Schwalmstadt

Drei Monate Haft wegen Körperverletzung für Sicherungsverwahrten

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Drei Monate Haft wegen Körperverletzung für Sicherungsverwahrten

Schwalmstadt. Gerichtstermine haben oft einen eigenen Charme. Die Vielfalt menschlicher Abgründe, Fehlverhalten oder einfach nur unglücklicher Zufälle – sie kommt in einem Prozess zutage.

Und manchmal erfährt man dabei auch etwas über das Leben hinter Gittern. „So eine JV-Abteilung ist kein Mädchenpensionat“, sagt der Angeklagte vor dem Strafgericht in Saal 101 des Amtsgerichts Schwalmstadt.

Acht Vorstrafen führten zu Leben hinter Gittern

Der 60-Jährige muss es wissen – 36 Jahre hat er in Haft verbracht, die vergangenen 15 in Sicherungsverwahrung. Einer, den man einen ganz schweren Jungen bezeichnen würde. 

Einer, der über sich selbst sagt, ein „authentischer Typ“ zu sein, der schon rein äußerlich dem Klischee entspricht, wie man sich einen Knacki vorstellt, für den lange Jahre der Hamburger Kiez das Zuhause war: Glatze, Schultern so breit wie ein Schrank, langer Spitzbart, türkisfarbener Lidschatten, tätowiert bis zum Hals, Reibeisenstimme.

Drei Monate Freiheitsstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung summieren sich zu seiner Haft, acht Vorstrafen haben bereits zu einem Leben hinter Gittern geführt. Das Amtsgericht sah es als erwiesen an, dass der 60-Jährige 2017 einen Mitgefangenen unvermittelt mit einem Faustschlag attackiert hat, sodass es zu einer blutenden Verletzung hinterm Ohr des Geschädigten kam. 

Der Insasse befindet sich selbst seit nunmehr 15 Jahren hinter Gittern. Er hatte schon zu Beginn des Verfahrens die Tat eingeräumt. Der Angeklagte, als fünftes Kind in der damaligen DDR geboren, wuchs nach dem frühen Tod beider Eltern in einem staatlichen Kinderheim auf. Er sei mit der Situation nicht klar gekommen, sagt er. 

JVA soll eigentlich Straftaten verhindern

In seinem Beruf als Landwirt arbeitete er nur 20 Monate, dann begann sein Lauf auf der schiefen Bahn, er rutschte immer mehr ins Milieu ab. Die JVA soll eigentlich Straftaten verhindern, das gelinge jedoch nicht immer, so die Richterin. 

„In der Sicherungsverwahrung herrschen besondere Verhältnisse, die dazu führen können, dass es Spannungen gibt“, so die Richterin. Eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren wären als Strafmaß möglich gewesen. Da der Angeklagte jedoch schon einschlägig vorbestraft war, sei eine Geldstrafe nicht mehr ausreichend, befand die Richterin. Positiv wirkte sich auf das Urteil aus, dass der Angeklagte die Tat frei zugegeben hat.

Eine zweite Anklage wegen vorsätzlicher Körperverletzung an einem weiteren Mithäftling in der Anstaltsküche aus dem Oktober 2017 wies er jedoch von sich. Sie soll in einer gesonderten Hauptverhandlung fortgeführt werden.

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