Es stockt bei städtischen Projekten

Schwalmstadt liegt beim ADFC-Fahrradklimatest im vorderen Mittelfeld

Nachholbedarf bei der Fahrradfreundlichkeit: Das bescheinigt das Ergebnis des ADFC-Fahrradklimatests der Stadt Schwalmstadt. Auch ADFC-Sprecherin Susanne Klippert und der frühere Radverkehrsbeauftragte Ulrich Wüstenhagen sehen für Radprojekte noch jede Menge Luft nach oben.
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Nachholbedarf bei der Fahrradfreundlichkeit: Das bescheinigt das Ergebnis des ADFC-Fahrradklimatests der Stadt Schwalmstadt. Auch ADFC-Sprecherin Susanne Klippert und der frühere Radverkehrsbeauftragte Ulrich Wüstenhagen sehen für Radprojekte noch jede Menge Luft nach oben.

Zum neunten Mal fand der ADFC-Fahrradklimatest statt. Auch Schwalmstadt ist bewertet worden – von 418 Orten in Deutschland liegt die Stadt auf Rang 202 und damit im vorderen Mittelfeld.

Schwalmstadt – Die Stadt Schwalmstadt hat in Sachen Fahrradfreundlichkeit noch Nachholbedarf. Das zumindest sagen die aktuellen Bewertungen des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in seinem Fahrradklima-Test 2020. Schwalmstadt erreichte die Note 3,85. Bewertet wurde nach dem Schulsystem von Note 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend). Damit rückt die Kommune landesweit ins Mittelfeld der getesteten Städte unter 20 000 Einwohnern.

Gegenüber 2018 bedeutet das eine leichte Verbesserung (Rang 45 von 71, Gesamtnote 3,95). 96 Menschen aus dem Raum Schwalmstadt hatten im Herbst vergangenen Jahres an der bundesweiten Befragung teilgenommen. Stärken und Schwächen wurden in Schwalmstadt wohl zum Teil recht unterschiedlich beurteilt. Dies legt der Hinweis auf eine überdurchschnittlich hohe Streuung der Werte nahe, erläutert die ADFC- Ortsgruppe Schwalmstadt.

Schwalmstadt liegt beim ADFC-Fahrradklimatest im vorderen Mittelfeld

Hessenweit liegt Schwalmstadt mit Platz 22 von 57 Orten im mittleren Bereich: Immerhin schneidet die Kommune im südlichen Kreis deutlich besser ab als Kleinstädte Richtung Norden. Niedenstein landete auf Rang 49 und Fritzlar auf Rang 51. Ausnahme ist Gudensberg auf dem sechsten Platz. Die positivere Bewertung Gudensbergs komme nicht von ungefähr, weiß Ullrich Horstmann, Sprecher der ADFC-Gruppe Chattengau. Einmalig für die Region sei beispielsweise der beidseitige Radschutzstreifen am Schwimmbadweg zwischen Gudensberg und Maden. Außerdem gibt es in allen Stadtteilen einen Winterdienst – „das macht Radfahren zu allen Jahreszeiten sicherer“.

Befriedigende Noten gab es in Schwalmstadt für folgende Rubriken: In Schwalmstadt fahren Jung und Alt, Spaß und Stress wechseln sich ab, keine besonders großen Konflikte mit Fußgängern, Fahrraddiebstahl ist kein großes Thema und zügiges Radfahren ist zum Teil möglich. Auch die Öffnung einzelner Einbahnstraßen wird bereits positiv wahrgenommen. Die Erreichbarkeit des Stadtzentrums ist nach Angaben der Test-Teilnehmer teilweise vorhanden. Aber es gibt auch wahrgenommene Lücken in der Schwalm. So werden die Akzeptanz der Radfahrer, die Wegweisung und Oberflächen sowie Hindernisse auf Radwegen kritisch betrachtet, auch die Fahrradförderung in jüngster Zeit.

Mit ausreichend bis mangelhaft bewertet worden sind das Fahrrad- und Verkehrsklima, die fehlenden Falschparkerkontrollen und spezielle Ampelschaltungen. Den Stellenwert der Radfahrer schätzen die Befragten als gering ein. Es mangele zudem an der Sicherheit für Radfahrer auf Radwegen und Radfahrstreifen, an der Breite der Wege, Abstellanlagen und der Führung an Baustellen. Die Mitnahme von Rädern im Nahverkehr wurde ebenfalls kritisch gesehen.

Susanne Klippert, Sprecherin der ADFC-Ortsgruppe Schwalmstadt, stellt fest, dass das Testergebnis keine nennenswerten Änderungen gegenüber der vergangenen Auswertungen aufweise. „Trotzdem ist es sehr erstaunlich, dass Schwalmstadt auf Rang 22 von 57 liegt“, findet sie. Das habe sicherlich damit zu tun, dass zwei Fernwanderwege durch Schwalmstadt gingen, die im Prinzip gar nicht in die Bewertung einfließen dürften. Neue, stadteigene Projekte kämen aus ihrer Sicht nur schleppend voran. Das habe zum einen damit zu tun, dass der Neubau von Radverkehrsanlagen unmittelbar an die Erneuerung von Straßenprojekten geknüpft sei, zum anderen hänge es an fehlenden Fördermöglichkeiten.

Die Sprecherin kritisiert vor allem das mangelnde Engagement der Stadt: „Tatsächlich könnten viele kleine Projekte, etwa der Austausch der für den Radverkehr ungünstigen oder falschen Beschilderungen, sofort umgesetzt werden – aber dafür fehlt der Wille.“ Erst kürzlich hatte der Radverkehrsbeauftrage Ulrich Wüstenhagen unter anderem wegen Querelen um Radwege sein Amt niedergelegt.

Sonderprogramme von Bund und Land – ADFC kritisiert Umsetzung in den Städten 

Die ADFC Ortsgruppe Schwalmstadt fordert die Umsetzung der im Radverkehrskonzept formulierten Projekte mit hoher Priorität. Ein beschleunigter Ausbau des Radwegenetzes sei dringend erforderlich und sollte mit Fördermitteln des Bundes, des Landes oder des Landkreises zu leisten sein, heißt es in einer Presseerklärung. Der ADFC habe seinerzeit intensiv an dem Radverkehrskonzept des Büros VAR Plus mitgearbeitet und unterstütze die Verwaltung seither regelmäßig durch fachlich fundierte Hinweise, um Verbesserungen für die Radfahrenden in Schwalmstadt zu erzielen.

Sprecherin Susanne Klippert erläutert: „In Zeiten der Corona-Pandemie haben viele Menschen das Rad als Verkehrsmittel und Sportgerät für sich neu entdeckt – und wir wollen, dass sich auch die Neuaufsteiger auf dem Rad wohl und sicher fühlen.“ Leider sei das im südlichen Schwalm-Eder-Kreis nicht immer der Fall. Insgesamt werde dem Radverkehr ein zu geringer Stellenwert beigemessen. Teilweise ließe sich schon mit kleineren Projekten, wie etwa der Ergänzung der Wegweisung die Situation deutlich verbessern.

Andere wirksame Mittel seien die konsequente Ahndung von Falschparken auf Radwegen oder die konsequente Einführung von Tempo 30 abseits der Hauptrouten des Verkehrs. „Damit Menschen auch im ländlichen Raum gerne ihre Wege mit dem Rad zurücklegen, brauchen wir ein durchgängiges Netz an guten Radwegen zwischen den Stadt- und Ortsteilen und zu den Nachbargemeinden, aber auch sichere Wege innerorts an oder nahe der Durchgangsstraßen“, erklärt Klippert. Bund und Land hätten mit dem Sonderprogramm „Stadt und Land“ beziehungsweise dem Programm „Nahmobilität“ ausreichend Geld dafür zur Verfügung gestellt. (Sandra Rose)

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