Naturtalent nicht zu stoppen

Ziegenhainer machte Karriere im Pferdesport

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Auf Pik Bube: Herbert Rehbein errang unzählige Siege und Auszeichnungen.

Herbert Rehbein unzählige Weltmeister und Teilnehmer an Olympischen Spielen und arbeitete im In- und Ausland.

Herbert Rehbein kam am Martinstag in der Ziegenhainer Festung zur Welt. Der Krieg war erst eineinhalb Jahre vorbei, 11. November 1946. Sein Geburtshaus stand in der Muhlystraße, aber er war nicht der erste berühmte Sohn der Stadt, der in diesem Haus das Licht der Welt erblickte.

Kein anderer als Velten Muhly selbst, nach dem auch die gleichnamige Straße benannt ist und der Kommandant der in 1539 gegründeten Bürgerwehr Ziegenhains war, tat Anfang des 16. Jahrhunderts dort seine ersten Schreie auf Erden.

Vorfahren waren Schuhmacher 

Rehbeins Vorfahren väterlicherseits waren Schuhmacher, auch Vater Karl hatte das Handwerk – wohl schweren Herzens – erlernt. Sein älterer Bruder Hans, der Werkstatt und Laden übernehmen sollte, verstarb mit nur 31 Jahren, und so gab Karl Rehbein seine Bürostelle in der „Strafanstalt“ auf und schulte um.

Viel Zeit zum Einarbeiten blieb ihm nicht, Opa Friedrich starb schon 1949. Seit Januar 1941 war Karl Rehbein mit Elisabeth Otto aus Oberaula verheiratet, Sohn Hans-Friedrich kam noch während des Krieges zur Welt. Tochter Erika brachte noch mal Leben in das alte Haus, als sie 1953 geboren wurde.

Herbert hatte behütete Jugend 

Der tierliebe Herbert verlebte eine behütete Jugend in der alten Festungsstadt und nach seiner Konfirmation 1961 wurde es langsam Zeit an seine Zukunft, sprich Lehrstelle und Beruf zu denken. Den Eltern schwebte eine solide Handwerksausbildung vor, aber schon früh hatte Herbert erkannt, dass das Paradies der Erde eher auf dem Rücken der Pferde liegt (ein Ausspruch von Friedrich von Bodenstedt) als in einer Schlosserwerkstatt.

Obwohl sich in der Familie Rehbein bis dahin niemand sonderlich für Pferde oder den Reitsport generell interessiert hatte, sah es in Ziegenhain selbst etwas anders aus. Als alte Festung der Kasseler Landgrafen beherrschten Pferde schon immer das Bild der Stadt. 

Zum 1737 eingerichteten Landesgestüt von Landgraf Friedrich von Hessen gehörten auch mehrere Deckstationen, eine davon existierte bis 2005 in Ziegenhain. Neben dem Gestüt besteht noch heute die unter Napoleon erbaute Exerzierhalle, in der bei schlechtem Wetter die französischen Offiziere ihre Pferde bewegen konnten.

Der Kreisreitverein besteht über 50 Jahre

Der Kreisreitverein der Schwalm wurde 1947 gegründet und in den ersten Jahren maßgeblich von Major a.D. Willi Lott geprägt.

Lott war es auch, der das erstaunliche Talent von Herbert Rehbein als einer der ersten erkannte und ihn früh förderte. Schon mit elf Jahren gewann Rehbein im Mai 1961 in Mengsberg seine erste Materialprüfung für schwere Pferde sowie in der Dressur Klasse A Abteilung B. Auch das Jagdspringen entschied er souverän für sich. In kürzester Zeit folgten noch mehrere andere Siege auf verschiedenen Turnieren in der Region.

Nun gestanden sich die Eltern ein, dass ihr Zweitgeborener ein Naturtalent besaß, das nicht zu stoppen war. Vater Karl brachte seinen Sohn selbst in den hohen Norden nach Flensburg zu Karl Diel, der dort die Flensburger Reit- und Fahrschule betrieb.

So begann der Aufstieg

So startete die Lehre Herbert Rehbeins als Bereiter, heute Pferdewirt, und sein Aufstieg in der Internationalen Turnierwelt. Nach Abschluss der Lehre begann Rehbein in Hamburg im Gestüt Greif von Karin Schlüter, die später mehrere Europa- und Weltmeisterschaften holte und in 1972 die Silbermedaille in Dressur bekam.

Inzwischen war Herbert Rehbein verheiratet, auf dem Gestüt Greif blieb er bis 1974, wechselte dann gemeinsam mit seiner Frau auf den Grönwohldhof in der Nähe von Hamburg in ein Ausbildungszentrum, wo er bis zu seinem Tod am 1. Juli 1997 arbeitete.

Insgesamt errang Rehberg, der einst schmächtige Junge aus der Festung, neun Derbysiege, siebenmal die Championship der Dressurausbilder bei deutschen Meisterschaften, mehrere Dressurausbilder Championate und verschiedene Grand Prix Plätze. 

Eine Vielzahl an Auszeichnungen

Er erhielt die Medaille des Hamburger Senats für sportliche Verdienste und die Ehrennadel in Gold des Reitvereins Hamburg und wurde 1991 vom Internationalen Dressur Trainer Club zum Trainer des Jahres gewählt und 1994 von der Deutschen Reitervereinigung, Fédération Équestre National, mit dem Titel Reitmeister ausgezeichnet. 

Rehbein trainierte unzählige Weltmeister und Teilnehmer an Olympischen Spielen und arbeitete im In- und Ausland. Seine Frau Karin gewann Bronze bei der Weltmeisterschaft 1994 in den Niederlande.

Auch das alte Haus steht seit ein paar Jahren nicht mehr in der Muhlystraße. Nach mehrfachem Besitzerwechsel kümmerte sich der letzte Eigentümer immer weniger um das historische Anwesen, es verfiel vor den Augen der Ziegenhainer, auch die Stadtverwaltung zeigte kein Interesse ein solch bedeutendes Bauwerk zu erhalten. 2015 wurde es abgerissen und ein neues Wohnhaus an seiner Stelle errichtet. 

VON SIMONE DE SANTIAGO RAMOS

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