Industriegebiet an der A49 nahe Flosrshain

Schwalmstädter haben Angst vor Flächenverlust

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Rund 100 Personen waren am Sonntagabend der Einladung der Florshainer Initiative gefolgt, um sich über die Planungen eines neuen Gewerbegebiet an der A49 zu informieren.

Die Stadt Schwalmstadt und die Grimm Heimat Nordhessen werben bereits unter dem Slogan „Industriepark AreA49“ für die Ansiedlung von Unternehmen, eine öffentliche Bürgerversammlung hierzu blieb jedoch bislang aus. Dabei ist das Informationsbedürfnis groß, dies wurde am Sonntagabend deutlich.

Betroffen vorallem Landwirte

„Zwischen Treysa und Florshain entstehen massive Quartiere an gewerblicher Nutzfläche“, so Jörg Haafke von der Initiative Schwalm ohne Autobahn. Betroffen davon sind vor allem Florshainer Landwirte, die mit erheblichem Verlust ihrer landwirtschaftlichen Nutzflächen konfrontiert werden. Ortslandwirt Hans-Wilhelm Rang: „Wir sind schon durch den Bau der A49 sehr stark betroffen, bei uns hat schon der Flächenverlust begonnen, als im Vorfeld der Autobahn die Umgehungsstraße gebaut worden ist.“

Felix LiesgegangGewerbegebietgegner

Die Florshainer Landwirte haben sich der vom Bauernverband gegründeten Initiative „Stoppt den Flächenfraß“ angeschlossen, denn Fälle wie in Florshain gibt es überall - rund 60 Hektar werden täglich versiegelt und entfallen der landwirtschaftlichen Nutzung. 

„Wir sind nicht bereit, über den Autobahnbau hinaus weitere Flächen für ein Gewerbegebiet zur Verfügung zu stellen“, so Rang. „Wenn die Stadt solch ein Gewerbegebiet plant, sollte sie als ersten Schritt die Eigentümer fragen, ob sie bereit sind, Flächen zur Verfügung zu stellen und erst dann weiter planen.“

Verlust von hervorragenden, für den Ackerbau geeigneten Flächen

Er verliere durch die Autobahn und das Gewerbegebiet 25 Prozent seiner Betriebsfläche, so Christoph Diebel, 38, Vater von zwei Kindern. Es seien hervorragende, für den Ackerbau geeignete Flächen. „Da hängt auch Tierhaltung dran.“ Zudem sei die von der Stadt eingeräumte Möglichkeit, zur Flächennutzungsplanänderung Stellung zu nehmen, sehr kurzfristig gewesen: „Es wurde über die Köpfe der Florshainer hinweg durchgeprügelt.“

Jörg HaafkeGewerbegebietgegner

Sorgen um die künftige Verkehrssituation machten sich Manfred Mötz und Renate Spanknebel aus Sicht der Anwohner. „Wir haben jetzt schon ein Problem, wegen des vielen Verkehrs mit unseren Fahrzeugen aus dem Hof zu kommen“, so die Treysaerin Renate Spanknebel, die in Wieraer Straße (Bundesstraße 454), wohnt.

Das Regierungspräsidium habe in seinem Gutachten bereits eine noch höhere Verkehrsbelastung der B 454 durch das neue Gewerbegebiet vorausgesagt, ergänzte Alexander Pöltl, der den Abend moderierte. „Wenn ich darüber nachdenke, was hier passiert - Greta Thunberg würde die Hände über dem Kopf zusammen schlagen“, sagte Manfred Mötz (Florshain).

Renate SpanknebelGewerbegebietgegnerin

Die betroffenen Flächen seien wertvolles Gebiet mit hoher Biodiversität, so Felix Liesegang , der auf die ökologischen Folgen durch die zunehmende Flächenversiegelung aufmerksam machte. „Wenn man vorhat, weitere Tier- und Pflanzenarten auszurotten, ist das Gewerbegebiet gut geeignet.“ Neue Gewerbeflächen seien überflüssig, so das Fazit der Initiative Schwalm ohne Autobahn. Haafke: „Die Stadt solle sich eher auf die vorhandenen örtlichen Verhältnisse konzentrieren und nicht auf die Schaffung eines Warenumschlagplatzes und eines Industriekomplexes vor den Toren der Stadt.“

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