Seit 250 Jahren schlägt die Turmuhr des Ziegenhainer Landgrafenschlosses

Geht die Uhr richtig?: Mithilfe eines Spiegels wird aus dem Turmfenster auf die Uhr geschaut. Seit genau 250 Jahren gibt die Turmuhr des Landgrafenschloss den Ziegenhainern die Zeit an.

Die alte Uhr im Schlossturm Ziegenhain feiert in diesen Tagen 250. Geburtstag. Täglich muss sie aufgezogen werden, um zu laufen.

Eher verhalten ist der Glockenschlag zu jeder Viertelstunde, etwas mehr rummst es zur ganzen Stunde: Die Turmuhr im Landgrafenschloss, dem ältesten Gebäude des Ziegenhainer Gefängnisses, schlägt seit genau 250 Jahren - vorausgesetzt, die Gefangenen der JVA vergessen das Aufziehen nicht.

Denn die digitale Revolution ist an der Turmuhr vorbeigegangen. Zum Gefängnisalltag gehört es, dass einmal am Tag ein Häftling mit einem Vollzugsbeamten die 116 Stufen den Turm hin- aufsteigt, um das Uhrwerk aufzuziehen. Dann läuft die Uhr ohne Schwierigkeiten, sagt Vollzugsbeamter Michael Sobaglo. „Nur menschliches Versagen lässt sie stehenbleiben.“

Zahnräder und Luftbremsen: Ein Wunderwerk.

Dort im Turmzimmer steht das kleine Wunderwerk mit seinen verschiedenen Zahnrädern und den beiden Luftbremsen in einem kleinen Holzhäuschen. Angetrieben wird die Uhr durch drei große Bruchsteine, zwei für die beiden Glocken, und einer für die Zeiger. „Wie wenig doch nötig ist, um so eine Uhr zu betreiben“, meint Sobaglo. Denn auch Pflege benötigt das Uhrwerk kaum: hin und wieder ein paar Tropfen Öl. Trotzdem sollte man sich auf die Uhrzeit nicht ganz genau verlassen. Mindestens fünf Minuten geht sie nach. Wenn sie allerdings einmal aufgezogen ist, läuft sie immerhin 14 Stunden.

Versteckt im Häuschen: Das Werk der Turmuhr

Über die Geschichte der Uhr ist nicht viel bekannt. Eine Schrift erinnert daran, dass die Uhr 1766 erbaut wurde und mehrmals wieder instandgesetzt wurde. 1922 sorgte die Turmuhr für Aufsehen, weil sie nicht mehr zu sehen war. „Sobald der Frühling ins Land gezogen sein wird, ist von der Turmuhr der Strafanstalt so gut wie nichts mehr wahrzunehmen. Und das hat mit seinem Umbau das Finanzamt getan“, kritisierte die Ziegenhainer Zeitung am 17. Januar 1922. Empfohlen wurde, die Uhr am Giebel des Finanzgebäudes anzubringen: „Dann würde jeder auch im übertragenen Sinne wissen, was die Glocke geschlagen habe.“ Im März 1922 war offenbar eine Lösung gefunden worden. Die unsichtbar gewordene Turmuhr sollte von der nordöstlichen an die östliche Ecke des Turmes verlegt werden. (syg)

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