Kein Impftermin in Sicht

Schwalmstädter stellt Vergabepraxis infrage

Symbolbild wie jemand gegen das Corona-Virus geimpft wird.
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Die Impfaktion im Asklepios-Bildungszentrum zog Menschenmassen an. (Symbolbild)

Wer an den zurückliegenden Dienstagen zwischen Ziegenhain und Ascherode unterwegs war, konnte es nicht übersehen: Die Impfaktionen im Asklepios-Bildungszentrum, das in einem rückwärtigen Rohde-Gebäude untergebracht ist, zog Menschenmassen an.

Schwalmstadt – Nachdem die HNA über das Engagement von Asklepios berichtet hatte, glühten die Drähte, so viele Leute hätten gern einen Impftermin gehabt.„Wir wurden förmlich überrannnt“, so eine Asklepios-Sprecherin am Montag gegenüber der HNA.

Auch Stefan Gsänger aus Schwalmstadt hatte den Bericht gelesen, der 45-Jährige meldete sich als mit Stufe 3 Priorisierter sofort am Samstagmorgen an. Doch wie Hunderte andere kam er nicht zum Zug. Am Mittwoch erhielt er eine Absage.

Er müsse aus gesundheitlichen Gründen mit einem schweren Verlauf bei einer Covid-19-Erkrankung rechnen, und wegen seiner Vorerkrankung komme Astrazeneca für ihn leider nicht infrage, berichtete Gsänger im HNA-Gespräch. Es erschließe sich ihm nicht, nach welchen Kriterien Impfwillige einen Termin bekommen hätten, „ich möchte Antworten haben und habe auch bei Asklepios offiziell angefragt“. Er habe von mehreren Personen erfahren, die seiner Kenntnis nach keine Priorisierung hätten. „Das hat nichts mit Impfneid zu tun“, unterstreicht Gsänger, „ich finde aber die Priorisierung sinnvoll und an die muss man sich auch halten“. Es bringe einen schon auf, wenn da Menschen mit der Dringlichkeit 2 oder auch 3 einfach nirgends drankommen. Damit habe er nun auch verschiedene Politiker aus dem Wahlkreis konfroniert: „Ich möchte eine Erklärung.“

Dafür, dass bald jegliche Priorisierung komplett gestrichen werden könnte, hat Gsänger dabei überhaupt kein Verständnis. Wer ein erhöhtes Risiko hat, müsse doch unbedingt vorrangig geimpft werden, ist seine Meinung. Allein in der Gruppe der über 60-Jährigen sind das in Hessen noch sehr viele Menschen. Sie befinden sich jetzt in einer Gruppe mit Millionen weiteren, zum Beispiel Personen in systemrelevanten Jobs.

Eine Asklepios-Sprecherin teilte auf HNA-Anfrage mit, dass auch sie selbstverständlich der Stiko-Priorisierung (Ständigen Impfkommision) Folge zu leisten haben, „welches wir auch streng vornehmen“. Weiter heißt es: „Mit den Impfaktionen über das Asklepios-MVZ Schwalm-Eder und die Praxis Hesselbarth tragen wir zur einem wesentlichen Teil dazu bei, die Impfquote der Priorisierungsgruppen voranzutreiben.“ Nach der Berichterstattung am vergangenen Wochenende hätten sich dann mehr als 1000 Personen zusätzlich zu den bereits auf der Warteliste vorhandenen Personen gemeldet.

Wie die HNA am Dienstag meldete, ist es derzeit sinnlos, bei Asklepios nach Impfterminen anzufragen, zumal man dort kommende Woche nur noch ein Fünftel des bestellten Impfstoffes erwartet. Für die kommenden drei Wochen seien alle Termine vergeben, danach würden die Zweitimpfungen durchgeführt. Falls es Ende Juni wieder die Möglichkeit gebe, werde dies gesondert bekanntgegeben, vorläufig solle man bitte nicht mehr anrufen oder mailen.

Anfang Mai hatte Asklepios das Angebot gestartet und jede Woche rund 860 Impfdosen des Vakzins von Biontech verimpft, Impfstoff, der den Fachärzten im MVZ und der Praxis von Dr. Hesselbarth zugeteilt wurde. Die Idee dahinter: Die größtmögliche Menge an Impfdosen für die hiesigen Patienten zu erhalten. (Anne Quehl)

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