Kein Leben ohne Bestäuber

Schwälmer Pflanzen: Heute ist Welttag der Bienen

Einsammeln von Pollen: Bienen sind für die Natur überlebensnotwendig. Doch ihr Lebensraum schwindet, unter anderem auch durch zahlreiche Steingärten an den Wohnhäusern.
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Einsammeln von Pollen: Bienen sind für die Natur überlebensnotwendig. Doch ihr Lebensraum schwindet, unter anderem auch durch zahlreiche Steingärten an den Wohnhäusern.

Am Welttag der Bienen haben es die Honiglieferanten in diesem Jahr doppelt schwer: die extreme Kälte der vergangenen Wochen hat den nützlichen Tieren zugesetzt und auch die Natur kommt nur langsam in Gang – bis zu vier Wochen verzögert, sagt Arno Bosshammer.

Schwalm – Gefragt nach seinem Wunsch anlässlich des heutigen Welttags der Bienen muss der Vorsitzende des Imkervereins Ziegenhain nicht lange nachdenken: „Dass die Hausbesitzer endlich ihre Steingärten aufgeben“, so der Frielendorfer. Bosshammer ist seit 2006 Vorsitzender des Vereins, 120 Mitglieder gehören ihm an.

Von Schwalmstadt bis Borken hat der 62-Jährige seine Bienenkästen stehen, 150 Völker insgesamt. Seit Jahren kämpft er gegen Schotterwüsten in Vorgärten an. Denn sie entziehen den nützlichen Tieren wichtigen Lebensraum und Nahrung. „Bienen brauchen auch viel Nektar, um ihre Brut zu ernähren“, so Bosshammer.

Dabei kann Bienen freundliches Gärtnern ganz einfach sein, wie ein Besuch im Fachhandel beweist. Ob in Dalchows Gärten in Treysa oder im Gartencenter in Ziegenhain und weiteren Fachgeschäften und Gärtnereien in der Region – überall gibt es Anregungen, wie in wenigen Schritten etwas für die wichtigen Insekten getan werden kann. Dabei können schon kleine Flächen großen Effekt haben – dank nektarreicher Blumen und Kräuter auf Balkon, Terrasse oder im frisch angelegten Gartenbeet. „Alternativen zu Steingärten gibt es genug“, sagt Sabrina Christ vom Gartencenter Meckelburg. Anspruchslose Stauden wie Storchschnabel, Katzenmine, Duftkerzen, Frauenmantel oder Lavendel, um nur einige zu nennen. Wichtig ist vor allem, dass die Gewächse zeitversetzt blühen. „Bei der Auswahl der Pflanzen sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht stark gefüllt sind“, rät Sabrina Christ. „Denn bei stark gefüllten Blüten schaffen Wildbienen es nicht, bis zu den Pollen und zum Nektar vorzudringen.“

Weltbienentag: Bienenfreundliche Pflanzen gibt es genug, und einige wie Islandmohn oder Ziersalbei blühen auch jetzt im Frühjahr schon, so Corinna Beckmann auf dem Bild links neben Brigitte Kellner und Lothar Nicolai.

Als gute Lieferanten für Nektar gelten Blühpflanzen wie die einjährige Fächerblume, die Schneeflockenblume, Kapuzinerkresse oder die Gewürztagetes. Stauden wie Buschmalven, Scheinsonnenhut und die Hohe Fetthenne machen sich auch im Kübel gut und müssen nicht jedes Jahr neu gepflanzt werden. Bei den Kräutern liefern vor allem Oregano, Melisse, Thymian und Küchensalbei Nahrung für die Insekten.

Und warum nicht auch mal ein Stück Rasen in eine Wildblumenwiese verwandeln? Das spart Zeit beim Mähen und unterstützt die Umwelt. Ob durch Pflanzen auf Balkon und im Garten oder durch das Aufstellen eines Bienenhotels als Lebens- und Rückzugsraum – jeder könne einen Beitrag leisten, damit es den Bienen besser geht, sagt Vereinsvorsitzender Bosshammer.

Da die Natur in diesem Frühjahr nicht richtig in Fahrt kommt, dürfte auch der Ertrag der Honigernte geringer ausfallen, so der Imker. Und er hat noch einen Wunsch: „Nachts kann es ruhig weiter regnen, aber tagsüber brauchen wir dringend Wärme, damit der Nektar fließt.“

Welttag der Bienen: Hobbyimkerei – Mehr Bienenvölker

Laut des Bieneninstitus Kirchhain (Marburg-Biedenkopf) hat die Zahl der Bienenvölker in Hessen in den letzten Jahren stetig zugenommen, was überwiegend auf die Hobbyimkerei zurückzuführen ist. Waren es 2010 knapp 48 000, wurden im vergangenen Jahr über 65 000 Völker eingewintert. Das sei erfreulich, doch gebe s auch vieles zu beachten, so Dr. Ralph Büchler, Leiter des Bieneninstituts Kirchhain beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH). Die höchsten Völkerverluste treten im Winter auf, Aus- und Fortbildung sei sehr wichtig. Der vom Bieneninstitut in engem Austausch mit heimischen Züchtern betriebene Selektion sei für den Erfolg der hessischen Imkerei von großer Bedeutung, so Büchler weiter.

Auch er unterstreicht die Bedeutung der Pflanzenauswahl in den Gärten und ein gestaffeltes Blühangebot.

Am heutigen 20. Mai bietet der LLH ab 18 Uhr die Möglichkeit, über seinen YouTube-Kanal (https://youtu.be/V-Bvt-PkE_w) genauer ins Bienenvolk zu schauen. Im Anschluss können Fragen an die Fachleute gestellt werden.

Lebensraum schwindet

Um an die Bedeutung der Biene für die Menschheit zu erinnern, haben die Vereinten Nationen im Jahr 2018 den 20. Mai als Weltbienentag ausgerufen. Das Datum geht auf Anton Janscha zurück, der am 20. Mai 1734 in Bresniza geboren wurde. Janscha war ein slowenischer Hofimkermeister von Maria Theresia in Wien. Er gilt als Erfinder der ersten Zargen in der Imkerei und war Rektor der weltweit ersten modernen Imkerei-Schule. Er ist Verfasser zahlreicher Bücher über Bienenzucht und Imkerei. Wildbienen sorgen in der Natur für die lebenswichtige Bestäubung von Pflanzen. Rund 80 Prozent unserer heimischen Wild- und Nutzpflanzen sind auf die Bestäubung der Bienen angewiesen. Sie sorgen für den Erhalt der Pflanzenvielfalt und somit auch für eine Lebensgrundlage von Menschen und Tieren. Doch fast jede zehnte Wildbienenart in Europa ist bedroht, denn ihre Lebensräume und Nahrungsquellen schwinden.

(Kerstin Diehl)

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