Schwalmstadt: Studien zu gewaltiger Geländeanschüttung und Touristenattraktion laufen

Stadt plant Wohnmobile an der Dammkrone

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Unter dem Arbeitstitel "Augenweide" soll laut Bürgermeister Stefan Pinhard im Rückhaltebecken zwischen Treysa und Ziegenhain ein Projekt für Einheimische und Tagesausflügler enstehen. Unser Archivbild von 2015 zeigt das Hochwasserrückhaltebecken im gefluteten Zusstand. 

Die Zuhörer spitzten sehr interessiert die Ohren, denn zum ersten Mal stellte Bürgermeister Stefan Pinhard dem Stadtparlament, den Zuhörern der öffentlichen Sitzung und mit ihnen den örtlichen Medien Projekte vor, die – wenn sie denn realisiert werden sollten – eine erhebliche Tragweite entwickeln würden. 

Er berichtete, dass in der Abteilung Stadtmarketing mit ihrem Leiter Achim Nehrenberg Pläne für einen Wohnmobilpark entwickelt werden. Dazu soll in Ziegenhain zwischen Steinweg und Damm/Segelflugplatz mit Boden aus dem A-49-Bau Gelände bis zur Deichkrone aufgeschüttet werden. 50 Mobilparzellen sowie Infrastruktur sollen als Touristenmagnet entstehen. 

Nicht sehr konkret scheint hingegen ein Vorhaben im Rückhaltebecken zwischen Ziegenhain und Treysa zu sein, Arbeitstitel „Augenweide“. Zielgruppe seien Tagesausflügler und Einheimische. Pinhard meint, dass sich die zunächst negative Einstellung der Genehmigungsbehörden drehen könnte. In dem oft gefluteten Bereich befinden sich empfindliche Lebensraum-Schutzgebiete. Zu beiden Projekten laufen Potenzialstudien, die zu 75 Prozent gefördert würden.

Die womöglich ausführlichste Beantwortung einer Eingabe durch den Bürgermeister erfolgte auf schriftliche Anfrage der Linken. Diese wollte die Maßnahmen des Stadtmanagers Achim Nehrenberg dargestellt haben, der seit Juni 2018 im Amt ist und das Schwalmstadt-Marketing als Stabschef führt. Die Linken sind der Ansicht es könne nicht sein, dass „die Medien die Informationspflicht übernehmen“, die Menschen müssten mitgenommen werden auf dem Weg.

In der Beantwortung ordnete Pinhard zudem diverse Schritte in der Stadtentwicklung als Leistung dem Stadtmanagement zu, so die Entwicklung des A-49-Gewerbegebietes („Vorüberlegungen, Recherchen, Kontakte“), es gebe dort das Interesse zum Bau einer Wasserstofftankstelle. 

Pinhard listete außerdem diese Initiativen auf: Konfirmationsstadt, Aus Grau mach Bunt, Entdecke Schwalmstadt, Beschilderung Harthberg, Ausbau des Kulturangebots, Repräsentationsaufgaben und Leerstandsbeseitigung. Und: Schwalmstadts Bekanntheit könnte auch durch Rotkäppchen-Ampeln gesteigert werden nach dem Vorbild der Bad Nauheimer Elvis-Presley-Männchen an den Lichtzeichen für Fußgänger.

Wie er im Grundsatz über Transparenz denkt, legte der Verwaltungschef in seiner Nachtragsetat-Rede dar. So gehöre die die Entwicklung des Gewerbegebiets durch Magistrat und Verwaltung keinesfalls in die Medien. Pinhard: „Es ist unglaublich viel entwickelt worden, die Stimmungsmache ärgert mich.“ Anstatt sich an einzelnen Themen „festzubeißen“, sollten parallel Entwicklungen vorangetrieben werden, findet der Bürgermeister.

Kommentar zu den Projekten in Schwalmstadt

Anne Quehl

Bürgermeister Stefan Pinhard lässt die Maske darüber fallen, was er von Transparenz hält – sehr wenig. Durch heftige Presseschelte stellt er klar, dass er investigative Berichterstattung nicht wünscht, die störe nur. 

Dieser Überdruck entlud sich auf Anfrage der Linken-Fraktion, immerhin ist die Öffentlichkeit erfreut, erstmals Spruchreifes über verblüffende Vorhaben zu erfahren, die bisher nur per Hörensagen umhergeistern. 

Ein wenig nebulös zwar und für das Dafürhalten vieler Schwalmstädter wenig aussichtsreich, aber immerhin. Pinhard, von dem man gleichermaßen Unerschütterlichkeit wie Handlungslähmung annehmen könnte, hat sich dabei als Gegner der Pressefreiheit gezeigt. 

Eigenartiges Selbstverständnis

Vieles scheint für den Parteilosen einfach nur unbotmäßige Einmischung zu sein, hinderlich und ungehörig. Berichte aus dem Magistrat sind ohnehin seine Sache nicht, die unter den Bürgermeistern Kröll und Näser üblichen Routine-informationen nach den montäglichen Sitzungen hat Pinhard übrigens erst gar nicht erst begonnen. 

Der Stadtchef, der für mehr Bürgernähe antrat, hat wohl etwas ganz falsch verstanden, Stichwort Informations-, Meinungsbildungs- und Kontrollfunktion der freien Presse. Wer flüstert ihm sowas eigentlich ein?

von Anne Quehl

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