Auf Einsatzabteilung ist Verlass

Schwalm: Wehren hoffen trotz Pandemie auf baldigen Übungsstart

Aufgrund der Corona-Pandemie ist praktische Feuerwehrausbildung nur sehr eingeschränkt möglich.
+
Aufgrund der Corona-Pandemie ist praktische Feuerwehrausbildung nur sehr eingeschränkt möglich. Unser Archivbild entstand beim Schaumseminar des Kreisfeuerwehrverbands.

Seit vergangenen Oktober befinden sich die Feuerwehren im Lockdown. Es kann nur noch sehr eingeschränkt geübt werden.

Schwalm – Ziel aller Beteiligten ist es, die Einsatzbereitschaft der Wehren nicht durch eine Corona-Infektion zu gefährden. Wir sprachen mit Markus Böse, dem Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbands (KFV) Ziegenhain, über die aktuelle Situation.

Ein Jahr Corona-Pandemie. Wie haben sich die Feuerwehren im Altkreis Ziegenhain bislang geschlagen?
Die Feuerwehren im Verbandsbereich haben, so wie alle Feuerwehren in Hessen, ihr Bestes gegeben. Trotz massiver Einschränkungen des Ausbildungsbetriebes und des völligen Stillstandes des „Vereinslebens“ oder der Kinder- und Jugendarbeit, stehen sie immer bereit, wenn es zum Ernstfall kommt.
Wirkt sich die Pandemie bereits negativ auf die Zahl der Feuerwehrangehörigen aus? Welche Entwicklung erwartet der KFV?
Die Pandemie wird sicher auch noch in der Zukunft Einfluss auf die Entwicklung des ehrenamtlichen Feuerwehrwesens haben. Das ganze Ausmaß ist derzeit noch nicht abschätzbar. Ein merklicher Rückgang der Aktivenzahlen ist allerdings bislang nicht absehbar oder zu erkennen.
Seit knapp einem halben Jahr findet in vielen Wehren kein praktischer Übungsdienst mehr statt. Hat das Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der Wehren?
Die Feuerwehren erfüllen nach wie vor ihren Auftrag ohne jegliche Kompromisse. Allerdings muss jedem klar sein, dass die fehlende Praxis unweigerlich zu Defiziten führen wird. Die Handlungssicherheit der zum Teil sehr komplexen Technik muss stetig trainiert werden – und das fehlt derzeit.
Gibt es Alternativen zum praktischen Übungsdienst?
Fast alle Feuerwehren bieten Onlineschulungen an, die auch sehr gut vorbereitet und gestaltet werden. Es ist unglaublich, welche Kreativität die Ehrenamtlichen dabei an den Tag legen. Ich möchte mich dafür auch sehr bei den Kameradinnen und Kameraden bedanken.
Können sich die Menschen im Altkreis also weiterhin auf Ihre Feuerwehren verlassen?
Die Menschen konnten und können sich auch in Zukunft immer auf ihre Feuerwehr verlassen, das wird sich nicht ändern.
Gerade der Aspekt Gemeinschaft ist bei Feuerwehren ein wichtiger Punkt. Leidet durch Corona die Kameradschaft? Geht der Kitt, der die Wehren zusammenhält, verloren?
Das ist sehr schmerzhaft und ich bin ja selbst betroffen. Auch mir fehlen das Miteinander und der persönliche Kontakt. Ich hoffe sehr, dass sich das sehr schnell wieder einpendelt und wir zu einem halbwegs normalen Alltag zurückkehren können.
Gibt es seitens des KFV bereits Überlegungen, wie der aufgelaufene Ausbildungsstau bei den Lehrgängen auf Kreisebene abgebaut werden kann? Reicht die Zahl der Kreisausbilder?
Es sollen zusätzliche Lehrgänge angeboten werden und auch Modelle zur zeitlichen Komprimierung von Lehrgängen sind bereits erstellt worden. Trotzdem wird es aufgrund der bestehenden Hygienekonzepte schwer, wieder in einen geregelten Lehrgangsbetrieb zurückzukehren. Wir wissen derzeit auch noch nicht, wann ein Lehrgangsbetrieb überhaupt wieder möglich ist. Die Menge der Ausbilder ist nicht das eigentliche Problem dabei. Es wird sicher noch lange dauern, bis der Ausbildungsstau abgearbeitet ist.
Nachwuchs: Noch kann der Kreisfeuerwehrverband nicht abschätzen, welche Auswirkungen die Pandemie auf die Jugendfeuerwehren haben wird. (Archivfoto)
Entwickeln sich die Jugend- und Kinderfeuerwehren durch die Pandemie zum Sorgenkind im KFV?
Kinder und Jugendliche bei der Stange zu halten obwohl keine Dienste mehr stattfinden, das ist eine der großen Herausforderungen dieser Situation. Ich kann es derzeit nicht abschätzen, hoffe aber natürlich sehr, dass uns nicht übermäßig viele Jugendliche verlassen werden.
Was ist mit der Feuerwehrmusik? Werden die Musikzüge die Pandemie überstehen?
Das hoffe ich sehr. Wir können stolz auf unsere wenigen verbliebenen Musikzüge im Kreisgebiet sein. Aber ich bin auch hier guter Hoffnung, dass man sich wieder zum Musizieren zusammenfinden wird, und dafür auch die Motivation findet – wenn es wieder Veranstaltungen der Feuerwehren gibt, die eine würdige musikalische Untermalung benötigen.
Was wünscht sich der KFV Ziegenhain für die Feuerwehren im Verbandsgebiet?
Das was ich allen Menschen wünsche. Das alle gesund und vor allem unbeschadet aus der Pandemie herauskommen und wir das Virus baldmöglichst in den Griff bekommen. Die Feuerwehren werden jedenfalls ihren Beitrag dazu leisten.

(Matthias Haaß)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.