur oben an

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Von: Matthias Haaß

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Ein Schaufelbagger lädt Erde mit der Schaufel auf einen Kleintransporter.
Auch Hessen Mobil gehört zur Kritischen Infrastruktur: Um Kontakte unter den Mitarbeitern zu reduzieren, wird bei der Straßenmeisterei auf Arbeitszeitmodell mit versetztem Arbeitsbeginn gesetzt. © Matthias Haaß

Zum Wochenende stieg der Inzidenzwert im Schwalm-Eder-Kreis erstmals auf über 1000. Immer mehr Menschen sind an Corona erkrankt oder müssen in Quarantäne.

Schwalm-Eder – Das hat auch Auswirkungen auf Behörden, Betriebe und Unternehmen. Wenn ein Einzelhändler coronabedingt seinen Laden schließen muss, mag das für Betroffene und Kunden ärgerlich sein, ein Problem ist es erst mal nicht.

Anders sieht es bei Einrichtungen der sogenannten Kritischen Infrastruktur aus. Ein Ausfall in diesem Bereich kann Auswirkungen haben, die die gesamte Gesellschaft betreffen – insbesondere in den Bereichen Sicherheit, Mobilität und Versorgung.

Wenn der Rettungsdienst ausfällt, können Kranke und Verletzte nicht mehr in die Kliniken gefahren werden. Wenn die Feuerwehr in Quarantäne sitzt, kann bei Bränden nicht gelöscht werden.

Ende Dezember bat Ministerpräsident Volker Bouffier die Betreiber von Kritischer Infrastruktur in einem Brief um vorausschauende Planungen. Die Verbreitungsgeschwindigkeit der Omikron-Variante berge Risiken für die Versorgungssicherheit der Bevölkerung, so der Ministerpräsident. Auch Verwaltungen wie die des Landkreises zählen zur kritischen Infrastruktur.

Mit Wechseldienstzeiten und Homeoffice reduziere man beispielsweise Kontakte in der Verwaltung, auf diese Weise wolle man vermeiden, dass bei einer Infektion eine komplette Arbeitsgruppe ausfalle, erklärt Kreispressesprecher Stephan Bürger: „Sowohl Landrat Winfried Becker und Erster Kreisbeigeordneter Jürgen Kaufmann als auch die Führungskräfte versehen soweit möglich ihren Dienst in der Kreisverwaltung wechselseitig in Präsenz und im Homeoffice.“

Auch der Rettungsdienst im Landkreis stellt sich vor dem Hintergrund der sich auftürmenden Omikron-Wand dezentral auf. „Unser Ziel ist die Sicherstellung der Funktionsfähigkeit des Rettungsdienstes. Dazu gehört auch die Vermeidung von Kontakten des Rettungspersonals untereinander, in den größeren Rettungswachen mit mehr als einem Fahrzeug.“

Konkret bedeutet das, dass Rettungswagen aus Wachen mit mehr als zwei Einsatzfahrzeugen – wie zum Beispiel in Ziegenhain – auf Behelfswachen stationiert werden. Dadurch sei sichergestellt, dass sich die Teams nicht in einer Wache begegnen und untereinander anstecken, heißt es vom Kreispressesprecher.

Dramatische Folgen bei Ausfall

Laut einer Definition des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe handelt es sich bei Kritischen Infrastrukturen (KRITIS) um Organisationen oder Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen, bei denen auch kurzzeitiger Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden.

Kritische Infrastruktur und Corona: Jetzt greifen die Notfallpläne

Schwalm-Eder – Mobilität, Sicherheit und Versorgung sind elementare Bestandteile einer funktionierenden Gesellschaft. Bei Ausfällen – sei es technisch oder personell –droht Stillstand.

In vielen Fällen sind Einrichtungen und Organisationen der sogenannten Kritischen Infrastruktur miteinander verzahnt. Ein banales Beispiel: Wenn der Winterdienst die Straßen nicht räumt, kann der Rettungsdienst schlimmstenfalls nicht zum Hilfseinsatz ausrücken.

Wir haben uns exemplarisch einige Organisationen der Kritischen Infrastruktur vor dem Hintergrund der sich auftürmenden Omikron-Welle angeschaut und gefragt, wie die Vorbereitungen für den Ernstfall aussehen.

Zentrale Leitstelle

Für die Einsatzbearbeiter der Rettungsleitstelle des Schwalm-Eder-Kreises gelten seit Beginn der Corona-Pandemie besondere Hygienevorschriften.

Bei jedem Schichtwechsel werden die Arbeitsplätze gründlich desinfiziert, erklärt Kreispressesprecher Stephan Bürger: „Die Einsatzbearbeiter haben alle eine individuelle Arbeitsplatzausstattung, Tastatur, Maus und Headset sowie einen Bezug für den Leitwartenstuhl zur Verfügung.“

Ein Bild von einem Krankenwagen.
Damit der Rettungsdienst auch aktuell jederzeit einsatzbereit ist, sind die Wachen dezentral organisiert. Dadurch werden Kontakte unter den Mitarbeitern vermieden. © Matthias Haaß

Die Beschäftigten der Leitstelle sind laut Kreissprecher Stephan Bürger dreifach-geimpft und darüber hinaus verpflichtet, zweimal wöchentlich einen Testnachweis vorzulegen. Sollte die Dienstfähigkeit der Leitstelle nicht gesichert sein, die Verantwortlichen sprechen in dem Zusammenhang vom „Worst Case“, würde die Übernahme ihrer Aufgaben durch die Leitstelle Kassel erfolgen, so Bürger weiter: „In diesem Fall wäre eine vereinfachte Notalarmierung garantiert. Dabei werden alle Feuerwehren einer Gemeinde gleichzeitig alarmiert. Die georeferenzierte Alarmierung nach Qualifikationen müsste ausgesetzt werden.“

Feuerwehr

Da es in den Städten und Gemeinden des Schwalm-Eder-Kreises ausschließlich Freiwillige Feuerwehren gibt, ist die Struktur ohnehin schon dezentral.

Man profitiere vom seit Langem etablierten System der georeferenzierten Alarmierung nach Qualifikationen, sagt der Kreissprecher: „So kann das Leitstellensystem bei Ausfall von Einheiten selbstständig die nächstgelegenen erforderlichen Einsatzmittel identifizieren, diese werden dann alarmiert.“

Bislang sei es noch nicht erforderlich gewesen, eine ganze Feuerwehr zu schließen –weder im Landkreis, noch im Bereich des Regierungspräsidiums Kassel. Das teilt das Kreishaus mit und bezieht sich dabei auf eine Dienstbesprechung der Kreisbrandinspektoren des RP in Kassel.

Hessen Mobil

Dort, wo es geht, wird auch bei Hessen Mobil den Mitarbeitern mobiles Arbeiten ermöglicht. Im Straßen- und Betriebsdienst habe man ein Arbeitszeitmodell mit versetztem Arbeitsbeginn eingeführt, so ein Sprecher: „Das Ziel, dass die Dienstgruppen so möglichst wenig Überschneidungen haben und nicht in Kontakt kommen, hat sich seitdem bewährt.“ Auch bei Hessen Mobil gilt die 3-G-Regelung am Arbeitsplatz. Die coronabedingten Ausfälle seien überschaubar und bewegten sich im Rahmen, so der Sprecher weiter.

Polizei

Damit die Polizei kein größerer Personalausfall durch Corona trifft und die Handlungsfähigkeit sichergestellt ist, wurden mit Beginn der Pandemie die Schichtdienstmodelle überprüft und erforderlichenfalls angepasst.

„Diese Schichtmodelle stellen sicher, dass Dienstgruppen möglichst wenig Überschneidungen haben und nicht in Kontakt kommen“, so Pressesprecher Markus Brettschneider. Auch bei der Polizei gibt es – sofern dienstlich möglich – Homeoffice.

Zudem tragen nach Angaben des Pressesprechers physische Trennvorrichtungen in Großraumbüros und Funkstreifenwagen zu einer Reduzierung der Aerosolverteilung bei. Die Zahl der nachweislich mit dem Coronavirus infizierten Polizisten liegt laut Brettschneider zurzeit hessenweit im einstelligen Prozentbereich: „Die Personalausfälle im hiesigen Bereich (im Schwalm-Eder-Kreis, Anm.d. Red.) bewegen sich in dem hessenweiten Bereich. Notfallpläne mussten bisher nicht greifen.“

Bahn

Aktuell läuft der Betrieb ruhig und weitgehend reibungslos, so eine Bahnsprecherin: „Wir sind weiterhin vorbereitet, bei Bedarf die Betriebsabläufe anzupassen und bleiben in enger Abstimmung mit unseren Experten, sollte sich die Situation ändern.“

EAM

Die Versorgung der Kunden mit Strom- und Gas sei gesichert, so EAM-Sprecherin Sandra Hübner: „Vorteilhaft in puncto Versorgungssicherheit ist, dass wir über zwei redundant aufgebaute Netzleitstellen verfügen und somit die Teams unserer Schaltmeister komplett getrennt voneinander arbeiten können.“

Sollte sich die Situation verschärfen, sei man mit einem Notfallplan vorbereitet, der die stetige personelle Besetzung der Netzleitstelle ermöglicht und die Handlungsfähigkeit zur Beseitigung von Netzstörungen über den Rufbereitschaftsdienst sicherstelle, erklärt die Sprecherin.

Der Krisenstab der EAM kommt seit Beginn der Pandemie regelmäßig in digitalen Konferenzen zusammen.

Auch der regionale Energieversorger setzt nach eigenen Angaben auf Homeoffice. Man habe darüber hinaus eine 90-prozentige Impfquote, teilte Hübner mit: „Aktuell ist lediglich eine sehr geringe Zahl unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Quarantäne.“ (Matthias Haaß)

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