Linien und Noppen weisen Blinden den Weg

Schwalmstadt: Leitsysteme auf Gehwegen sollen Orientierung bieten

Neues Blindenleitsystem in der Knüllstraße: Die Noppen in Niedergrenzebach lenken die Aufmerksamkeit des Blinden auf das Straßenschild, die Linien machen auf den Kaugummiautomaten aufmerksam.
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Neues Blindenleitsystem in der Knüllstraße: Die Noppen in Niedergrenzebach lenken die Aufmerksamkeit des Blinden auf das Straßenschild, die Linien machen auf den Kaugummiautomaten aufmerksam.

Schraffierte weiße Flächen auf neuen Gehwegen – manch einem Spaziergänger dürften sie in der Schwalm schon aufgefallen sein: Zu finden sind die Flächen auch auf den neuen Gehwegen in der Knüllstraße in Niedergrenzebach.

Schwalmstadt – Bei diesen weißen Feldern handele es sich um taktile Elemente, also Bodenleitsysteme, die eine Hilfe für seheingeschränkte Menschen bieten sollen, erklärt Alexander Inden, Baumamtsleiter der Stadt Schwalmstadt. Das bestätigt auch Imke Troltenier vom Deutschen Blindeninstitut in Marburg (Blista) auf HNA-Anfrage.

Die Blindenleitsysteme sind in ihrer Optik durchaus unterschiedlich: Sie können aus Linien, aber auch Punkten bestehen. „Die Linien sind sogenannte Leitstreifen und die Punkte – oder besser gesagt Noppen – sind Aufmerksamkeitsfelder“, erläutert Troltenier. Die Leitstreifen sollen Führung und Orientierung bieten und sind laut der Expertin meist bei Bahnsteigen, den Eingängen von Gebäuden oder an Treppen zu finden. Die Aufmerksamkeitsfelder hingegen weisen auf wichtige, potenziell gefährliche oder auch interessante Dinge hin: Das können Zebrastreifen, allgemein Überquerungsstellen, Haltestellen, Masten, Pflanzkübel, Sitzgelegenheiten, aber auch Fahrradständer sein. „Es ist einfach eine warnende Hilfe, um sich auf dem Gehweg zu orientieren“, sagt Troltenier.

Die Blindenleitsysteme sind allerdings nicht durchgängig in der Knüllstraße verbaut. Dafür gibt es laut der Expertin einen einfachen Grund: „Blinde müssen nicht ständig auf etwas hingewiesen werden, daher sind die Linien und Noppen wirklich nur bei Veränderungen auf dem Bürgersteig vorgesehen.“ Zur Orientierung auf dem Gehweg diene vor allem der Bordstein. Dort können Blinde mit dem Langstock ertasten, ob sie sich noch auf dem Gehweg befinden. Daher seien abgesenkte Bordsteinkanten ein Nachteil für seheingeschränkte Menschen, betont Troltenier.

Solch blindengerechte Gehwege sind laut Schwalmstadts Bauamtsleiter gesetzlich festgeschrieben. Das Behindertengleichstellungsgesetz regele die Barrierefreiheit auf öffentlichen Gehwegen. Berücksichtigt werde dabei der Leitfaden „Unbehinderte Mobilität“ von Hessen Mobil, eine Empfehlung für alle hessischen Kommunen. Die Umsetzung sei gängige Praxis und unter anderem auch Fördervoraussetzung, sagt Inden. Der blindengerechte Gehweg sei zudem mittlerweile Planungs- und Baustandard. In Schwalmstadt würde schon seit Jahren barrierefrei gebaut, beispielsweise in der Bahnhofstraße und der Zwalmstraße.

Auch in der Gemeinde Frielendorf gibt es blindengerechte Gehwege, bestätigt Bürgermeister Thorsten Vaupel, „im Ortsteil Großropperhausen in der Knüllstraße und in Verna in der Frankfurter Straße“. Es gebe allerdings keine Pflicht, die vorhandenen Gehwege barrierefrei umzubauen. „Bei Neubauten, insbesondere bei geförderten Bauvorhaben durch Hessen Mobil, gelten die Förderrichtlinien, die Barrierefreiheit vorschreiben“, merkt Vaupel an.

Die Stadt Neukirchen verfügt über blindengerechte Gehwege an der Ortsdurchfahrt in Asterode und im Lützelbachweg in Neukirchen, hier seien Umbauten vorgenommen worden, bestätigt Michael Slabon vom Bauamt. Auch hier orientiere man sich am Leitfaden. „Hinweise des Leitfadens werden aktuell zusammen mit Hessen Mobil im Zuge der Sanierung in den Ortsdurchfahrten Riebelsdorf und Rückershausen umgesetzt“, sagt Slabon. (Lea Beckmann)

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