Drogen aus Holland transportiert

Fünf Jahre Haft für Dealer aus der Schwalm

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Zwei weitere Männer wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Fünf Jahre Haft: So lautet das Urteil für einen 37-jährigen Schwalmstädter vor dem Landgericht Marburg für die Einfuhr von einem halben Kilo Heroin und 50 Gramm Kokain.

Die Polizei schnappte auch zwei weitere Beteiligte, sie kamen mit Bewährungsstrafen davon. Der 37-Jährige wurde vom Gericht unter dem Vorsitz der stellvertretenden Landgerichtspräsidentin Beate Mengel als Haupttäter verurteilt. Er habe die Fahrt nach Holland am 22. und 23. November initiiert und organisiert, in Rotterdam auf eigene Rechnung 500 Gramm Heroin und 50 Gramm Kokain gekauft und diese nach Deutschland schaffen lassen, um sie dort in kleinen Portionen an Konsumenten weiter zu verkaufen (HNA berichtete).

Zudem sprachen gegen den 37-Jährigen seine zahlreichen Vorstrafen. Neben Drogenhandel war er mit vielfältigen Formen der Beschaffungskriminalität bereits als Jugendlicher straffällig geworden. Zuletzt wurde er 2017 zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe wegen gewerbsmäßigen Handelns mit Heroin verurteilt. Da die Bewährung bei seiner Verhaftung im November noch lief, wurde sie widerrufen und er ist seither in Haft.

Zweifel hatten Staatsanwalt und Gericht am Ende der Beweisaufnahme jedoch, dass es sich bei den Dreien um eine Bande gehandelt habe. Deshalb wurde dieser Vorwurf fallen gelassen.

Zu zwei Jahren Haft auf Bewährung sowie 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit wurde der 33-jährige Gladenbacher verurteilt, der für die Fahrt zwei Leihwagen gemietet hatte.

Der dritte Angeklagte, ein 47-jähriger Schwalmstädter, erhielt ein Jahr und acht Monate Bewährungsstrafe und ebenfalls 200 Arbeitsstunden.

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Die Anklage gegen die drei Männer ging davon aus, dass sie im Raum Schwalmstadt mindestens seit 2017 mit Drogen, vor allem Heroin und Kokain, in größeren Mengen gehandelt haben sollen. Erwischt wurden sie im November 2018 mit einem halben Kilo Heroin und 50 Gramm Kokain, die sie gerade aus Holland geholt hatten. Der 33 Jahre alte Mann aus Gladenbach hatte gestanden, dass es seit 2017 fünf bis sechs solcher Fahrten nach Rotterdam mit steigenden Drogenmengen gegeben habe. Die gestreckten Portionen zu je 0,3 Gramm wurden für 20 Euro verkauft. 

Das Gericht kam zu dem Schluss, dass der Gladenbacher sich nur der Beihilfe schuldig gemacht habe, er habe die Drogen in einem Fahrzeug nach Deutschland transportiert. Das Gericht hielt im zugute, dass er nicht vorbestraft ist und sofort bei seiner Verhaftung ein umfassendes Geständnis abgelegt hatte. Zudem habe er freiwillig Informationen gegeben, die Polizei und Staatsanwaltschaft nicht gehabt hätten und damit erheblich zur Aufklärung der Taten beigetragen. Er habe für die Fahrt nur eine geringe Gegenleistung erhalten. Ihm waren 30 Euro Drogenschulden erlassen worden. 

Zudem sei er seit der Verhaftung drogenfrei und habe den Entzug ohne Unterstützung eigenständig gemeistert, was zu einer positiven Prognose für sein weiteres Leben führe. Allerdings sei er für die Organisation der Beschaffungsfahrt als Mittäter zu bestrafen.

Erhebliches Vorstrafenregister

Der dritte Angeklagte, ein 47-jähriger Schwalmstädter, für den es ein Jahr und acht Monate zur Bewährung plus 200 Arbeitsstunden gab, hat sich nach Ansicht des Gerichts ebenfalls nur der Beihilfe schuldig gemacht. Er hatte den 37-jährigen Schwalmstädter, der keinen Führerschein hat, nach Rotterdam und nach der Abwicklung des Geschäfts wieder in die Schwalm gefahren, damit dieser nicht im selben Fahrzeug fahren musste, in dem die Drogen transportiert wurden. 

Er sei für den ursprünglich geplanten Fahrer eingesprungen. Allerdings hat auch er ein erhebliches Vorstrafenregister, das aber nichts mit Drogen zu tun habe. Im Wesentlichen handelt es sich um Strafen wegen Fahrens ohne Führerschein oder Versicherung, Unfallflucht und kleinerer Diebstähle. Der Fahrer sagte in seinem Schlusswort, er wolle sein Leben ändern und in ein Drogensubstitutionsprogramm aufgenommen werden. „So geht das nicht mehr weiter“, betonte er. 

Der schwer drogenabhängige Haupttäter kann nach Verbüßung der Hälfte seiner Strafe in eine Therapie gehen, so das Gericht. Das bei ihm gefundene Geld, insgesamt rund 37 000 Euro, zog das Gericht ein. „Dabei handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Drogengeld, jede andere Herkunft ist hoch unwahrscheinlich“, sagte Richterin Mengel. Verteidiger Sascha Marks hatte betont, dass das Geld ja nicht aus der verhandelten Tat stammen könne, nachdem die Polizei die beschafften Drogen beschlagnahmt hatte. 

Das Urteil gegen den 37-Jährigen ist noch nicht rechtskräftig. Die beiden anderen erklärten Rechtsmittelverzicht, dem schloss sich der Staatsanwalt an.

Von Martina Koelschtzky

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