Juristische Schritte gegen Baumfällung 

Hochwasserschutz in Schwalmstadt: Paar soll Bäume im Garten abholzen

Peter Kugler, Betriebsleiter

Schwalmstadt. Ein Schreiben des Regierungspräsidiums Kassel hat die Stimmung im Garten von Manfred und Irene Link erschüttert. Sie sollen bis März ihre Sträucher und Bäume fällen.

Fassungslos zeigen die beiden Ziegenhainer den Behördenbrief aus Kassel.  Das komme einer kalten Enteignung gleich, schimpft der 62-Jährige: „Unser grünes Wohnzimmer geht verloren.“

Irene und Manfred Link wollen ihr grünes Wohnzimmer nicht aufgeben. Viele ihrer Bäume und Sträucher stehen am Deichfuß und sollen gefällt werden.

Bäume und Sträucher an und auf Dämmen und Deichen verboten

Als Grund für diese Maßnahmen führt das Regierungspräsidium den Hochwasserschutz an. Das Grundstück von Manfred und Irene Link befindet sich nämlich nicht irgendwo in Schwalmstadt, sondern liegt direkt am Fuß des Damm des von 1969 bis 1972 erbauten Hochwasserrückhaltebeckens. 

Und genau das ist das Problem: Laut Hessischem Wasserschutzgesetz sind Bäume und Sträucher an und auf Dämmen und Deichen verboten.

Aus der Vorgabe des Gesetzgebers folge, dass Bäume und Sträucher am Deich und in einem Streifen von fünf Meter beiderseits des Deichfußes zu entfernen seien, erklärt der Betriebsleiter des Wasserverbands Schwalm, Peter Kugler.

Der Wasserverband betreibt die rund zehn Kilometer lange Hochwasserschutzanlage zwischen Treysa und Ziegenhain und ist für die Funktionsfähigkeit und Sicherheit verantwortlich.

Hochwasserschutz hat Vorrang gegenüber Einzelinteressen

Er könne den Unmut der Anlieger nachvollziehen, zeigt Kugler Verständnis, sagt aber auch, dass der Hochwasserschutz gegenüber Einzelinteressen Vorrang haben muss: „Die jüngsten Unwetter zeigen, wie schnell Hochwasser kommen kann und welche Schäden entstehen können.“

Bepflanzungen auf und an Deichen gefährden die Sicherheit erheblich, erklärt der Diplomingenieur weiter: „Die Wurzeln dringen in den Dammkörper ein und bilden Sickerwege. Zudem besteht die Gefahr, dass die Bäume samt Wurzelteller bei Sturm umgerissen werden und den Damm schwächen.“ Bei vielen Dammbrüchen – zum Beispiel 2013 in Fischbeck (Sachsen Anhalt) – sei Bewuchs für das Versagen der Konstruktion mitverantwortlich gewesen, weiß der Fachmann. 

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Dazu kommt – und das ist im Becken Treysa-Ziegenhain laut Wasserverband das größte Problem – dass entlang des luftseitigen Deichfußes eine Sickerwasserleitung liegt, die den Deich bei Einstau entwässern soll. Wurzeln suchen sich solche Sickerleitungen regelrecht und verstopfen diese. 

Der Damm durchnässt und die Statik ist gefährdet.

Problematisch ist auch die schlechte Kontrollierbarkeit bewachsener Dämme. Gegenmaßnahmen der Deichverteidigung könnten möglicherweise viel zu spät und nur unter schwierigen Bedingungen ergriffen werden, warnt Peter Kugler.

Peter Kugler, Betriebsleiter

Juristische Schritte gegen Baumfällung

Für Manfred Link sind die Argumente Kuglers nicht stichhaltig. Der Damm sei auch mit Bäumen stabil, meint der Rentner und beruft sich auf Informationen aus dem Internet: „Das ist Humbug, dass der Damm bricht. Früher standen auf dem Damm ganze Baumgruppen.“

Ehefrau Irene ergänzt, dass man erst mal nachweisen müsse, dass die in ihrem Garten gepflanzten Flachwurzler den Damm überhaupt beschädigen. Sie wünsche sich eine Einzelfallbetrachtung, so die 60-Jährige.

Um die Baumfällung zu verhindern, schließen Links juristische Schritte nicht aus. Auch die Gründung einer Bürgerinitiative ist eine Option. Manfred Link will für seinen Garten kämpfen: „Man hat ja sonst keine Lebensqualität mehr.“

VON MATTHIAS HAASS

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