Viele Fälle im südlichen Schwalm-Eder-Kreis

Schwalmstädterin machte Covid-19 durch

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So wurde auch der Rachenabstrich der jungen Schwälmerin genommen, in einer mobilen Corona-Abstrichstelle. Wo sie ist, wird nicht öffentlich gema cht. 

Im südlichen Landkreis rund um Schwalmstadt haben sich bislang schon besonders viele Menschen mit dem Corona infiziert. Eine junge Frau aus Schwalmstadt berichtet vom Ihrer ERkrankung.  

Im südlichen Landkreis rund um Schwalmstadt haben sich bislang schon besonders viele Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Wir sprachen mit einer jungen Frau aus Schwalmstadt, wie es zu ihrer Ansteckung kam und wie sie die Erkrankung erlebt hat.

Sie sind eine junge Schwälmerin, 21 Jahre alt, und hatten nachgewiesenermaßen Covid-19, die Erkrankung, die durch das neuartige Coronavirus hervorgerufen wird. 

Wie geht es Ihnen heute?

Ich bin wieder ganz gesund, aber noch in Quarantäne.

Wissen Sie, wann und bei wem Sie sich infiziert haben?

Ja, das war beim Treysaer Kneipenfest. Ich habe mich wohl im Gespräch bei einem Bekannten angesteckt. Der hatte an dem Samstagabend, dem 7. März, noch keine Symptome, in der Woche darauf dann aber. Er war an dem Samstag zusammen mit anderen aus dem Skiurlaub in Ischgl zurückgekommen. Es waren einige von den Rückkehrern an dem Abend in Treysa unterwegs.

Wann haben Sie denn erfahren, dass Ihr Bekannter positiv getestet wurde?

Sein Testergebnis stand erst am Freitag, 13. März, fest. An dem Tag hatte ich dann auch die ersten Symptome: Schnupfen, aber der war irgendwie anders, auch Kurzatmigkeit und Druck auf der Lunge. Am Samstag war das dann noch schlimmer, aber so richtig Atemprobleme habe ich nicht bekommen.

Was haben Sie dann unternommen?

Ich hatte mich sofort selbst isoliert, hatte mit niemandem mehr Kontakt. Es war aber an dem Samstag nicht möglich, irgendwen telefonisch zu erreichen, weder einen Arzt noch das Gesundheitsamt oder den Ärztlichen Bereitschaftsdienst. Da habe ich es schon ein bisschen mit der Angst gekriegt und mich hilflos gefühlt. Ich bin dann selbst mit dem Auto zum Ziegenhainer Krankenhaus gefahren, da gab es eine Notfallklingel. Eine Schwester mit Atemschutzmaske kam heraus und überreichte mir einen Zettel, da stand eine Telefonnummer drauf sowie die Öffnungszeiten und die Adresse der Teststelle, wo ich dann am Montag hinfahren könne.

Da war es aber erst Samstag, wie haben Sie denn das Wochenende überstanden?

Ich habe mich ruhig verhalten, viel geschlafen. Am Montag war ich schon fast symptomfrei, ab 8 Uhr habe ich versucht, die Teststelle telefonisch zu erreichen. Beim Gesundheitsamt hieß es zuerst, ich müsste zur Uniklinik Marburg fahren, aber dann war ich an diesem Montag, 16. März, eine der ersten, die dort an der Teststelle des Landkreises getestet wurde. Es ist ein Drive-In, ein Zelt vor einem Container. Ein Rachenabstrich wurde gemacht, es waren zwei Personen in voller Schutzmontur da. Ich brauchte dann nur meine Krankenkassenkarte, die haben auch nachgefragt, wie es mir geht, aber ich konnte ja schon allein mit dem Auto hinfahren.

Wie lange hat es mit dem Ergebnis gedauert?

Nur bis Dienstagmittag. Ich hatte schon sehr das Bauchgefühl gehabt, dass ich positiv war. Ich hatte ja auch bemerkt, dass ich nicht riechen und schmecken konnte, bevor ich überhaupt wusste, dass das Symptome sind. Deshalb war es mir schon klar gewesen.

Was passierte dann?

Ich habe alle Leute angegeben, mit denen ich Kontakt gehabt hatte. Ich hatte in der Zeit auch einen Tag Dienst gehabt, ich arbeite in einem sozialen Beruf. Alle Kollegen und Klienten wurden unter Quarantäne gestellt. Meine eigene Quarantäne endet am morgigen Sonntag, aber dann gibt es nochmal ein Gespräch mit jemandem vom Gesundheitsamt. Ob ich nochmal einen Test machen muss, bevor ich wieder arbeiten darf, weiß ich noch nicht. Die Kommunikation mit dem Gesundheitsamt war gut.

Hat sich denn im Endeffekt jemand bei Ihnen angesteckt?

Ja, ein Bekannter. Aber ich hatte durchaus viele Menschen getroffen in der fraglichen Zeit, bis auf den einen Bekannten hat es offenbar niemand bekommen.

War es sehr schlimm für Sie, als Sie Covid-19 dann hatten?

Ich habe versucht, mich nicht so verrückt zu machen, auf meinen Körper gehört. Es ist anders als ein normaler Infekt, aber für mich war es auszuhalten. Ich gehöre keiner Risikogruppe an und habe versucht, Ruhe zu bewahren.

Wie denken Sie heute darüber, dass man die Touristen in Ischgl lange Zeit ahnungslos ließ?

Ich habe darüber mehrere Artikel gelesen und muss schon sagen, dass man das dort unter den Teppich gekehrt hat, das war natürlich überhaupt nicht in Ordnung. Die Rückkehrer aus Ischgl hatten keine Ahnung gehabt, dass sie das Virus mitbringen könnten, keiner in Österreich hatte sie gewarnt.

Derjenige, bei dem Sie sich angesteckt hatten, konnte also überhaupt nichts machen?

Genau, die Ischgl-Rückkehrer hatten ja alle einfach gar nichts gewusst von dem schweren Virusausbruch dort.

Ich habe es jetzt zwar gut hinter mir und gehöre ja auch zu keiner Risikogruppe, aber nun mache ich mir natürlich Sorgen um meine Freunde und Angehörigen.

Hintergrund: Coronavirus gehäuft im Raum Schwalmstadt

Im Raum Schwalmstadt sind nach HNA-Informationen weit überproportional viele Menschen an Covid-19 erkrankt oder auch schon wieder genesen. Wie der Kreis schon am 15. März mitteilte, wurde als Ursache ausgemacht, dass die Infektionskette auf Rückkehrer aus dem österreichischen Skigebiet Ischgl zurückzuverfolgen ist. 

Die Virusverbreitung geschah offenbar gehäuft auf dem Kneipenfest in Treysa am Samstag, dem 7. März – dem Tag, als die Ischglgruppe in die Schwalm zurückgekehrt war. 

Verschiedene Medien berichten inzwischen, dass die Staatsanwaltschaft Innsbruck die Ermittlungen zur Ausbreitung des Virus in Ischgl aufgenommen hat. Die Behörde gehe dem Verdacht nach, dass ein Gastronomiebetrieb Ende Februar einen positiven Test einer Mitarbeiterin nicht gemeldet habe. In der ersten Märzwoche könnten sich deutsche Touristen infiziert haben, die heimkehrten noch bevor in Ischgl die erste Infektion eingeräumt wurde. 

Der deutsche Barmann einer beliebten Ski-Bar wurde dann am 7. März positiv auf das Coronavirus getestet. 

Die HNA fragte im Vorfeld des Treysaer Kneipenfests beim Veranstalter an. Am 28. Februar stand in der Schwälmer Allgemeinen: „Veranstalter Thomas Schmidt, der am 7. März das Treysaer Kneipenfest organisiert, trägt sich bislang nicht mit Absage-Plänen. Bis es Konkretes gebe, das den Schwalm-Eder-Kreis betreffe, sollte man nach Angaben des Veranstalters einen kühlen Kopf bewahren, weder hysterisch noch panisch werden. Im Auge behalten werde er die Lage aber schon. Beim Fest in den Kneipen im Bereich der Treysaer Oberstadt wechseln hunderte Besucher bei einmaligem Eintritt von Lokal zu Lokal.“ 

Die Besucher zeigten sich an dem Abend des Kneipenfests unbeschwert, war dann am 9. März in der HNA zu lesen. Inzwischen ist klar, dass es so wenige Tage vor dem Herunterfahren des öffentlichen Lebens auf keinen Fall hätte stattfinden dürfen.

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