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Schwalmstadt: Sprayer beschmieren Totenkirche

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Von: Sandra Rose

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Pfarrer Dieter Schindelmann ist traurig, dass es an der Totenkirche in Treysa immer wieder zu Schmierereien kommt. Der Schaden ist für die historische Bausubstanz erheblich. Alle
Pfarrer Dieter Schindelmann ist traurig, dass es an der Totenkirche in Treysa immer wieder zu Schmierereien kommt. Der Schaden ist für die historische Bausubstanz erheblich. Alle © Sandra Rose

Schriftzüge und Hakenkreuze im Inneren – Polizei ermittelt

Treysa – Die Totenkirche ist für viele ein Treffpunkt, um Freudiges miteinander zu teilen – Hochzeiten, Taufen, der Silvestergottesdienst, Konfirmationen und Kulturveranstaltungen. Immer wieder ist das Treysaer Wahrzeichen allerdings auch Ziel von Menschen, die Schäden am Gemäuer anrichten, Substanz zerstören und das Gelände vermüllen – zuletzt richteten Unbekannte im November 2019 großen Schaden im Chorraum an. Seinerzeit zündeten sie Bänke an, Rußpartikel mussten professionell beseitigt werden. Der Schaden damals: 20 000 Euro.

Auch zum Start in die Osterferien ist es wieder zu Vandalismus gekommen. Schmierereien finden sich an den Wänden im Inneren der 2006 aufwendig sanierten Ruine, neben Schriftzügen und Gang-Schmierereien sind im Chorraum auch Hakenkreuze auf die Wände gesprüht.

Auch vor alten Grabsteine machen die Unbekannten nicht Halt.
Auch vor alten Grabsteine machen die Unbekannten nicht Halt. © Sandra Rose

Pfarrer Dieter Schindelmann ist traurig, dass die Totenkirche immer wieder zum Ziel wird: „Besonders in den Ferien ist das Gelände ein beliebter Treffpunkt – warum man sich allerdings mit einer Spraydose verewigen muss, verstehe ich nicht“, sagt er. Zuletzt, um Heiligabend herum, war auch die Stadtkirche beschmiert worden. Für die Aktion gab es allerdings Zeugen, sodass die Täter ermittelt werden konnten.

Der Pfarrer sorgt sich vor besonders vor dem Sommer: „Die Totenkirche ist ein so schöner Ort, besonders für Trauungen – es ist nicht schön, zu sehen, dass er so vermüllt wird.“ Das Problem ist nicht neu: 2019 wurde das das Ordnungsamt ein Hinweisschild angebracht. Bis auf Weiteres ist der Zutritt abends zwischen 19 und morgens 7 Uhr verboten. Das schreckt jedoch kaum jemanden ab. Seinerzeit sagte Schindelmann: „Verbote bringen nichts. Die Jugendlichen brauchen Angebote und Raum.“

Die Beschilderung bietet der Stadt immerhin eine Handhabe, sie kann theoretisch einen Antrag auf Strafverfolgung stellen. Die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs sind bereits sensibilisiert, das Müllproblem ein regelmäßiges: „Aber es kann auch nicht sein, dass der Bauhof hier wöchentlich aufräumen muss“, sagt Schindelmann.

An geschmiedeten Elementen fand der Pfarrer im Chorraum unzählige Plastikbecher.
An geschmiedeten Elementen fand der Pfarrer im Chorraum unzählige Plastikbecher. © Sandra Rose

Ordnungsamts-Leiterin Doris Heinmüller berichtet von vermehrten Einsätzen der City-Streife, die das Gelände gezielt häufiger anfahre: „Es ist eine Art Katz-und-Maus-Spiel.“ Das Gelände technisch zu überwachen, ist schwierig: „Das Anbringen einer Überwachungskamera ist im öffentlichen Raum nicht so einfach möglich – dazu bräuchte es die Genehmigung des hessischen Datenschutzbeauftragten und die gibt es nur in Ausnahmefällen und unter strengen Auflagen“, erläutert Heinmüller.

Dieter Schindelmann beziffert den aktuellen Schaden auf etwa 2000 Euro. Verhältnismäßig niedrig ist die Summe aber nur, weil Mitarbeiter des Städtischen Bauhofes mittlerweile durch viele Erfahrungen über die entsprechende Expertise verfügen, wie sie die Farbe vom Stein bekommen: „Aber bei jeder Entfernung wird natürlich auch etwas von der historischen Substanz abgetragen“, sagt der Pfarrer. Zum Einsatz kommt bei der Beseitigung der Schmierereien das Verfahren mit einer Art Sandgebläse. Wie die Kripo Homberg mitteilt, sind dort die Ermittlungen aufgenommen worden. Als Tatzeit geht die Polizei vom Donnerstag, 7. April, in der Zeit von 15 bis 18 Uhr aus. Zwar wurde zum Fall eine Anzeige aufgenommen, jedoch handelt es sich hierbei um ein Offizialdelikt – das ist eine Straftat, die von der Staatsanwaltschaft von Amts wegen, also selbsttätig, verfolgt wird. Von dieser Art Delikt spricht man unter anderem, wenn es um das Aufbringen verfassungswidriger Zeichen und Symbole, in diesem Fall zwei Hakenkreuze, geht. Stand jetzt gibt es laut der Kripo noch keine Hinweise auf die Täter.

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