Robby pflegt den Rasen

Schwälmer Pflanzen: Für und Wider von Mährobotern

Mähen gut und für viele praktisch, schneiden in Sachen Umwelt und Sicherheit jedoch schlecht ab: Mähroboter. Auf dem Bild Jasmin Wagner mit einem der Geräte.
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Mähen gut und für viele praktisch, schneiden in Sachen Umwelt und Sicherheit jedoch schlecht ab: Mähroboter. Auf dem Bild Jasmin Wagner mit einem der Geräte.

Er ist kaum zu hören, dafür um so öfter zu sehen: Der Rasenroboter erobert die heimischen Gärten.

Schwalmstadt – Viele nennen ihn liebevoll „Robby“, und es klingt wie ein neuer Freund der Familie. Für andere ist er nur ein weiteres Gerät, das die Gartenarbeit erleichtern soll. Dabei schneiden sie in Sachen Umwelt nicht gut ab.

„Wer sich einen Mähroboter zulegt, will dadurch mehr Freizeit gewinnen“, sagt Fachhändler Michael Geisel in Niedergrenzebach. Die Frage selbst mähen mit dem Hand- oder Aufsitzmäher oder mähen lassen falle immer öfter zugunsten des vollautomatischen Mähers.

Dabei lassen sich die Kunden die persönliche Zeitersparnis einiges kosten: Von knapp 900 bis 4000 Euro, je nach Schnittbreite und Akkuleistung, geben Kunden in der Schwalm für die Staubsauger großen Geräte aus. Ob mit Zeitschaltuhr am Gerät oder per App – wann wo und mit welcher Schnitthöhe der Mähroboter den Rasen kürzen soll, können Gartenbesitzer festlegen, den Rest machen die Geräte mit Automatikmodus selbstständig – eingeteilt in Wochenarbeitszeit. Sein eigener Roboter, sagt Geisel, mähe beispielsweise seine 1800 Quadratmeter große Rasenfläche in 16 Wochenstunden. Dabei sind die Geräte nicht unumstritten.

„Mähroboter haben im privaten Garten eigentlich nichts verloren, denn sie schaden der Artenvielfalt und sind für zahlreiche Gartentiere eine große Gefahr“, mahnt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Hessen.

Die Geräte sparten Gartenbesitzern zwar Zeit, mit ihnen werde aber zu häufig gemäht. Artenreichtum, Wildkräuter und Blüten haben hier keine Chance. Mähroboter stellen zudem eine Gefahr für diese und andere Tiere wie Spinnen, Schmetterlingsraupen oder Eidechsen dar. Sie würden überrollt, verstümmelt und getötet.

Einen weitereren negativen Nebeneffekt sehen Naturschützer: Da das Gras häufig zu kurz gemäht werde, brauche der Rasen wesentlich mehr Wasser. Lässt man den Rasen jedoch etwas länger stehen, beschattet er sich selbst und trocknet nicht so aus. „Wasser und Bewässerung von Grünflächen wird in den kommenden Jahren ein zentrales Thema bei uns werden“, mahnt der Landesvorsitzende. Kurz getrimmte Rasen sind laut Nabu zu Zeiten der Klimakrise nicht zeitgemäß. Eppler: „Unser Trinkwasser ist zu kostbar, um zur unnötigen Rasensprengung verwendet zu werden.“

Beim aktuellen Mähroboter-Test von Stiftung Warentest schnitten sechs der acht getesteten Roboter in puncto mähen gut ab. Allerdings: Alle Geräte wiesen laut Testbericht Sicherheitsmängel auf. So erkannten die Mähroboter die ausgestreckten Hände von im Gras liegenden Kindern nicht als Hindernis oder fuhren sogar über die Füße von stehenden Test-Dummies.

Schwälmer Pflanzen: Gartentipp

Beim Mähen des Rasens sollte man darauf achten, immer nur einen Teilbereich zu mähen und dann nach etwa zwei Wochen den nächsten, raten Experten.

So haben die tierischen Gartenbewohner Zeit zwischen den Bereichen zu wechseln und es bleibe immer eine sichere Insel stehen.

Werden Grünflächen sogar lediglich ein oder zwei Mal im Jahr gekürzt, siedelten sich von alleine heimische Wildblumen an. Diese kämen häufig besser mit den trockenen Bedingungen im Sommer zurecht als Zuchtrasen.

Schwälmer Pflanzen: Saatmischungen

Als Rasen werden Grasflächen bezeichnet, die dank des regelmäßigen Mähens auf eine Höhe von ein bis zehn Zentimeter getrimmt werden.

Grünflächen, deren Bewuchs höher wächst, bezeichnet man als Wiesen. Rasen ist nicht immer gleich Rasen – die Qualität ist zwar nicht gesetzlich festgelegt, jedoch bieten sich sogenannte Saatmischungen für fast alle Lebens- und Nutzungsbereiche wie zum Beispiel Zierrasen, Gebrauchsrasen, Sportrasen,, Golfrasen, Parkplatzrasen und Landschaftsrasen.

Kaum Lebensraum

Die ökologische Bedeutung der in deutschen Gärten dominierenden englischen Rasen ist gering: In einem getrimmten Rasen kommen höchstens ein Dutzend Gräser auf einen Quadratmeter. Diese bieten den allermeisten Insekten und Tieren keinen Lebensraum. Zum Vergleich: Ein Quadratmeter einer blütenreichen Wiese hingegen kann bis zu 3 000 Pflanzen mit 60 Arten beherbergen, die einen wertvollen Lebensraum für zahlreiche Insekten bilden. 

(Kerstin Diehl)

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