Neue Regionalgruppe will sich wehren

"Wir fühlen uns abgezockt": Sorge um zu hohe Krankenkassen-Beiträge für Rentner

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Heinrich Richardt (68) aus Wahlshausen und Ernst Liebich (63) aus Breitenbach wollen kämpfen: für eine faire Rente. 

Heinrich Richardt (68) aus Wahlshausen und Ernst Liebich (63) aus Breitenbach wollen kämpfen: für eine faire Rente. 

Sie sind Mitglieder im Verein der Direkversicherungsgeschädigten, in wenigen Wochen soll auf ihre Initiative eine Regionalgruppe Nord- und Osthessen gegründet werden. Der Grund: „Wir fühlen uns abgezockt und von der Politik allein gelassen“, sagen die Rentner.

Seit 1. Januar 2004 müssen alle gesetzlich krankenversicherten Bezieher von Betriebsrenten und Direktversicherungen den allgemeinen – also Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil – entrichten. Seinerzeit wurde das Gesetz geändert, weil die Krankenkassen hohe Defizite hatten. Vormals war ein ermäßigter Beitragssatz fällig. 

„Damit verdoppeln sich die Krankenversicherungsbeiträge, denn wir müssen beide Anteile und die Pflegeversicherung als Rentner noch einmal für die ausgezahlten Beträge der Altersvorsorge übernehmen“, erklärt Richardt. Wie viele Rentner in der Region davon betroffen sein könnten, vermag Richardt nicht abzuschätzen. Laut Verein sind im Bundesgebiet 20 Millionen betroffen.

Ernst Liebich, Rentner aus Breitenbach

In der Vergangenheit hätten Rentner immer wieder gegen das Vorgehen geklagt, berichtet der Wahlshäuser. „Jedoch sind alle Klagen abschlägig beschieden worden.“ Ende 2015 taten sich dann viele Betroffene zusammen und gründeten den Verein. 

Auch Ernst Liebich, der wie Heinrich Richardt ebenfalls Genossenschaftsbänker war, von seinem früheren Kollegen von den hohen Krankenkassenbeiträgen erfuhr, konnte er es kaum glauben: „Ich war zunächst kritisch, aber er hat recht behalten.“ Liebich fühlt sich von der Politik betrogen: „Wir wurden allesamt aufgefordert, eigenverantwortlich fürs Alter vorzusorgen“, sagt der 63-Jährige. Aktuell hätten sich rund 3000 Menschen in 30 Regionalgruppen zusammen geschlossen. 

Heinrich Richardt, Rentner aus Wahlshausen

Offenbar mit erstem Erfolg: „Immerhin diskutieren die Politiker jetzt über Entlastungen für Betroffene“, erläutert Heinrich Richardt. Über das sehr umfassende Thema wollen Richardt, Liebich und weitere Betroffene demnächst umfassend informieren. Geplant ist eine Info-Veranstaltung in Kirchheim, in der es um Erfahrungsberichte, die Problematik von Betriebsrenten und Direktversicherungen gehen soll. Das Angebot richtet sich an alle Interessierten, eine Mitgliedschaft im Verein ist nicht nötig. Der Eintritt ist frei. 

Infoveranstaltung amSamstag, 24. August, 10 Uhr, im Seeparkhotel Kirchheim, Anmeldung an seepark-kirchheim@dvg-ev.org mit Namen und Wohnort.

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