Fleischerhandwerk muss mehr zahlen

Schweinefleisch: Marktbalance wird im Schwalm-Eder-Kreis zum Problem

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Rote Wurst ist überall gefragt: Vorne zu sehen Fleischermeister Johannes Bechtel und Obermeister Fritz Kästel von der Fleischerei Kohl-Kramer in Trockenerfurth mit einer amerikanischen Besuchergruppe.  

Für Schweine muss das Fleischerhandwerk seit Kurzem über 30 Prozent mehr zahlen. Wir haben Fragen und Antworten, was das für die Verbraucher bedeutet und wie es jetzt weitergeht.

Wird die Ahle Worscht jetzt teurer?

„Bei der Herstellung der Ahlen Worscht werden vor allem schwere Schweine verwendet, bei denen zusätzlich noch von den Landwirten ohnehin Preiszuschläge verlangt werden. 

Diese haben auch aus Qualitätssicht ihre Berechtigung“, so Obermeister Fritz Kästel. „Eine original nach Handwerkstradition hergestellte Ahle Worscht kostet inzwischen, je nach Abtrocknung, zwischen 20 und 35 Euro pro Kilo.“

Drohen weitere Preisanhebungen?

Ja, durchaus. Durch die Problematik in China gerät die Balance zwischen Angebot und Nachfrage außer Kontrolle. „Wir produzieren zwar mehr Fleisch als wir selbst benötigen, aber das Angebot sinkt durch das Abnehmen der Zuchtbetriebe immer weiter. 

Die Nachfrage steigt wiederum, das wird auf kurz oder lang wieder zu Preissteigerungen führen“, sagt Fleischermeister Johannes Bechtel aus Zella.

Welche Rolle spielt der Schwalm-Eder-Kreis für die Erzeugung von Schweinefleisch?

Der Schwalm-Eder-Kreis ist der schweinereichste Kreis in ganz Hessen. „Wir zum Beispiel beziehen unsere Schweine alle aus der Region, zu 10 Prozent aus Schrecksbach und zu 90 Prozent aus Willingshausen“, erklärt Bechtel. Er unterstreicht, dass die kurzen Transportstrecken besser sind für Tier und Umwelt. 

„Mir ist es wichtig zu wissen, woher das Fleisch kommt, das wir verarbeiten. Ich hole das Fleisch direkt beim Erzeuger ab, bringe es zu der Firma Helwig zur Schlachtung und verarbeite es weiter in Zella. Ich weiß daher ganz genau, was bei mir in der Kühltheke liegt.“

Wird die regionale Erzeugung jetzt ansteigen?

Das Fleischerhandwerk bedauert, dass immer mehr kleinere Landwirte den EU-Richtlinien nicht mehr gerecht würden und den Betrieb einstellen. Trotz der steigenden Schweinefleischpreise würden immer weniger Landwirte darüber nachdenken, in neue Ställe zu investieren.

Droht auch in Deutschland der Ausbruch der Tierseuche Afrikanische Schweinepest?

Das wäre laut der Fachleute ein Supergau, aber leider nicht ausgeschlossen. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) wird durch Wildschweine übertragen. 

Wegen hohen Wildbestands bewerten einige das Risiko eines Ausbruchs als drastisch erhöht. „Die Jäger machen aktuell einen ganz wichtigen Job, indem sie den Wildbestand dezimieren“, findet Johannes Bechtel.

Gibt es genaue Pläne für ein solches Szenario?

Sollte in einem Stall die ASP ausbrechen, müssen alle Schweine des Betriebs getötet werden, und es werden strenge Handels- und Transportverbote verhängt.

Züchter beklagen auch höhere Kosten, die auf sie zukommen wegen der Ferkelkastration, warum?

Neben der ASP macht dieses Thema den Erzeugern das Leben schwer, denn noch immer gibt es keine Klarheit bezüglich der Kastration von Ferkeln. „Die kleinen Betriebe können sich die Tierarztkosten ganz einfach nicht mehr leisten. 

Die Anästhesie der Ferkel muss von einem Arzt durchgeführt werden, die Kastration wird aber wie schon zuvor vom Landwirt selbst übernommen“, erklärt Bechtel. Für viele Ferkelzüchter würde sich die Zucht aufgrund der hohen Tierarztpreise nicht mehr lohnen, da Tierarztkosten zu hoch würden.

Von Luisa Weckesser

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