Er soll das Sicherheitsempfinden erhöhen

Schwalmstädter Polizist zum Anfassen: Bei Kindern beliebt

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Termin am Klettergerüst in Ziegenhain: Zum Aufgabengebiet des Schutzmanns vor Ort gehört auch der Kontakt mit Kindergärten. Hier spricht Hartmut Hoos mit Erzieherin Simone Haaß.

Schwalmstadt. Seit Jahren gibt es in Hessen den sogenannten Schutzmann vor Ort. Obwohl 2004 eingeführt, ist das Konzept im Kreis weitgehend unbekannt. Hartmut Hoos ist einer von ihnen.

Hartmut Hoos ist einer von vier Schutzmännern vor Ort im Schwalm-Eder-Kreis. Seit 2005 arbeitet der Polizeioberkommissar neben seiner normalen Diensttätigkeit als Ermittlungsgruppenbeamter zusätzlich in dieser Funktion und ist für sechs Kommunen zuständig.

Wir haben dem Polizisten für ein paar Stunden über die Schulter geschaut und sind mit ihm über die Dörfer im Altkreis Ziegenhain gefahren. Schnell wird dabei klar – ohne Auto wäre die Arbeit gar nicht möglich. Regelmäßige Fußstreifen durch die vielen kleinen Orte sind für Hoos im Grunde nicht leistbar – der vom hessischen Innenministerium angepriesene enge Kontakt zum Bürger gestaltet sich so natürlich schwierig.

Hartmut Hoos versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Er verstehe sich mehr als Kontaktbeamter und Ansprechpartner zu den Verwaltungen und Bürgermeistern, so der 57-Jährige. Ziel der Dienstfahrt ist daher meistens auch das Rathaus.

Hartmut Hoos kennt die Menschen

Vieles könne man auf dem kleinen Dienstweg erledigen, freut sich Schrecksbachs Bürgermeister Andreas Schultheis: „Wir besprechen uns regelmäßig.“

Es sei gut, dass der Hartmut Hoos aus der Schwalm komme und die Menschen kenne, ist auch Willingshausens Bürgermeister Heinrich Vesper überzeugt: „Da weiß man wohin man sich wenden soll.“

Die Wahl sei 2005 wohl auf ihn gefallen, weil er damals einen Diensthund gehabt habe, erinnert sich der 57-Jährige schmunzelnd. Dies habe gut gepasst, da er als Schutzmann vor Ort unter anderem in Kindergärten gehe und auch Besuche von Kindergartengruppen in der Polizeidienststelle organisiert, erzählt Hoos: „Ich nehm den Kindern so die Angst vor dem Schutzmann.“

Die Kinder winken eifrig

Eine Aufgabe, die auch für Leiter der Polizeidienststelle Schwalmstadt Robert Wilke einen hohen Stellenwert besitzt, wie er im Pressegespräch betont: „Ich bin überzeugt, das gehört dazu. Keine Frage, Hartmut Hoos ist dafür auch ohne Hund der richtige Mann. Selbst wenn der Polizeioberkommissar mit dem Streifenwagen nur an einem Kindergarten vorbei fährt, stehen die Mädchen und Jungen am Zaun und winken eifrig – man kennt sich.

Betritt der Schwalmstädter Polizist einen Kindergarten, dann ist er in kürzester Zeit von Kindern umringt, welche neugierig Fragen stellen und alles ganz genau wissen wollen. Die Schulanfängerbeauftragte des Kindergartens im Steinweg Ziegenhain, Simone Haaß, ist für den 57-Jährigen voll des Lobes: „Ich finde ihn genial und habe schon etwas Angst, dass er in Rente geht. Er kommt bei den Kindern fantastisch an.“

Schutzmann vor Ort soll Sicherheitsempfinden steigern

Seit Jahren gibt es in Hessen den sogenannten Schutzmann vor Ort (SvO), zunächst Kontaktbereichsbeamter genannt. Obwohl 2004 hessenweit und damit auch im Schwalm-Eder-Kreis eingeführt, ist das Konzept im Kreis weitgehend unbekannt. Für Irritationen sorgte in dem Zusammenhang jüngst ein Schreiben von Innenminister Peter Beuth an die Stadt Schwalmstadt, in dem er den Schutzmann vor Ort als wichtiges Element des Sicherheitskonzepts hervorhob. Der Begriff sei irreführend, kritisierten Kommunalpolitiker hinter vorgehaltener Hand. 

Im Landkreis leisten vier Beamte, darunter eine Frau, Dienst in dieser Funktion, informiert Markus Brettschneider von der Pressestelle der Polizeidirektion Schwalm-Eder: „Bei jeder Polizeistation ist ein SvO vorhanden.“ 

Gemäß der Arbeitbeschreibung des Ministeriums soll der Schutzmann vor Ort durch die „uniformierte und kommunikative Präsenz“ in der Öffentlichkeit das Sicherheitsempfinden in der Bevölkerung steigern. Die Kontaktpflege erfolge dabei möglichst als Fuß-, Fahrrad- oder Inlinerstreife, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums auf Anfrage: „Der Schutzmann vor Ort erzielt als persönlicher Polizist einen erhöhten Bekanntheits- und Erreichbarkeitsgrad.“ Zumindest im Schwalm-Eder-Kreis wird der SvO von den Polizisten im Nebenamt zusätzlich zum normalen Dienstgeschäft übernommen. 

Die Beamten betreuen eine große Fläche. Im Bereich der Polizeidienststelle Schwalmstadt ist Polizeioberkommissar Hartmut Hoos beispielsweise für sechs Kommunen zuständig. Da es in Schwalmstadt selber eine Polizeistation gebe, sei der SvO mehr für die umliegenden Gemeinden gedacht, erklärt Dienststellenleiter Robert Wilke. 

Das Hessische Innenministerium ist von dem SvO-Konzept überzeugt. Der Schutzmann vor Ort sei ein hessisches Erfolgskonzept, welches sich bewährt habe und weiter ausgebaut werde.

Hintergrund: Schulwegsicherung bis Anzeigenaufnahme

Aktuell gibt es in Hessen 112 Schutzmänner und Schutzfrauen vor Ort. Sie sollen unter anderem Sachverhalte überprüfen, bei der Verkehrssicherung und bei der Anzeigen- und Tatortaufnahme tätig sein. 

Auch Öffentlichkeitsarbeit, Schulwegsicherung und die Aufnahme von einfachen Verkehrsunfällen zählt zum Aufgabengebiet. Nach Angaben des Hessischen Innenministeriums soll der SvO im Rahmen des Kommunalprogrammsicherheitssiegels (KOMPASS) ebenfalls zum Einsatz kommen.

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