Die Schwalm wurde seine Heimat

Schwalmstadts früherer Bürgermeister Wilhelm Kröll (75) ist gestorben

Wilhelm Kröll steht mit seiner Ehefrau Margaretha im Garten des Eigenheims in Treysa.
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Nach 18 Jahren als Bürgermeister von Schwalmstadt ging Wilhelm Kröll, hier mit Ehefrau Margaretha im Garten des Eigenheims in Treysa, im Jahr 2012 in den Ruhestand. (Archivfoto)

18 Jahre war er der Bürgermeister von Schwalmstadt - Jetzt ist Wilhelm Kröll im Alter von 75 Jahren gestorben.

Schwalmstadt – Von Südhessen in die Schwalm – das mag sich mancher als Kulturschock vorstellen. Für Wilhelm Kröll war es ein Glücksfall. Trist und grau war er zwar, der Tag des Antrittsbesuches des Bürgermeisterkandidaten im November 1993 und auch später schien über dem Amt nicht immer die Sonne, aber Wilhelm Kröll blieb – 18 Jahre lang lenkte er die Geschicke der größten Stadt im Schwalm-Eder-Kreis. Jetzt ist er mit 75 Jahren gestorben.

Der Büdinger, der 50 Jahre Mitglied der SPD war, kam aus einfachen Verhältnissen, wuchs mit vier Geschwistern auf und begann nach der Volksschule eine Lehre in einem Rechtsanwaltsbüro. Als er sich um das Amt des Schwalmstädter Bürgermeisters bewarb, war Kröll hauptamtlicher Stadtrat und hatte sich in seiner Heimat vergeblich um den Bürgermeisterposten beworben.

„Den Zirkus mach ich nicht noch mal mit“, soll er gesagt haben, als er vorgeschlagen wurde. Kaum gewählt, stand 1995 mit dem Hessentag die erste Bewährungsprobe für Kröll auf der Agenda. Wegbegleiterin Christel Gerstmann erinnert sich: „Er hat so getan, als hätte er so einen Hessentag schon zehn Mal durchgezogen.“ Den Schwälmern soll er gesagt haben: „Die Suppe haben wir uns eingebrockt, die müssen wir jetzt auslöffeln.“

Kröll galt als fröhlich und offen, konnte aber auch hart und äußerst lebhaft um Entscheidungen ringen. „Er hat immer klar seine Meinung gesagt – damit ist er auch angeeckt. Aber er konnte auch schlichten und sich belehren lassen“, sagt Ehefrau Margaretha. Sie war es, die ihrem Mann „grünes Licht“ für die Bewerbung in Schwalmstadt gab. Nur Tochter Cathrin, damals 14 Jahre, sei der Umzug in die Schwalm schwer gefallen.

18 Jahre als Bürgermeister: Es gab auch Kontroversen

Was Schwalmstadts Infrastruktur angeht, hat Kröll an mancher Stellschraube gedreht, sich etwa für das Krankenhaus, die Osttangente stark gemacht. Sowohl das Treysaer als auch das Ziegenhainer Rathaus wurden umfassend saniert. Wenig hingegen konnte Kröll, der in seiner Freizeit gern Tennis spielte und Rad fuhr, der Idee eines Radweges auf der früheren Bahntrasse abgewinnen.

Klare Position bezog er beim Ziegenhainer Freibad – er setzte sich für ein neues Edelstahlbecken ein. Kontroversen gab es in seiner dritten Amtszeit um den Wieragrund und die geplante Schwalmgalerie. „Das hat ihn Nerven gekostet“, sagt Margaretha Kröll. Die Freigabe der Wieragrundstraße 2012 war eine seiner letzten Amtshandlungen.

Das Einkaufszentrum konnte damals nach Bauverzögerungen und Grundstücksquerelen nicht eröffnet werden. Als er in Ruhestand ging, sagte Kröll: „Es gab in meiner Amtszeit auch Rückschläge, manches hätte man nicht gebraucht.“

Christel Gerstmann beschreibt Kröll als herzlich, gründlich und gewissenhaft. Vor allem als nicht nachtragend: „Wir haben auch mal einige Zeit nicht miteinander geredet – wir waren nicht immer einer Meinung.“ Seine Meinung vertrat Kröll bisweilen vehement, unterstrich sie mit Gesten. Das Stillsitzen fiel ihm schwer – das weiß jeder, der ihm begegnet ist.

Ehefrau Margaretha galt als Ruhepol für den „quirligen Wilhelm“, den Gerstmann als „Ästheten“ charakterisiert. Anzug, Tennis- und gestärktes Oberhemd blieben Wilhelm Krölls Kragenweite, der in seiner Freizeit gern auch die Gärtnerschürze trug, im Garten werkelte, das eigene Sauerkraut einlegte. Zum Ruhestand hatte er sich gewünscht, noch eine Weile gesund zu bleiben. Das war ihm nur acht Jahre vergönnt.

Die Trauerfeier findet am Montag, 3. August, 14 Uhr, an der Totenkirche in Treysa statt, Gäste werden gebeten, auf dem Haaße-Hügel zu parken. (Sandra Rose)

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