"Stolz auf ältestes Lebensmittelgesetz der Welt"

Schwalmstädter Brauerei feiert 500. Geburtstag des Reinheitsgebots

+
Eckhard Haaß im Sudhaus, dem Herzen der Brauerei. Noch heute dürfen keine künstlichen Aromen, Farbstoffe oder Stabilisatoren verwendet werden, auch keine Enzyme, Emulgatoren oder Konservierungsstoffe.

Schwalmstadt. In Deutschland darf ein Bier nur Bier genannt werden, wenn es nach dem Reinheitsgebot gebraut wurde. „Ich bin ein starker Verfechter davon, dass das so bleibt“, sagt Eckhard Haaß.

Von mancher Kritik, die Entfaltungsmöglichkeit der Braumeister sei einschränkt, hält er nichts, und auch auf Verbandsebene haben sich die deutschen Brauer für den Erhalt des Gebots stark gemacht. Dabei handelt es sich um keine EU-Regel, sondern um ein Gebot für in Deutschland gebraute Biere, die in Deutschland verkauft werden. Anders produzierte Biere dürfen hier verkauft werden.

„Wir sind stolz darauf, das älteste Lebensmittelgesetz der Welt zu haben“, so der Diplom-Braumeister, der die Privatbrauerei in der vierten Generation führt. Es zeige, dass man trotz begrenzter Anzahl an Zutaten ganz unterschiedliche Biere produzieren könne. Seinen exzellenten Ruf weltweit verdanke das deutsche Bier nicht zuletzt dem Reinheitsgebot. „Der einzige Haken ist der Alkoholgehalt beim Bier“, räumt Haaß ein. Beim Pils liegt der in der Regel unter fünf Prozent.

Das Reinheitsgebot für Bier ziehe keine „nennenswerten wirtschaftlichen Nachteile“ nach sich, so Haaß, „die Vorteile überwiegen“. So werde ein hochwertiges Produkt ohne den Zusatz von Chemie hergestellt. Dabei verlaufe das Bierbrauen noch nach dem gleichen Prinzip wie vor 500 Jahren, nur technisch und hygienisch haben sich die Arbeitsprozesse geändert.

Geschmack, Alkoholgehalt und Farbe des Bieres hängen von der Menge und der Zusammensetzung der verwandten Rohstoffe ab: Von der Menge an Malz ( je mehr Malz, desto mehr Zucker, desto mehr Alkohol entsteht), ob milder oder herberer Hopfen sowie von dem Getreide, das zum Brauen verwandt werden: Ob Gerste, Weizen, Dinkel oder Roggen, wobei die Brauerei Haaß nur auf den Gerstensaft setzt.

Vier Biersorten braut die Brauerei Haaß mit einer Jahresproduktion von insgesamt 700.000 Litern selbst: Den Mammutanteil macht das Schwalmbräu Pils aus sowie das 2012 eingeführte Haaßebier, ein Exportbier. Außerdem gibt es ein dunkles Bockbier im Winter und ein dunkles Landbier im Sommer.

„Dies sind komplett unterschiedliche Biere“, so Haaß. Alle vier Wochen werden 25 Tonnen Malz - ein Lkw voll - geliefert. Im Sudhaus wird das Gerstenmalz mit Wasser vermaischt, Stärke wird mit Hilfe von Enzymen aus dem Malz in Malzzucker umgewandelt. Diese zuckerhaltige Würze wird im Gärkeller mit Bierhefe (gezüchtete Hefezellen) vergoren. Es entsteht das so genannte Jungbräu, das dann im Lagertank noch weiter reifen muss, bevor es je nach Bierart nach zwei bis fünf Wochen abgefüllt werden kann.

Bis vor rund hundert Jahren waren alle Biere naturtrüb, da man noch keine Bierfilter kannte. In der Regel werden die Biere heute mit Hilfe von Kieselgur filtriert.

Brauereihoffest

Anlässlich 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot hat die Privatbrauerei Haaß ein neues Glas im schlanken Design mit Inschrift auflegen lassen, das beim Hoffest auf dem Brauereigelände am Samstag, 23. April, ausgegeben wird. Das Fest beginnt um 14 Uhr, für Livemusik sorgen die Original Schwalmtaler. (zkd)

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.