Schwalm bei Treysa wird für 750.000 Euro renatutiert

Schwalmstadt: Naturschutz mit der Baggerschaufel

Die Schwalm im Hochwasserrückhaltebecken Treysa-Ziegenhain. Recht sieht man einen Teil des Schutzdamms.
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Die Schwalm wird aktuell im Hochwasserrückhaltebecken Treysa-Ziegenhain renaturiert.

Gleich an mehreren Stellen wird die Schwalm zurzeit aus ihrem künstlichen Bett befreit. Tier- und Pflanzenwelt sollen von der Renaturierung profitieren.

Treysa – Mit gut einjähriger Verspätung hat der Wasserverband Schwalm vor einigen Tagen die Restaurierungsarbeiten an der Schwalm im Hochwasserrückhaltebecken bei Treysa begonnen. In sechs bis sieben Wochen sollen die Arbeiten beendet sein. 750 000 Euro werden investiert.

Wer schon einmal privat gebaut hat, wird es kennen: Grund für die Verzögerung war das Wetter. Nach Abschluss der notwendigen Untersuchungen lag im vergangenen Herbst seitens des Regierunspräsidiums zwar die Genehmigung für die Renaturierung vor, die Witterung habe die Arbeiten dann aber verhindert, erklärt Betriebsleiter Peter Kugler: „Für solche Baumaßnahme steht uns immer nur ein relativ kurzes Zeitfenster zur Verfügung.“ Aus Naturschutzgründen darf frühestens im August mit den Arbeiten begonnen werden. Das passe zeitlich ganz gut, da man so die ausgebaggerte Erde, auf abgeerntete Felder in der näheren Umgebung aufbringen könne, sagt Kugler: „Im Spätherbst schließt sich das Zeitfenster in der Regel aufgrund der einsetzenden Niederschläge wieder.“ Da die schweren Baufahrzeuge tiefe Spuren hinterlassen würden, könne bei Regen auf einer solchen Erdbaustelle nicht gearbeitet werden, erklärt der Betriebsleiter: „Daher konnte die Baustelle auch vergangenes Jahr nicht wie zunächst geplant begonnen werden, da hatte das Wetter der Umsetzung der Maßnahme einen Strich durch die Rechnung gemacht.“

Nun ist es aber so weit, dass Wetter spielt mit und die Baumaschinen rollen. Mit einem Kettenbagger wurde der Oberboden an der Schwalm abgegraben, vier Schlepper fuhren das Material – angeschwemmter Schlamm aus 50 Jahren – mit Muldenkippern auf umliegende Felder.

Mit großen Traktoren und Muldekippern wird der Schlamm abgefahren.

Wenn es optimal läuft, können bis zu 1000 Kubikmeter Erde täglich bewegt werden. In die Schaufel seines Baggers würden rund eineinhalb Kubikmeter Erde passen, sagt Stefan Hahn.

Der 51-Jährige versteht sein Handwerk. Die mit der Renaturierung beauftragte Firma Beisheim aus Bebra, die viele Referenzprojekte in der Schaffung naturnaher Gewässer vorweisen kann, hat schon öfter an der Schwalm gearbeitet. Nachdem der Oberboden entfernt ist, geht es ans Modellieren. Der Fluss bekommt mehr Platz, sanfte Mulden entstehen. Für den Umbau nutz der Baumaschinenführer auch die in der Schwalm bislang verbauten Steine und Totholz. Das Gewässer bekommt Strukturen, der bislang kanalartige Charakter verschwindet.

Stefan Hahn versteht sein Handwerk. Mit seinem Bagger setzt er die Pläne um.

Die Schwalm müsse die Chance bekommen, sich selbst zu entwickeln, erklärt Hahn: „Wir machen das ja nicht für uns.“ Bei der naturnahen Flussgestaltung sei Stefan Hahn ein regelrechter Künstler, sagt Peter Kugler anerkennend: „Man muss mit Herzblut dabei sein.“

Aber nicht nur am Lauf der Schwalm wird gearbeitet, auch am Damm im Bereich Kaufland wurde die Oberschicht auf 700 Metern abgetragen.

Hochwasserschutz: Auf 700 Meter wird der Damm gegenüber dem Kaufland abgeflacht. Dadurch wird er stabiler gegen Wellenauflauf.

Man nutze die Gunst der Stunde und verbessere gleichzeitig auch den Hochwasserschutz, erklärt der Betriebsleiter des Wasserverbands: „Ein Teil der anfallenden Bodenmassen werden auch für die Verstärkung des Dammes verwendet.“ Der Schutzbau wird etwas abgeflacht, damit Wellen ihn nicht beschädigen können

Von Matthias Haaß

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