Mieten im Landkreis steigen – Weniger Sozialwohnungen

Schwalm-Eder-Kreis: Wohnen kostet immer mehr

Genossenschaftliches Wohnen in Schwalmstadt: Die Wohnungs- und Siedlungsbaugenossenschaft investiert in die Immobilien.
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Genossenschaftliches Wohnen in Schwalmstadt: Die Wohnungs- und Siedlungsbaugenossenschaft investiert in die Immobilien. Das Foto entstand am Homberger Weg in Treysa.

Wohnen zur Miete entwickelt sich seit Jahren zu einem immer teurer werdenden Unterfangen. Besonders für Geringverdiener kann dies zu einer belastenden Herausforderung werden.

Schwalm-Eder – Auch im vermeintlich ländlich geprägten Schwalm-Eder-Kreis entwickeln sich die Mieten rasant nach oben. „Das Angebot an günstigen Wohnungen ist rar. Gerade Neuvermietungen werden genutzt, um Maximalmieten zu erzielen“, stellt Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, im Rahmen einer Wohnungsmarkt-Analyse für den Landkreis fest.

Die vom Jobcenter übernommene Miete für Single-Haushalte sei innerhalb von sechs Jahren um 41,6 Prozent gestiegen – nicht alle Preisanstiege seien aber für Wohnungssuchende nachvollziehbar. Mit einem neuen Qualitätssiegel will der Initiator daher für mehr Markttransparenz sorgen.

Dem steigenden Bedarf an günstigem Wohnraum steht eine schrumpfende Zahl an geförderten Mietwohnungen gegenüber. So gab es im Kreisgebiet zum Stichtag 31. Dezember 2010 2405 Wohneinheiten, neun Jahre später sank ihre Zahl auf 929 Wohnungen. Das teilte die Kreisverwaltung mit. Häufige Ursache sei, dass die errichteten Sozialwohnungen nach einer Verjährungsfrist aus der Mietpreisbindung fallen. Zudem würden Wohnungsbaugesellschaften vorzeitig Förderdarlehen zurückzahlen und so aus der Zweckbindung fallen.

Wohnungssuchende, die keinen Wohnberechtigungsschein besitzen und sich auf dem freien Wohnungsmarkt umsehen müssen, sehen sich seit Jahren explodierenden Mieten und wachsender Konkurrenz gegenüber. Das weiß auch Makler Winfried Schönwälder, „Ausschlaggebend für die Quadratmeterpreise ist einerseits natürlich die Lage der Wohnung, aber auch der Zustand.“ Am besten würden sich aus seiner Sicht Objekte vermarkten lassen, die um die 80 Quadratmeter groß sind und drei Zimmer haben. In den vergangenen Jahren sind die Mieten um bis 25 Prozent gestiegen. Das betreffe besonders begehrte Lagen in Ziegenhain oder Fritzlar. Eher weniger beliebt seien Homberg oder Treysa.

Wohnen im Landkreis kostet immer mehr: Leerstand soll nicht sein

Der Wohnungsmarkt im Schwalm-Eder-Kreis kennt in den vergangenen Jahren nur eine Entwicklung: steigende Mieten und das quasi in allen Lagen.

Dass diesem Trend nicht jeder Wohnungssuchende folgen kann, zeigt ein Blick auf die Personen, deren Jahreseinkommen nicht mehr für eine Wohnung des einfachen Standards ausreicht und in eine sozialgeförderte Wohnung beziehen dürfen. Zum Stichtag 1. November 2020 gab es 225 wohnungssuchende Haushalte im Schwalm-Eder-Kreis, die auf eine solche Unterstützung angewiesen waren. Das teilte die Kreisverwaltung mit. Dabei verteilen sich die Wohnungssuchenden auf insgesamt 13 Städte und Gemeinden im Kreis, die jeweils einen bis 61 wohnungssuchende Haushalte meldeten. Spitzenreiter ist Gudensberg (61), gefolgt von Borken (47), Homberg (28) und Fritzlar (24). Melsungen (14) und Schwalmstadt (15) verzeichneten deutlich weniger Haushalte.

Auch bei der Awo Schwalmstadt registrierten die Mitarbeiter in den vergangenen Jahren einenhohen Bedarf an bezahlbaren Wohnraum und Sozialwohnungen. So geht aus einer Anfrage bei der Stadt hervor, dass von 2016 bis 2017 durchschnittlich 140 Wohnungssuchende bei der Stadt Schwalmstadt bezüglich günstigen Wohnraums meldeten. Ihre Zahl sank 2019 auffällig auf zehn suchende Haushalte: Mögliche Gründe können nach Einschätzung der Awo sein, dass sich die Dokumentation und Meldung von Wohnungssuchenden an den Kreis verändert habe. So werden nun ausschließlich Personen mit einem Wohnberechtigungsschein erfasst. Zudem habe es 2019 fehlerhafte Informationen für Wohnungssuchende gegeben, die eine Registrierung erschwer haben könnten.

Auch in Schwalmstadt zeigt sich ein Trend, der mittlerweile bundesweit festgestellt werden kann: der Verkauf von Sozialwohnungen. Insgesamt wurden in Schwalmstadt 78 Wohneinheiten – ohne Gewähr auf Vollständigkeit – in den vergangenen zehn Jahren verkauft. Im Schwalm-Eder-Kreis gab es zum Stichtag 31. Dezember 2010 2405 Wohneinheiten, neun Jahre später sank ihre Zahl auf 929 Wohnungen.

Eine Alternative stellen Genossenschaftswohnungen dar: In Schwalmstadt hat die Wohnungs- und Siedlungsbaugenossenschaft (WSB) über 400 Wohnungen, die den Mitgliedern zur Verfügung stehen: „Unser Ziel ist es, Kosten für die Mieter möglichst gering zu halten“, sagt Heinz Schröder, Vorstandsmitglied der WSB. „Im Durchschnitt kosten bei uns Wohnungen etwa 3,80 Euro pro Quadratmeter.“

Die Warteliste für eine Wohnung ist lang. Allerdings gibt es jährlich viel Rotation in dem Wohnungsmarkt. Durchschnittlich gibt es etwa 50 Mieterwechsel in den Wohnungen. „Häufig spielt dabei ein Ortswechsel eine Rolle oder ein Umzug innerhalb unseres Wohnungsbestandes“, so Schröder. Der Erwerb eines Eigenheimes aber auch der Tod der Mieter oder der Umzug in eine Pflegeunterkunft wären weitere häufige Gründe. Es sei eine deutliche Zentralisierung auf die Kommunen im Speckgürtel zu den Mittelzentren spürbar. Dem gegenüber stehe in anderen Kommunen ein Wohnungsleerstand gegenüber.

Aus diesem Grund seien nach Angaben der Kreisverwaltung neue Nutzungskonzepte und flexiblere Gestaltung beim Denkmalschutz erforderlich, um Kommunen mit Leerstand für Wohnungssuchende attraktiver zu gestalten. Mit dem Förderprogramm „Stärkung der Ortskerne“ sollen daher die Nachteile einzelner Kommunen ausgeglichen und die Regionen vergleichbar attraktiver gemacht werden. (Felix Busjaeger)

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